Demi Vollering gewinnt die Tour de France zum zweiten Mal – Marlen Reusser verliert am letzten Tag ihren PodestplatzEine packende fünfte Ausgabe der Tour de France Femmes geht am Sonntag mit einem Triumph der Nummer 1 der Welt zu Ende. Die Niederländerin gewinnt in Nizza solo mit ihrem dritten Etappensieg.09.08.2026, 20.09 Uhr4 LeseminutenDemi Vollering gewinnt zum zweiten Mal nach 2023 die Tour de France. Es ist ihr 14. Sieg in diesem Jahr.Alex Broadway / GettyAm Ende waren alle Rechenspiele, alle Eventualitäten mit Bonussekunden oder Diskussionen um Hundertstelsekunden Makulatur. Demi Vollering liess ihrer letzten verbliebenen Konkurrentin Kasia Niewiadoma-Phinney am Sonntag keine Chance, distanzierte sie am letzten Anstieg über Nizza und fuhr solo ins Ziel, ihrem zweiten Gesamtsieg an der Tour de France Femmes entgegen. Bloss acht Sekunden hatte die Profi-Radfahrerin vor der Etappe vor der Polin gelegen, am Ende waren es deutliche 1:18 Minuten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damit gewinnt die Nummer 1 der Welt, die das nächste Kapitel einer überragenden Saison schreibt: Der Etappen- und Gesamtsieg in Nizza waren ihre Erfolge 13 und 14 in diesem Jahr. Das Palmarès ist vor allem Ausdruck ihrer Vielseitigkeit; neben dem Giro d’Italia gewann sie auch die Classiques Flandernrundfahrt oder Lüttich–Bastogne–Lüttich.Die härteste und längste Tour de France Femmes seit Beginn der Neuauflage 2022 bot Spektakel von der ersten Etappe in Lausanne bis zur letzten in Nizza. Und am Ende auch einiges an Dramatik: Niewiadoma, die am Freitag am Mont Ventoux mit einer überragenden Fahrt die Führung übernommen hatte, fühlte sich am Samstag von einer Teamkollegin Vollerings nach einer Kurve eingeklemmt – sie verlor an dem Tag Zeit und das gelbe Trikot.Die Tour soll weiter wachsen, aber langsamDas Duell zwischen den beiden hat eine Vorgeschichte. Schon 2024 entschieden Sekunden über den Gesamtsieg an der Tour; damals gewann Vollering die Königsetappe auf der Alpe d’Huez, es fehlten ihr am Ende aber vier Sekunden für den Gesamtsieg.Diesmal aber zeigte Vollering mit ihrem Antritt auf der letzten Etappe, dass über die ganzen neun Tage gesehen die stärkste und aktivste Fahrerin gewonnen hat. Sie attackierte von der ersten Etappe an bei jeder Gelegenheit, fuhr ein sehr gutes Zeitfahren, holte drei Etappensiege; einzig beim Teilstück zum Mont Ventoux ärgerte sie sich darüber, das Loch nicht sofort zugefahren zu haben, als Niewiadoma angriff.Malerischer Abschluss: Nach neun Tagen Hitze endete die Tour de France 2026 in Nizza; viermal musste das Feld über den Col d’Èze.Alex Broadway / GettyEs wird interessant sein zu sehen, wie sich die drei Grands Tours der Frauen künftig weiterentwickeln. Die Organisatoren der Tour de France überlegen sich, das Rennen weiter auszubauen. Es soll aber langsam wachsen – nicht nur, weil die Tour zuerst am Fernsehen und bei Sponsoren ihren Platz finden muss, ihr Publikum, was innerhalb der ersten fünf Ausgaben ausgezeichnet funktioniert hat.Sondern auch, weil es nicht nur eine Spitze braucht, die Weltklasseleistungen garantiert, sondern auch ein genug grosses Feld von Fahrerinnen, die das Niveau für ein solches Rennen haben, nachdem die Entwicklung des Frauen-Radsports jahrelang nur schleichend vorangeschritten is. Die rasanten Verbesserungen rissen das Feld auseinander; noch bei den ersten Austragungen gab es Teams und Fahrerinnen, die schon zu Beginn überfordert waren. Nun aber, wo die besten Fahrerinnen Stars sind und grosse Summen verdienen, verlangen die Teams und ihre Sponsoren nach mehr Renntagen und damit nach mehr Sichtbarkeit.Für die Tour de France war die diesjährige packende Ausgabe beste Werbung. Vielleicht mit Ausnahme davon, dass die einheimische Vorjahressiegerin Pauline Ferrand-Prévot keine Chance hatte und nach sieben Etappen aus gesundheitlichen Gründen aufgab.Reusser: «Die schlechtesten Beine meines Lebens»Auf bittere Weise erlebte auch Marlen Reusser, dass eine Streckenführung und eine Konkurrenz wie an dieser Tour nichts verzeihen. Die Schweizerin visierte erstmals den Gesamtsieg an.Und lange lief dieses Jahr vieles für sie: Sie dominierte das Zeitfahren am Dienstag und schuf sich so ein Polster, trug drei Tage lang das gelbe Trikot der Gesamtführenden. In der Mittwochsetappe im Stil einer Classique lieferte sie sich einen Schlagabtausch mit Vollering und Niewiadoma. Und auf der Königsetappe am Freitag auf den Mont Ventoux bewies sie, dass sie mittlerweile zu den weltbesten Kletterinnen gehört, auch wenn sie sich am Ende über die Fahrweise von sich und Vollering ärgerte und das Leadertrikot abgeben musste.Ärgerten sich im Nachhinein, dass sie Niewiadoma nicht sofort gefolgt sind: Marlen Reusser (l.) und Demi Vollering am Freitag am Mont Ventoux.Alex Broadway / GettyDoch von den Strapazen am berüchtigten Berg erholte sie sich nicht schnell genug. In der Etappe vom Samstag, als Vollering nochmals Zeit herausholte, hatte sie «die schlechtesten Beine meines Lebens», wie sie nach der Etappe sagte. «Ich habe schon früh gemerkt, dass sie sehr leer sind und sehr weh tun.»Das sah am Sonntag nicht anders aus. Bereits bei der zweiten von vier Befahrungen des Col d’Èze bei Nizza verlor sie den Anschluss – und stürzte in der Abfahrt auch noch. Sie fuhr das Rennen zwar fertig, verlor aber ihren Podestplatz an die Italienerin Elisa Longo Borghini, auf die sie vor der Etappe noch knapp zwei Minuten Vorsprung gehabt hatte.Ein herber Schlag für die 34-Jährige, die vom ersten Tour-Podium träumte. Es hätte der Höhepunkt einer schwierigen Saison werden sollen, in der sie mehrmals wegen Stürzen und Verletzungen zurückgeworfen wurde. Nach ihrem dritten Sieg an der Tour de Suisse fühlte sie sich auf gutem Weg. Noch kann sie die Saison aber mit einem grossen Sieg abschliessen. Ende September an den Weltmeisterschaften in Montreal tritt sie im Zeitfahren als Titelhalterin an – und will im Strassenrennen um Gold kämpfen.Und die Tour-Siegerin Demi Vollering? Sie hat bereits am Samstag den nächsten Renntermin – in ihrer Wahlheimat Schweiz, am Zuricrit.Passend zum Artikel
Demi Vollering gewinnt die Tour de France – kein Podest für Marlen Reusser
Eine packende fünfte Ausgabe der Tour de France Femmes geht am Sonntag mit einem Triumph der Nummer 1 der Welt zu Ende. Die Niederländerin gewinnt in Nizza solo mit ihrem dritten Etappensieg.










