Der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow im Gespräch über sein neues Kriegstagebuch, seine Familiengeschichte und Boule für Veteranen.
taz: Herr Kurkow, viele Autor*innen halten wie Sie den Kriegsalltag in Tagebüchern fest oder schreiben Kriegslyrik. Warum wird diese Literatur in der Ukraine und auch im Ausland gerade so viel gelesen?
Andrej Kurkow: Innerhalb der Ukraine ist die Hochphase dieser Literatur meines Erachtens schon wieder vorbei. Die Ukrainer erleben den Krieg täglich, sie wollen nicht auch noch darüber lesen. Krimis und Liebesgeschichten ausländischer Autoren verkaufen sich gerade gut. Auch in vielen anderen Ländern lässt das Interesse an den Kriegsaufzeichnungen nach.
taz: Welche Funktion hat diese Art von Literatur?
Kurkow: Ein gutes Beispiel ist das Buch des jungen Dichters Artur Dron, das derzeit sehr populär ist in der Ukraine. Er war Soldat, wurde verwundet und demobilisiert. Bücher werden in der Ukraine oft kaum lektoriert, eigentlich ist dies ein großes Problem. In seinem Fall ist es gut. Sein Buch ist direkt, ehrlich, emotional; es gibt Wiederholungen. Aber sie erfüllen eine Funktion, wenn er etwa über den Tod des geliebten Sanitäters Doc schreibt. Die Leser wollen keine Fakten, keine Statistiken, sie suchen nach der menschlichen Geschichte.







