„Hier ist Freiraum. Was könnte daraus werden?“ Der Satz klebt auf einem einfachen Zettel an einem verwitterten Holzhäuschen mitten in Chemnitz. Darunter haben Menschen mit Kugelschreiber und Buntstift ihre Antworten hinterlassen: Creative Space. Eine Bar. Einfach ein Ort zum Begegnen.Wenige Minuten später begegnet mir beim Gang durch die Stadt dieselbe Haltung wieder. Auf dem Garagen-Campus – dem ehemaligen Betriebshof der Chemnitzer Verkehrs-AG, heute ein Ort für Ausstellungen – hängen weitere Schilder. „Warum bist du hier?“ „Wie fühlt sich dieser Ort an?“
Die Stadt Chemnitz stellt offene Fragen. Nicht: Was fehlt hier? Sondern: Was könnte hier entstehen? Für eine Stadt, die nach der Wende einen Großteil ihrer Einwohner verlor, ist das keine rhetorische Frage, sondern eine grundsätzliche: Kann Kreativität eine Stadt nicht nur für ein Kulturhauptstadtjahr aufhübschen, sondern dazu beitragen, Zusammenhalt und Lebensqualität dauerhaft zu stärken?Wer durch Chemnitz läuft, merkt schnell, dass diese Fragen nicht auf Schildern enden. Hinter insgesamt 3000 ehemaligen Garagentoren entstehen in der ganzen Stadt verteilt Möbel, Kunstwerke, Konzerte, Werkstätten und Ateliers. Es riecht nach Holz, Metall und Farbe. Kaum eine Tür bleibt geschlossen. Aus einer Werkstatt dringt das Kreischen einer Säge, wenige Meter weiter diskutieren zwei junge Frauen mit einem Schreiner. Als ich einen Moment vor einer offenen Werkstatt stehen bleibe, kommt eine Frau mit einem Farbeimer heraus. Sie bemerkt meinen neugierigen Blick, lächelt und sagt fast beiläufig: „Wir Chemnitzer sind Tüftler.“ Was sie genau damit meint, verstehe ich erst später.






