Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben am Freitag in der Pilgerstadt Mekka ein trilaterales Verteidigungsabkommen unterzeichnet. Das pakistanische Außenministerium teilte mit, die Vereinbarung schreibe fest, „dass jeder Angriff auf einen der drei Staaten als Angriff auf alle drei betrachtet werden soll“. Welche Unterstützungsmaßnahmen sich daraus im Angriffsfall konkret ableiten, wurde nicht mitgeteilt. Ziel sei es, „die kollektive Abschreckung zu stärken“.Unterschrieben wurde das Abkommen vom saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem pakistanischen Regierungschef Shehbaz Sharif. Von türkischer Seite hieß es, der Ort der Unterzeichnung nahe den heiligen Stätten des Islams sei von besonderer symbolischer Bedeutung.Im September 2025 hatten Saudi-Arabien und die Atommacht Pakistan bereits ein Verteidigungsabkommen mit teils gleichlautenden Passagen geschlossen. Nachdem Saudi-Arabien im Irankrieg unter Beschuss geraten war, stellte Pakistan Riad laut der „Financial Times“ Kampfflugzeuge samt Piloten sowie ein chinesisches Luftabwehrsystem vom Typ HQ-9 zur Verfügung. Im Gegenzug gewährte Saudi-Arabien Islamabad eine vorher bereits geplante Kreditlinie über drei Milliarden Dollar. Pakistan sträubt sich aber dagegen, weiter in den Irankrieg hineingezogen zu werden, weil in dem Land eine große schiitische Minderheit lebt, die den Obersten Führer Irans als religiöses Oberhaupt betrachtet.Das Abkommen zwischen Riad und Islamabad formalisierte eine seit Jahrzehnten gepflegte konventionelle Militärkooperation. Immer wieder gab es in der Vergangenheit aber auch Vorhaltungen westlicher Militärs und Geheimdienste, Saudi-Arabien finanziere das pakistanische Atomwaffenprogramm, um im Zweifel schnell auf eine pakistanische Bombe zurückgreifen zu können.Riad will sich nicht mehr allein auf Amerika verlassenVerhandlungen über eine Ausweitung des Abkommens auf die Türkei gab es Berichten zufolge seit knapp einem Jahr. Die drei Länder eint ihre Besorgnis über die Destabilisierung der Region infolge des Irankriegs und eine tiefe Skepsis gegenüber Israel. Alle drei Regierungen pflegen gute Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Die Kooperation stehe im Einklang mit der amerikanischen Forderung nach einem stärkeren regionalen Sicherheitsengagement seiner Verbündeten, schrieb Burcu Ozcelik von der Denkfabrik RUSI auf der Plattform X.Saudi-Arabiens Energieinfrastruktur ist zuletzt verstärkt ins Visier Irans und dessen Verbündeten, der Huthis im Jemen und irakischer Milizen, geraten. Das Land versucht schon länger, seine strategischen Beziehungen zu diversifizieren, um die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern, auf dessen Schutz sich das Königreich nicht mehr verlässt. Aktuell fürchtet die saudische Führung, dass sich Amerika überhastet aus dem von Riad ursprünglich nicht gewollten Irankrieg zurückziehen könnte, ohne saudische Sicherheitsinteressen ausreichend zu berücksichtigen.Die Sorge, dass Iran auf eine Atombombe hinarbeiten könnte, hat in Saudi-Arabien und der Türkei nukleare Ambitionen geweckt. Ende Juli schien Riad in dieser Hinsicht einen Erfolg verbuchen zu können. Die Vereinigten Staaten stellten dem Land ein ziviles Nuklearabkommen in Aussicht. Doch dann erklärte Präsident Donald Trump, das Projekt hänge „voll und ganz“ davon ab, dass Saudi-Arabien die Beziehungen zu Israel normalisiert. Das ist eine Bedingung, die für Riad kaum erfüllbar sein dürfte.Türkei: „Mekka-Abkommen“ richtet sich gegen keinen StaatAuch das NATO-Land Türkei hat seine Militärkooperation mit Pakistan in den vergangenen Jahren intensiviert, etwa durch gemeinsame Manöver. Für Ankara bietet der Schulterschluss mit den beiden muslimischen Mittelmächten die Möglichkeit, den eigenen Einfluss in der Region auszuweiten. Von einer Stabilisierung der Region erhofft sich die Türkei mehr wirtschaftliche Integration. Sie positioniert sich als Transitkorridor für Energielieferungen aus der Golfregion.Ankaras regionale Ambitionen geraten zunehmend in Konflikt mit israelischen Interessen. Die Türkei beobachtet ihrerseits argwöhnisch Israels Kooperation mit Griechenland und Zypern. Am Freitag ließ die türkische Regierung verbreiten, das „Mekka-Abkommen“ bedeute eine „komplette Neuausrichtung der regionalen Sicherheitsarchitektur“. Es folge keiner Strategie der Eindämmung und richte sich gegen keinen Staat. Es sei „ein strategischer Wendepunkt für die Türkei“, aber keine Alternative zur türkischen NATO-Mitgliedschaft.