Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (Nabu) und die Sonderstaatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung (Sapo) haben gegen Olha Stefanyschyna, bis vor kurzem ukrainische Botschafterin in den USA, Anklage wegen mutmaßlicher illegaler Bereicherung erhoben. Im Mittelpunkt steht der Erwerb einer Wohnung in Kiew. Die Anklage erfolgte nur zwei Tage nach ihrem Rücktritt.

Stefanyschyna erschien am 5. August vor dem Obersten Antikorruptionsgericht der Ukraine. Die Staatsanwaltschaft in Kiew beantragte eine Kaution in Höhe von 13 Millionen Hrywnja (umgerechnet rund 255.000 Euro). Nach Angaben der Ermittler soll die Ex-Botschafterin Wohnungen, Bargeld sowie die Nutzung eines Mercedes verschwiegen und deutlich über ihre offiziell erklärten Einkünfte hinaus gelebt haben. Die Journalistin Lenka White weist darauf hin, dass Stefanyschyna früher eng mit dem ehemaligen Leiter des Präsidialamts, Andrij Jermak, zusammenarbeitete. Stefanyschyna weist sämtliche Vorwürfe zurück.

Sie ist jedoch keineswegs die erste enge Vertraute Selenskyjs, gegen die in diesem Jahr Korruptionsvorwürfe erhoben wurden. Bereits zuvor erschütterte der umfangreiche Korruptionsskandal um den staatlichen Energiekonzern Energoatom das Umfeld des Präsidenten. Im Zentrum steht der Unternehmer Tymur Minditsch, einst einer der engsten Verbündeten Selenskyjs. Ihm wird vorgeworfen, rund 100 Millionen US-Dollar aus dem Unternehmen abgezweigt zu haben. Geld, das nach Ansicht der Ermittler für den Schutz der ukrainischen Kernkraftwerke gegen russische Raketenangriffe fehlte.