Die Pegelstände am Rhein sind in Nordrhein-Westfalen noch weiter gesunken und haben an allen vier großen Messstationen neue historische Tiefstwerte erreicht. In Düsseldorf war der Pegelstand mit 15 Zentimetern so niedrig wie noch nie und unterschritt das erst wenige Tage alte Rekordtief von 20 Zentimetern deutlich, wie aus Daten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein hervorgeht.Am Pegel Duisburg-Ruhrort betrug der Wert 145 Zentimeter und unterbot damit den bisherigen Tiefstand vom vergangenen Sonntag (148 Zentimeter). Die Pegelstände der einzelnen Messstationen am Rhein sind nicht direkt miteinander vergleichbar, da es keinen einheitlichen Nullpunkt für alle Pegel gibt. Pegelstand in Emmerich rutscht weiter ins Negative In Köln war der Pegelstand schon am Donnerstag unter den erst vor wenigen Tagen gemessenen historischen Tiefstwert von 67 Zentimetern gefallen und sank dann weiter auf nun 60 Zentimeter.In Emmerich bewegt sich der Pegelstand bereits seit Tagen im negativen Bereich und der Schwimmer des Pegels liegt trocken – eine Sonde liefert die Daten. Inzwischen ist der Wert auf den neuen Tiefstand von minus sechs Zentimetern gesunken. Laut Prognose soll er am Samstag sogar auf minus acht zurückgehen. Keine Erholung in Sicht Erholung ist zeitnah nicht in Sicht: Bis einschließlich Dienstag werden die Pegelstände laut Prognose allenfalls um wenige Zentimeter steigen und somit auf niedrigem Niveau verharren. Die Fahrrinne im Rhein ist wesentlich tiefer als der jeweilige Pegelstand am Ufer. In Köln etwa sind es beispielsweise 1,11 Meter mehr. Schiffe können zwar weiter fahren, allerdings nur mit viel weniger Fracht als normalerweise. Bundesregierung will Sonntagsfahrverbot für Lkw aussetzen Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger will angesichts des extremen Niedrigwassers an Rhein und Donau Konsequenzen ziehen. Nach einem Spitzentreffen mit der Industrie und Logistikbranche am Donnerstag in Bonn sagte der CDU-Politiker am Donnerstag, Ziel sei es, mehr Transporte auf Lkw und Güterzüge zu verlagern.Dafür soll auch das Fahrverbot für Lkw an Sonn- und Feiertagen ausgesetzt werden. Außerdem müssten Schiffe verstärkt umgerüstet werden, um sie auch bei Niedrigwasser gut nutzen zu können. Insgesamt sollen die Wasserwege ausgebaut werden.„Die Lage bleibt herausfordernd“, sagte Bilger nach dem 90-minütigen Treffen. Das Niedrigwasser sei dieses Jahr ungewöhnlich früh und extrem. Die Gütertochter der Deutschen Bahn, DB Cargo, habe zugesagt, trotz umfangreicher Baustellen im Rheinland zusätzliche Kapazitäten zu organisieren. Dank des neuen Infrastruktur-Zukunftsgesetzes könne der Ausbau von Wasserstraßen beschleunigt werden, was beispielsweise bei der Beseitigung von Engpässen am Mittelrhein helfen werde. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) verkündete am Donnerstag nach der Niedrigwasser-Konferenz die neuen Maßnahmen. © dpa/Oliver Berg Ein Bahn-Sprecher sagte auf Anfrage, DB Cargo sei im ständigen Dialog mit Kunden, die vom Niedrigwasser betroffen seien. Es werde nach pragmatischen Lösungen gesucht. Vor allem gebe es eine hohe Nachfrage nach Kohletransporten. Die Infrastruktur-Tochter der Bahn werde einen Sonderkoordinator Niedrigwasser einsetzen. „Dieser steuert und blickt großräumig auf die entsprechenden Nord-Süd-Verkehre.“ Das Cargo-Geschäft auf der Schiene läuft in der Regel über langfristige Verträge.„Wir können das Wetter nicht beeinflussen, aber wir könnten dafür sorgen, dass unsere Wirtschaft besser durch diese schwierigen Wochen kommt“, sagte Bilger nach dem Spitzentreffen. Er kündigte an, mit den Ländern jetzt konkreter über Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw für besonders betroffene Güter zu sprechen.Das Gleiche gelte auch für die schnellere Genehmigung von Schwertransporten, die auf die Straße verlagert werden müssen. „Ich habe bereits mit den Ländern gesprochen und große Bereitschaft dazu erkennen können“, so Bilger.Die bundeseigene Autobahngesellschaft habe man angewiesen, alles daran zu setzen, Ausweichverkehre nicht durch vermeidbare Baustellen auszubremsen. Das extreme Niedrigwasser sei eine konkrete Herausforderung für die Wirtschaft „und damit auch für unsere Versorgung“, sagte Bilger nach dem Treffen. (Reuters/dpa)