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Wer auf eine Fake-Mail hereingefallen ist, sollte Strafanzeige erstatten. Foto: IMAGO/Pond5 Images Betrugsversuch: Die Masche mit der Insolvenzmasse Goldbarren mit Abschlag, Bagger mit Rabatt: Betrüger bieten angebliche Vermögenswerte aus Insolvenzen an. Die Masche ist alt, hat aber eine neue Qualität – sogar ein Bundesministerium ist betroffen.

Das Angebot klingt prima: Goldbarren mit Rabatt. Da wäre zum Beispiel ein 1000-Gramm-Barren Feingold von Heraeus, Preis: 100.214 Euro. Im Onlineshop des Edelmetallkonzerns kostet ein solcher Barren momentan 121.702 Euro, gut 21 Prozent mehr.Diese Offerte und andere, darunter weitere Goldbarren unterschiedlicher Gewichtsklassen sowie eine Auswahl an Baggern und Traktoren, stammen aus einer E-Mail, die auf den ersten Blick die Anwaltskanzlei Pluta verschickt hat. Die Vermögenswerte kämen, so ist zu lesen, aus einem Restrukturierungsverfahren. Eine Telefonnummer für Rückfragen ist auch angegeben.Für den erstaunlichen Gold-Rabatt hat der Herr am anderen Ende der Leitung eine Erklärung parat: Das Unternehmen, aus dessen Bestand die Barren stammten, benötige rasch Liquidität und könne nicht wählerisch sein. Weil das Gold schon vor Jahren angeschafft worden sei, bleibe trotz des Abschlags ein Gewinn.Gold Diese Faktoren sprechen für eine Trendwende beim Goldpreis Trotz herber Verluste in diesem Jahr: Die Goldhausse ist noch nicht vorbei. Auf lange Sicht hat das Edelmetall viel Luft nach oben. von Frank DollDie Fälle häufen sichMan könnte nun einwenden, dass sich das Gold bei einem Händler schnell und ohne Abschlag zum aktuellen Marktwert verkaufen ließe. Man könnte allerdings auch einwenden: Die E-Mail kommt überhaupt nicht von Pluta. Die angegebene Website ist nicht die der auf Insolvenzverwaltung spezialisierten Kanzlei, die Telefonnummer ebenso wenig. Und der Herr am anderen Ende der Strippe ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch kein Anwalt. Sondern ein Betrüger.Es ist eine kuriose Masche, die da gerade die Runde macht. Betrüger bieten per Mail angebliche Schnäppchen aus Insolvenz- oder Restrukturierungsverfahren an. Die Kanzlei Pluta warnt auf ihrer (echten) Website davor. Sie steht als vermeintlicher Absender solcher Angebote nicht allein da.Die Kanzlei Brinkmann & Partner warnte bereits früher im Jahr vor Betrugsversuchen im Zuge der Insolvenz des Autovermieters StarCar. Betrüger boten im Namen der Kanzlei vermeintliche Gebrauchtwagen aus der Insolvenzmasse an – gegen Vorkasse.Auch im Namen der Kanzlei Buchalik Brömmekamp Rechtsanwälte (BBR) wurden dieses Jahr Mails verschickt, in denen Maschinen und Fahrzeuge angeboten wurden, die angeblich aus Insolvenzverfahren stammten. Den Mails seien oft gefälschte Insolvenzbeschlüsse oder Inventarlisten angehängt, um Echtheit vorzutäuschen, heißt es von BBR.Fake-Bankenportale Wie Betrüger Festgeld-Sparer ausnehmen Die Website der Bank wirkt real, die Zinsen sind attraktiv. Alles sieht nach sicherem Festgeld aus – bis das Geld weg ist. von Niklas HoyerEin gewaltiger EmpfängerkreisNeu ist die Masche nicht. In früheren Jahren gab es mehrere Wellen solcher Betrugsmails. Dieses Jahr aber sei eine neue Qualität erreicht, sagt Heinz-Joachim Hombach, Rechtsanwalt und Gesellschafter der Kanzlei Pluta. „Seit Anfang Juli sind wir damit gestraft, und diese Streubreite haben wir in dem Ausmaß noch nicht gesehen.“Hombachs Vermutung: Die Betrüger haben womöglich im Darknet einen riesigen Satz Mailadressen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gekauft und ihre Mails einfach unterschiedslos an alle diese Adressen gesendet. Zuerst riefen die Österreicher bei Pluta an, um auf den Betrug aufmerksam zu machen. Österreichische Mailadressen haben die Top-Level-Domain .at – die Betrugsmails wurden anscheinend ordentlich nach Alphabet verschickt. Dann meldeten sich die Schweizer. Dann die Deutschen.Schließlich rief sogar das Bundesverteidigungsministerium an. Es hatte die Betrugsmail ebenfalls bekommen. An einem Bagger hätte das Ministerium aber wohl selbst dann kein Interesse gehabt, wenn das Angebot echt gewesen wäre. „Wir hoffen, dass es bald abebbt“, sagt Hombach. Pluta hat Strafanzeige gestellt. Aber eine Domain der Fake-Websites, auf die in den Mails verwiesen wird, ist in den USA registriert. Sie sperren zu lassen, dauert.Auktion statt MassenmailEchte Insolvenzverwalter, die echte Vermögenswerte aus echten Insolvenzen liquidieren, schreiben keine Massenmails. „Das wäre schon aus Gründen des Datenschutzes unzulässig“, sagt Hombach. In Verfahren nach dem Restrukturierungsgesetz StaRUG, die manche Betrüger in ihren Mails vorschieben, gebe es in der Regel überhaupt keine Verkäufe. „Ein StaRUG-Verfahren ist keine Liquidation, da werden keine Vermögensgegenstände verwertet.“Üblicherweise beauftragen Insolvenzverwalter einen Auktionator damit, Vermögenswerte online oder in Präsenz an den Höchstbietenden zu versteigern. Bei kleineren Insolvenzmassen mit geringem Wert wird meist ein kleiner Zirkel an regionalen Aufkäufern kontaktiert, die dann Gebote abgeben können.Wer auf eine Fake-Mail hereingefallen ist, sollte Strafanzeige erstatten, rät Hombach. Das sei aber in der Regel erst dann möglich, wenn die Betrüger bereits ein vorgebliches Angebot vorgelegt hätten. „Ich warne davor, Privatdetektiv zu spielen und selbstständig zu ermitteln“, sagt der Anwalt. Falls persönliche Daten übermittelt wurden, etwa ein Personalausweis-Scan, sollten Betroffene unbedingt ihre Bank kontaktieren. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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