Kinderärzte sprechen von „gravierendem Elternversagen“ beim Umgang mit Social Media. Das ist hart formuliert. Aber vielleicht ist es an der Zeit, nicht nur auf die Plattformen und den Staat zu schauen, sondern auch auf die Erwachsenen, die Kindern das erste Smartphone in die Hand geben.

Jakob Maske, Bundessprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, hat diesen hart klingenden Satz mit Blick auf den Umgang von Eltern mit Smartphones und sozialen Medien ausgesprochen. In den Praxen, so Maske, sehe er täglich Kinder, die kaum noch von den Plattformen loskommen – und Eltern, die selbst auf ihre Telefone starren, während neben ihnen das Kind mit Kopfhörern auf dem Sofa sitzt. Und das ist vielleicht auch gleich der unangenehmste Teil der Debatte: Kinder lernen nicht nur durch das, was Eltern ihnen erlauben, sie lernen auch durch das, was Eltern selbst tun.

Immer ist jemand anderes schuld

Von Anfang an wurde die Schuld, dass Kinder zu viel am Handy hängen, delegiert: Da waren die bösen Algorithmen und die Plattformkonzerne. Nun soll es der Staat richten – mit Altersgrenzen, Alterskontrollen, Verboten. Die Bundesregierung diskutiert, eine Social-Media-Nutzung erst ab einem bestimmten Alter zu erlauben, auch auf europäischer Ebene wird über stärkere Schutzmaßnahmen beraten.