Die Anklage legt Karekin zur Last, sich über das Urteil eines weltlichen Gerichts hinwegzusetzen. Dieses verlangt die Wiedereinsetzung eines abgesetzten, Paschinjan-treuen Bischofs. Weigert sich der Kirchenführer weiterhin, drohen ihm bis zu zwei Jahre Haft. Das Gericht nahm in geschlossener Sitzung die Personalien auf und beendete dann den Verhandlungstag, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Der Fortgang des Prozesses ist vorerst ungewiss, weil der Richter sich für befangen erklärte.

Die Staatsmacht wolle die Freiheit der Kirche einschränken, beklagte Karekin vor zahlreichen Anhängern. »Mit Schmerz stellen wir fest, dass unsere heilige Kirche und die Geistlichkeit seitens des Staates mit Verfolgung überzogen werden«, sagte er. Er sprach von »illegalen und fabrizierten Anklagen« gegen Kirchenvertreter und Gläubige.Die orthodoxen Kirchen in Armenien und Georgien im Südkaukasus zählen zu den ältesten der Welt, ihr kultureller und gesellschaftlicher Einfluss ist bis heute groß. »Unseren geistigen Bruder, seine Heiligkeit Karekin II., vor Gericht vorzuladen, ist unannehmbar und muss verurteilt werden«, sagte ein Bischof nach Medienberichten.