Deutsche Sicherheitsbehörden vermuten eine russische Kampagne hinter einem jüngst verbreiteten Falschvideo zu einem angeblich bevorstehenden Rücktritt von Kanzler Friedrich Merz (CDU). „Urheber ist wahrscheinlich Storm 1516“, hieß es am Freitag aus Sicherheitskreisen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Das Propagandanetzwerk, das vom russischen Militärgeheimdienst GRU unterstützt werden soll, war im Dezember von der Bundesregierung bereits für Desinformationskampagnen während der Bundestagswahl verantwortlich gemacht worden.Diese Woche war in sozialen Netzwerken ein mit dem Logo der Deutschen Welle versehener Video-Clip zu dem angeblichen Merz-Rücktritt verbreitet worden. Dort wurde fälschlicherweise behauptet, das „Handelsblatt“ berichte unter Berufung auf interne Korrespondenz des CDU-Bundesvorstands, dass Merz am 10. August wegen anhaltend schwacher Umfragewerte seinen Rücktritt bekannt geben werde. Aussichtsreichster Nachfolger sei Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). „Typisch für Kampagnen, die Falschnachrichten verbreiten“ Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) teilte auf AFP-Anfrage mit, ihm sei die Kampagne bekannt. „Sie ist typisch für Kampagnen, die Falschnachrichten verbreiten“, hieß es. Häufig würden dabei „die erstellten Videos mit Logos von etablierten Leitmedien versehen, um dem transportierten Narrativ mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen“.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Der konkrete Fall zeige, „dass die Urheber dieser Informationsmanipulationsaktivität aufmerksam aktuelle politische Entwicklungen in Deutschland verfolgen und diese opportunistisch aufgreifen“, hieß es vom Verfassungsschutz weiter. „Durch das Hinzufügen eines weiteren Mediums wird die angebliche Meldung der Deutschen Welle vermeintlich authentischer gemacht.“Die Falschmeldung ziele „vor allem darauf ab, das politische Ansehen von Friedrich Merz als Bundeskanzler zu untergraben“, hieß es aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz. Dies sei „auch im Kontext der im September anstehenden Wahlen auf Landes- und Kommunalebene in Deutschland zu sehen“.Die Bundesregierung hatte Strom 1516 im Dezember vergangenen Jahres der Russischen Föderation zugeordnet. Sie machte das Netzwerk dabei für Versuche verantwortlich, „sowohl die letzte Bundestagswahl als auch fortlaufend die inneren Angelegenheiten der Bundesrepublik Deutschland zu beeinflussen“. Demnach stehe dahinter eine koordinierte Kampagne der Moskauer Denkfabrik Center for Geopolitical Expertise und der russischen Doppelkopfadler-Bewegung, die vom russischen Militärgeheimdienst GRU unterstützt werde. Gefälschtes Video, in dem Merz Eisbärenbabys tötet Ausgewertet wurden damals zehn Vorfälle aus den Jahren 2024 und 2025. Dazu gehörte etwa ein gefälschtes Video vom Juli 2025, das Kanzler Friedrich Merz (CDU) bei einem Jagdausflug in Kanada zeigen soll, bei dem er Eisbärenbabys getötet haben soll. Zudem ging es um Videos im Umfeld der Bundestagswahl vom Februar 2025, die behaupteten, dass die AfD entweder nicht auf Stimmzetteln auftauchte oder abgegebene Stimmen für die Partei vernichtet wurden.Auch in Frankreich sind kürzlich mehrere mögliche Präsidentschaftskandidaten Ziel gezielter Desinformationskampagnen Russlands geworden. Eine gegen den ehemaligen Premierminister Gabriel Attal gerichtete Aktion sei mit einigen tausend Aufrufen „kaum sichtbar“ gewesen. Sie habe aber darauf abgezielt, den Mitte-Rechts-Politiker acht Monate vor dem ersten Wahlgang zu destabilisieren.Wie AFP am Dienstag aus Sicherheitskreisen erfuhr, wurde in der vergangenen Woche auch eine gegen den wahrscheinlichen Präsidentschaftskandidaten der Linken, Raphaël Glucksmann, gerichtete Desinformationskampagne aufgedeckt. Die Kampagne ging demnach ebenfalls auf das Propagandanetzwerk Storm-1516 zurück.„Die russischen Sicherheitsdienste haben ihre Operationen zur Destabilisierung des Wahlkampfs für 2027 begonnen“, schrieb Glucksmann selbst in Onlinenetzwerken. Die ihn betreffende, erfundene Geschichte sei auf einer Website erschienen, die das seriöse Onlinemedium Blast imitierte.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Sie habe gefälschte Dokumente, mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) reproduzierte Stimmen und ein vollständig gefälschtes Video enthalten. „Das Ziel besteht darin, eine komplette Lüge viral gehen zu lassen, um Persönlichkeiten zu diffamieren, die vom russischen Regime als feindlich angesehen werden“, erklärte Glucksmann, der das Vorgehen Russlands in der Ukraine wiederholt scharf kritisiert hat.Storm-1516 hatte im vergangenen Monat auch Ex-Premierminister Edouard Philippe ins Visier genommen. Dazu wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Onlinenetzwerken Falschinformationen über seinen Gesundheitszustand verbreitet.RN-Kandidaten wie Marine Le Pen oder Jordan Bardella blieben von russischen Kampagnen verschont. Kein Wunder, stehen sie doch von allen größeren Kandidaten für die russland-freundlichste Politik. (AFP)
Desinformationsnetzwerk Storm 1516: Sicherheitskreise vermuten russische Kampagne hinter Falschvideo zu Merz-Rücktritt
Das russische Propagandanetzwerk Storm 1516 ist mit dem Militärgeheimdienst GRU verbandelt. Es erstellt etwa gefälschte Videos von Nachrichtenmedien.










