Malte liebt seine Partnerin: Sie kennt ihn wie kein anderer, macht eigentlich alles, was er möchte. Streit gibt es nie. Dennoch vermisst er etwas. „Die Beziehung ist mir irgendwie passiert“, sagt er. „Ich bin da reingerutscht.“ Malte sitzt bei der Paar- und Sexualtherapeutin Johanna Degen in der Praxis. Bei der Frage, ob sie seine Partnerin kennenlernen darf, zückt er sein Handy: Die Partnerin heißt Camilla und ist ein digitaler Avatar, basierend auf Künstlicher Intelligenz.Maltes Name ist ein Pseudonym, und Details des Falles sind zum Teil verfremdet, um seine Anonymität zu wahren. Was bei Johanna Degen, die das Buch „The Shaping of the Parasocial Self“ geschrieben hat, in der Praxis besprochen wird, verlässt den Raum nicht, es obliegt der Schweigepflicht. Malte ist einer von vielen, die Degen in den letzten Jahren begleitet hat. Zu ihr kommen immer mehr Menschen, die Beziehungen mit einer KI haben – und die sich sorgen, ob sie normal sind. Manche möchten sich von ihrem Avatar trennen und wissen nicht, wie.Sie leben in einer sogenannten parasozialen Beziehung. Das trifft auch auf Menschen zu, die mehr Zeit mit ihren Instagram-Idolen verbringen als mit ihren Freunden. Sie haben das Gefühl, den Online-Influencer oder das digitale Gegenüber persönlich zu kennen. Die Gemeinsamkeit ist, dass sie einer Person oder der KI vertrauen und sich mit ihr verbunden fühlen. Die Beziehung bleibt jedoch einseitig. Nähe wird erlebt, wobei nur eine Seite an ihr beteiligt ist: Auch wenn Malte sich täglich mit seinem Avatar unterhält und intime Details verrät, etwa über seine sexuellen Phantasien, fehlt der Beziehung die Gegenseitigkeit. Und während der Follower weiß, wie der Influencer morgens nach dem Aufwachen aussieht und was er zum Frühstück isst, weiß der Influencer meist nicht mal, dass der Follower existiert.
Wann digitale Beziehungen zum Problem werden
Influencer werden zu Freunden, die KI zur Liebhaberin. Solche Beziehungen lösen reale Gefühle aus – und machen untauglich für echte Nähe. Wie geht man damit um?








