PfadnavigationHomeICONISTTrendsAbkühlungBitte einmal Nebeldusche zum Aperitivo!Von Frank LorentzStand: 12:03 UhrLesedauer: 3 MinutenDie Sprühnebelanlage benebelt ohne UnterbrechungQuelle: Dmitrii Marchenko/Getty ImagesIm Süden Europas sind sie längst überall: Sprühnebelanlagen kühlen Restaurantterrassen und spendieren Passanten Erfrischung to go. Jetzt kommen die feinen Nebelduschen auch nach Deutschland – wenn auch zunächst an unerwarteter Stelle.Florenz im August: Das ist nichts für schwache Nerven. Die Temperaturen liegen bei knapp 40 Grad. Trotzdem ist die toskanische Metropole, Hauptstadt der Renaissance und mit zahllosen Sehenswürdigkeiten gesegnet, voller Touristen. Stundenlang stehen sie Schlange vor dem Dom, teils im Schatten, teils in der prallen Sonne – irgendwie ermutigend, welche körperlichen Strapazen die Leute auf sich nehmen, um Kultur zu konsumieren. Sie quetschen sich über den Ponte Vecchio, die älteste Brücke der Stadt. Und sie bevölkern die Bars und Restaurants. Diese wiederum haben ihren Weg gefunden, die Hitze einigermaßen erträglich zu gestalten. In den Innenräumen arbeitet die Klimaanlage. Und draußen, auf der Terrasse, die Sprühnebelanlage.Sie funktioniert so: Durch eine Reihe von Düsen an bleistiftdünnen Wasserleitungen, die an Terrassenüberdachungen, Markisen oder Sonnenschirmen befestigt sind, wird mit hohem Druck Wasser gepresst. Es verdunstet augenblicklich und kühlt die Temperatur in der unmittelbaren Umgebung um ein paar Grad herunter. Die auf diese Weise entstehenden Miniatur-Feuchtgebiete sind äußerst flüchtig, darum muss die Anlage ständig laufen. Eine Nebeldusche, die nicht ständig läuft, ist totes Kapital. Die Folge ist, dass sich die speisende und trinkende Kundschaft, ob sie Alkohol zu sich nimmt oder nicht, in einem Zustand der Dauerbenebelung und -berieselung befindet. Schleichen hitzegeplagte Passanten vorbei, strecken sie die Arme aus und greifen ein wenig Erfrischung to go ab.Lesen Sie auchNebelduschen sind in vielen südlichen Städten im Einsatz, in denen geschichtsträchtige Bauwerke zu bestaunen sind und die Temperaturen sich im Sommer in schwer erträgliche Höhen schrauben. Der Mensch ist ein Großmeister der Anpassung, gleichzeitig hält er erstaunlich beharrlich an seinen Gewohnheiten fest. Immer wieder gelingt es ihm, sich auf Situationen so einzustellen, dass er seinen gewohnten Lebensstil möglichst unverändert beibehalten kann. Ganz nach dem Motto: Nicht das Leben den Umständen anpassen, sondern die Umstände dem Leben. Bisher freuen sich hauptsächlich KüheIm Winter gemütlich auf einer Restaurantterrasse hocken? Kein Problem, her mit den Heizpilzen und Wärmestrahlern. Im Hochsommer wird dann die Nebeldusche installiert. Fachausdruck: Hochdruckvernebelung. Der Wasserverbrauch soll wegen des hohen Drucks überschaubar sein. Dennoch ist es ein ambivalentes Signal, wie in Zeiten der Wasserknappheit zum Wohle der Menschen und der Restaurantumsätze mit Hochdruck Feuchtigkeit unters Volk gebracht wird.Im Herbst ist Nebel ein vertrauter Anblick. Je größer die Hitze, desto alltäglicher werden die sommerlichen Schwaden. Künstliche Klimatisierung boomt. Auch in Deutschland breiten sich Sprühnebelanlagen aus. Zu finden sind sie zum Beispiel in Kuhställen auf Bauernhöfen. Kühe leiden schnell unter Hitzestress, und dann geben sie weniger Milch und können krank werden. Das Haupteinsatzgebiet der Hochdruckvernebelung sind jedoch viel besuchte Plätze in den Innenstädten, in Köln beispielsweise, Hameln oder auch Lüneburg. Lesen Sie auchVor Kurzem ging im Zentrum von Wiesbaden eine öffentliche Gratis-Großnebeldusche in Betrieb, die auf etlichen Quadratmetern Fläche für ein erträgliches Mikroklima sorgt. Bürgermeisterin Christiane Hinninger kommentierte die Installation so: „Wasser ist der Schlüssel für ein angenehmes Klima in der heißen Innenstadt.“ Der Klimawandel ist in vollem Gange. Der Mikroklimawandel auch.Unser Kolumnist Jan Weiler ist in den Sommerferien und meldet sich im September zurück. Bis dahin lesen Sie an dieser Stelle Geschichten aus dem Sommerloch.