Auf einer Geburtsstation ist vieles vorbereitet: das Bett, die Lampe, die Waage, die Tücher, die Hände der Hebamme. Die meisten Geburten verlaufen ohne dramatische Komplikationen: Ein Kind atmet, schreit, wird untersucht, gewogen und der Mutter auf die Brust gelegt. In Deutschland geschieht das mehr als 1800 Mal am Tag. Aber der Kreißsaal ist kein Ort der Gewissheit. Denn im Moment der Geburt kann sich vieles in Sekunden ändern. Ein Kind atmet nicht richtig. Es wurde zu früh geboren, zu klein, zu schwach, zu kalt. Plötzlich braucht es Sauerstoff, Wärme, Überwachung, kinderärztliche Hilfe, einen Inkubator. Nicht später, nicht nach einem Transport, sondern jetzt. Dann zählt jede Minute.
In diesem Moment wird Medizin auch zu einer Frage der Entfernung. Wie weit ist die Kinderklinik weg? Wer ist sofort erreichbar? Muss das Kind aus dem Kreißsaal in ein anderes Gebäude gebracht werden? Je kürzer der Weg, desto besser. Heute ist diese Nähe in modernen Perinatalzentren angelegt.
In der DDR gehörte Ingeborg Rapoport zu den Frauen, die diesen Gedanken früh vorantrieben. An der Charité machte sie daraus praktische Krankenhauspolitik. Aus ihrer Arbeit entstand eine neue Sicht auf den Beginn des Lebens: Der gefährdete Säugling musste dort versorgt werden, wo er geboren wurde.







