An Zahlen mangelt es dem SV Darmstadt 98 in diesem Sommer nicht. 28 Tore und elf Torvorlagen gingen mit Isac Lidberg und Fraser Hornby zu Borussia Mönchengladbach und zum VfL Wolfsburg. 7,5 Millionen Euro fließen dafür nach Darmstadt. Zehn neue Spieler hat Sportdirektor Paul Fernie dafür verpflichtet.Trainer Florian Kohfeldt spricht aber noch über eine andere Zahl. „Wenn man ehrlich ist, spielen wir auf sechs Startelfpositionen anders als im vergangenen Jahr. Das ist natürlich eine Menge.“ Sechs neue Spieler, das bedeutet eine neue Abstimmung, auch eine neue Hierarchie, die sich herausbilden muss.Lidberg und Hornby sind ohnehin nicht eins zu eins zu ersetzen. 39 Torbeteiligungen kauft man nicht mal so eben im Fußball-Supermarkt. Und durch den Abgang von Sergio López und die anhaltenden Verletzungsprobleme von Matthias Bader haben die „Lilien“ auch hinten rechts mit Christopher Lannert eine neue Besetzung. Hinten links fehlt Fabian Nürnberger, seinen Part übernimmt Florian Kleinhansl. Auch die Flügel werden neu besetzt.Kohfeldt redet den personellen Umbau nicht klein. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass wir das nicht merken, im Positiven wie im Negativen.“ Er schaut erst mal aufs Positive. „Wir haben eine unfassbar gute Energie und Intensität im Training. Es ist dieser Zauber von etwas Neuem, den wir gewonnen haben.“Hungrig sollten sie sein, die neuen Spieler. Lannert kam von Arminia Bielefeld, Kleinhansl aus Kaiserslautern, Noah Weißhaupt vom SC Freiburg, Lance Duijvestijn von Sparta Rotterdam, Ho-jae Lee von den Pohang Steelers aus Südkorea, Ibrahim El Kadiri von De Graafschap, Nicolas Verkooijen von der PSV Eindhoven, Lars Kehl vom VfL Osnabrück, Yannik Lührs von der zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim und Carlo Sickinger aus Elversberg.Ein Arbeitsauftrag für die nächsten WochenKohfeldt und Fernie geht es um mehr Intensität auf dem Platz. Um mehr Power, mehr Aggressivität, mehr Laufbereitschaft, mehr körperliche Präsenz. „Physisch sind wir schon besser drauf als im vergangenen Jahr“, sagt Kohfeldt. „Aber natürlich sind wir spielerisch noch nicht so weit.“ Die Feinabstimmung fehlt noch, das blinde Verständnis von Laufwegen und Räumen, die es zu nutzen gilt. „Das ist nach fünf Wochen Vorbereitung aber auch nicht zu erwarten.“Im vergangenen Jahr lebte das Darmstädter Team an guten Tagen vom Kombinationsspiel. Jetzt soll über die Außenbahnen mehr Tempo und Dribbelstärke hinzukommen. El Kadiri und Weißhaupt verkörpern diesen Spielertyp. „Jürgen Klopp hat mal gesagt, Flügelspieler seien die neuen Spielmacher“, sagt Kohfeldt. „So extrem würde ich das nicht sehen. Aber zwei oder drei Spieler dieses Typs werden uns guttun.“Die Darmstädter haben ihre Generalprobe für den Zweitligaauftakt gegen Holstein Kiel an diesem Samstag (13.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Bundesliga und bei Sky) gegen den FC Portsmouth absolviert, und das 0:0 gegen den englischen Zweitligaklub war weniger ein Fingerzeig für das Abschneiden in der neuen Saison als ein Arbeitsauftrag für die nächsten Wochen.Kapitän Marcel Schuhen im Tor war der auffälligste Darmstädter. Duijvestijn ließ ansatzweise erkennen, warum Kohfeldt ihn auf der Position des Spielmachers fest eingeplant hat. Der Niederländer ist der Neuzugang mit der größten Erfahrung. Um ihn herum wollen sie in Darmstadt das neue Offensivspiel entwickeln.Lakenmacher arbeitete viel, blieb im Sturmzentrum aber meist auf sich allein gestellt. Lee deutete seine Qualitäten an. Seine Ruhe am Ball und seine körperliche Präsenz waren unverkennbar. Ebenso, dass ihm nach wenigen Tagen in Darmstadt noch die Abstimmung mit seinen neuen Mitspielern fehlt. Über die linke Seite gingen viele Bälle verloren, gegen die kompakt auftretenden Engländer fehlte es im Spielaufbau immer wieder an Tempo. Die Baustellen im Darmstädter Spielbetrieb wurden sichtbar, das Ergebnis immerhin war in Ordnung.Kohfeldt heizt den Konkurrenzkampf anDie Besetzung von acht Positionen habe er vor dem Auftakt gegen Kiel im Kopf, sagte Kohfeldt Mitte der Woche. Drei noch nicht. Im Sturmzentrum konkurrieren Lakenmacher und Lee, dazu soll noch ein dritter Mittelstürmer kommen. „Ein technisch starker, mitspielender Stürmer – aber das kann noch dauern“, wie Kohfeldt sagt.Auf dem rechten Flügel kämpfen Weißhaupt und Verkooijen um einen Platz, links El Kadiri, Yōsuke Furukawa und der erst 17 Jahre alte Manolo Merx. Ihn hatte Kohfeldt im Test gegen den niederländischen Zweitligaklub Heracles Almelo spielen lassen und ihn danach in den höchsten Tönen gelobt. Merx habe „ein herausragendes Spiel gemacht“, sagte er. „Er ist als Jugendspieler in die Vorbereitung gestartet und hat sie als Teil des Profikaders beendet, der um die Plätze kämpft.“
2. Bundesliga: Florian Kohfeldt steht bei Darmstadt 98 vor Umbau
Darmstadt 98 geht mit einer runderneuerten Mannschaft in die Saison. Florian Kohfeldt setzt auf mehr Intensität und offene Konkurrenz, weiß aber auch, dass sich das Team erst finden muss.








