Es geht eine kalte Brise auf Deck 17 der Star Princess, nicht eben ein Wunder bei diesen Breitengraden: Wir segeln auf dem Weg von Seattle nach Skagway in Alaska soeben durch den Queen Charlotte Sound an der amerikanischen Nordwestküste, und auch Ende Mai herrschen hier, wenn’s hochkommt, zehn Grad Celsius. Aber in einem der vier Hot Tubs auf diesem Deck mit Blick auf den offenen Pazifik lässt es sich aushalten, solange man mit den Schultern unter Wasser bleibt.Noch erstaunlicher als das Erlebnis, in einem Whirlpool den Pazifik zu durchmessen, ist die Tatsache, sich auf diesem riesigen Kreuzfahrtschiff fast völlig allein zu finden. Natürlich hat das Wetter damit zu tun, dass sich an diesem Morgen kaum eine Handvoll der insgesamt fast 4500 anderen Passagiere an Bord auf oberen Decks unter freiem Himmel verlaufen. Wir alle bewohnen sieben Tage lang gemeinsam mit mehr als 1500 Mann Crew ein schwimmendes Dorf, fast 350 Meter lang und beinahe 45 Meter breit, das sich auf insgesamt einundzwanzig Stockwerken sechzig Meter über dem Meer auftürmt. Und doch hat man kaum das Gefühl, Teil einer Massenveranstaltung zu sein. Wer fürchtet, dauernd der Mitteilungslust cocktailschlürfender Profi-Kreuzfahrer im Liegestuhl nebenan oder der Entertainmentbeschallung einer Ballermann-Veranstaltung ausgeliefert zu sein, der darf sich hier eines Besseren belehren lassen.