Im Mai sind Leon Blonski und Philip Fust in einen Industriekomplex an der Gwinnerstraße gezogen. Hier spielt das Handwerk noch eine Rolle. Schreiner, Steinmetze und Künstler arbeiten im Gewerbeviertel. Der Spezialist für Museumsvitrinen, Glasbau Hahn, hat an der Straße seinen Sitz, ebenso das Frankfurter Designmöbellabel e15. Tidløs Design ist Jüngster in der Runde – und ist dabei, wenn Test of now, der Caterer in der Nachbarschaft, an diesem Samstag von 17 Uhr an zum ersten Streetfoodfest im Quartier einlädt.Leon Blonski hat Tidløs Design in Gießen gegründet und noch viel vor.Inga KlöberTidløs, gesprochen wie geschrieben, kommt aus dem Dänischen und bedeutet zeitlos. Es ist die passende Bezeichnung für die Designklassiker aus den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren, die Blonski und Fust seit Mai in der 450 Quadratmeter großen Halle ausstellen. Zuvor hatten sie einen Pop-up in einem Industriegebäude in der Innenstadt. Am neuen Standort gibt es mehr Platz und vor allem Parkplätze.Die Ausstellung ist eine Schau. Blonski und Fust, der eine zuständig für die Klassiker, der andere für die Industrieschiene, verstehen ihr Handwerk. Sitzgruppen, Beistelltische, Kommoden und Leuchten sind ansprechend arrangiert, und teilweise geht es weit nach oben. Vitra-Chairs stehen etwa aufgereiht auf einer Empore. Eine Wand ist komplett mit Stringregalen aus den Fünfzigern bestückt. Auch für Accessoires (Blumenvasen, Kunstobjekte) haben die beiden ein Händchen.„Wir wollen nichts, das schrottig aussieht“Die Mid-Century-Ära, deren Designvertreter nicht nur Wert auf Ästhetik, sondern auch auf Funktion und Komfort setzten, spielt bei Tidløs eine große Rolle. In der Ausstellung stehen viele robuste Tische, Stühle und Sessel aus Teak- und Eichenholz. Überhaupt macht alles einen sehr wertigen Eindruck. Das ist Leon Blonski, der sich vor einem Jahr mit Fust zusammengeschlossen hat, sehr wichtig. „Wir wollen nichts, das schrottig aussieht.“ Ein Mitarbeiter kümmert sich ausschließlich um die Aufarbeitung. Gemessen an der Qualität, sind die Preise vergleichsweise günstig. 485 Euro kostet ein runder Teakholz-Tisch, 650 Euro der Vitra-Stuhl, der keine Macken hat und für den neu das Drei- bis Vierfache verlangt wird.Unverwüstliches dänisches Design: Stühle und Tische aus TeakholzInga KlöberViele ihrer Designstücke finden Blonski und Fust über Haushaltsauflösungen und Firmeninsolvenzen. Exklusives auch über Auktionen. Das Ausrümpeln bieten sie als Dienstleistung an, behalten dann anschließend die Designstücke, die zu Tidløs passen, den Rest geben sie an Sozialkaufhäuser und andere Einrichtungen. Manchmal sind richtige Schätze dabei wie die stabilen Stahlregalsysteme im Industriedesign von Lips Vago, die sowohl an der Wand als auch frei stehend funktionieren. Oder, frisch eingetroffen, abgeschleift und eingeölt: große Holzkisten aus einer Nadelfabrik (85 Euro).Auf ihren Beschaffungswegen erleben die beiden immer wieder Überraschungen. Es ist noch nicht lange her, dass sie in einer Lampenfabrik engagiert wurden, die seit zehn Jahren lange leer stand. „Da wuchsen schon Bäume in den Räumen“, erzählt Blonski. Doch die Ausbeute war gut. Ein Teil der Lampenschirme steht schon frisch aufpoliert im Regal, der Rest im Lager in Gießen, wo Tidløs auch einen Lagerverkauf anbietet. Eine wichtige Rolle spielt der Onlineshop, der professionell aufgemacht ist. Verkauft wird auch über andere Onlinekanäle.Blonski hat zunächst Wirtschaftswissenschaften studiert. Seine Mutter betreibt ein Einrichtungsgeschäft in Gießen, darauf führt er sein Faible für Design zurück. Angefangen hat er ganz klein, in einer Garage in Gießen, wie er erzählt, mit hundert Euro, ohne Gründerzuschuss. Die Tage sind lang im Viermannbetrieb – Tidløs liefert im Großraum Frankfurt auch aus – und die Geschichte ist noch nicht zu Ende für den Dreißigjährigen. „Wir haben noch viel vor.“Tidløs Design, Gwinnerstraße 42–46, Frankfurt; samstags 12 bis 18 Uhr; am 8. August wegen Streetfoodmarkt im Quartier erst von 17 Uhr an