AnalyseSchott Pharma: Die Investitionen in das Abnehmspritzen-Geschäft zahlen sich ausNoch vor wenigen Monaten hatte der Kapitalmarkt das Vertrauen in den Pharmazulieferer weitgehend verloren. Der Grund war eine Gewinnwarnung. Mit starken vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal und der angehobenen Prognose sendet das Unternehmen nun wieder positive Signale.Sebastian Lang07.08.2026, 03.21 UhrDie Euphorie beim Börsengang im Herbst 2023 war gross. Schott Pharma galt als seltene Kombination aus Qualitätsunternehmen und Wachstumswert, entsprechend hoch waren die Erwartungen. Mit dem Ende des pandemiebedingten Sonderzyklus normalisierte sich jedoch die Nachfrage nach Spritzen und anderen Primärverpackungen, während der Lagerabbau bei Kunden das Wachstum zusätzlich belastete.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Injektionsstift des französischen Unternehmens Nemera mit Glaskarpule von Schott Pharma.ZVGKaum beachtet von der Öffentlichkeit verbesserte sich die Ertragsqualität des Geschäfts jedoch kontinuierlich: Der SDax-Konzern profitiert von langfristigen Kundenbeziehungen und bewegt sich in einem Markt mit hohen regulatorischen Eintrittsbarrieren. Und er verkauft zunehmend margenstarke, hochwertigere Produkte, die das Unternehmen als High Value Solutions bezeichnet. Darunter versteht Schott Pharma besonders hochwertige Primärverpackungen und Drug-Delivery-Systeme mit hohem technologischem Anspruch. Dazu zählen unter anderem vorsterilisierte, sofort einsatzbereite Fläschchen (Vials), zylindrische Glasbehälter für Injektionspens (Karpulen), sowie vorfüllbare Spritzen. Diese Produkte erfüllen besonders anspruchsvolle regulatorische und technische Anforderungen und erzielen aufgrund ihres hohen Mehrwerts überdurchschnittliche Margen.Schott Pharma sitzt in Mainz und wurde 2022 als eigenständiges Unternehmen aus dem Schott-Konzern ausgegliedert sowie ein Jahr später an die Börse gebracht. Mehrheitsaktionärin ist mit rund 77% die Carl-Zeiss-Stiftung, die als langfristig orientierte Eigentümerin ihre wissenschaftliche Fördertätigkeit aus den Dividenden ihrer Beteiligungen finanziert.Der Fokus von Schott Pharma liegt auf pharmazeutischen Primärverpackungen und Drug-Delivery-Systemen. Mit jeder neuen Generation moderner Arzneimittel steigen die Anforderungen an Sterilität, Materialqualität und regulatorische Dokumentation. Biopharmazeutika, Abnehmmittel und andere komplexe Wirkstoffe erhöhen die Bedeutung hochwertiger Verpackungs- und Verabreichungslösungen, auf die sich das Unternehmen seit Jahren spezialisiert hat.Diese Entwicklung verändert zunehmend auch den Produktmix. Der Umsatzanteil der margenstarken High Value Solutions stieg von 39% im Geschäftsjahr 2022 auf 57% im Jahr 2025. Parallel verbesserte sich die Profitabilität: Trotz der Normalisierung des Umsatzwachstums nach dem pandemiebedingten Sonderzyklus steigerten die Hessen ihre Ebitda-Marge von 26,8% im Jahr 2022 auf zuletzt 28,4%.Die Kundenbeziehungen bestehen häufig über viele Jahre. Primärverpackungen sind Bestandteil des Zulassungs- und Validierungsprozesses eines Medikaments, weshalb ein Wechsel des Lieferanten umfangreiche regulatorische und technische Requalifizierungen erfordert. Entsprechend hoch sind die Wechselkosten. Alle 30 weltweit führenden Pharmaunternehmen setzen Lösungen von Schott Pharma ein. Zusätzlichen Rückenwind erhält das Unternehmen durch die steigende Zahl von GLP-1-Therapien gegen Diabetes und Adipositas (Fettleibigkeit). Nach Unternehmensangaben bestehen langfristige Liefervereinbarungen mit führenden Herstellern dieser Medikamente.Hohe Eintrittsbarrieren stützen die Attraktivität des MarktesRegulatorische Anforderungen, langwierige Qualifizierungsprozesse und anspruchsvolle Fertigungsstandards erschweren den Markteintritt neuer Wettbewerber erheblich. Gemeinsam mit Gerresheimer, Stevanato und Nipro zählt Schott Pharma zu den weltweit führenden Anbietern von Primärverpackungen für injizierbare Medikamente.Dass Schott Pharma, Gerresheimer und Stevanato 2024 gemeinsam die «Alliance for RTU» gründeten, ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert. Die Initiative soll die Verbreitung vorsterilisierter Stechampullen für den sofortigen Einsatz („Ready-to-Use-Vials“ ,RTU) beschleunigen und gemeinsame Qualitätsstandards fördern. Sie verdeutlicht zugleich, dass der Wettbewerb in diesem Markt vor allem über Qualität, Zuverlässigkeit und Fertigungskompetenz geführt wird und weniger über proprietäre Technologien.Wohl auch deshalb spielen chinesische Unternehmen in dieser Nische eine untergeordnete Rolle. Christian Reindl von Union Investment sieht darin einen erheblichen Vorteil für Schott Pharma. «Die grösste Gefahr für jedes Medizintechnikunternehmen ist, dass chinesische Konkurrenz das Geschäft angreift. Bei Schott Pharma gibt es derzeit keinen chinesischen Wettbewerb», sagt der Fondsmanager des UniDeutschland XS. Positiv wertet Reindl auch die langjährige Kooperation von Schott Pharma mit dem Schweizer Familienunternehmen Ypsomed, einem Anbieter von Injektionssystemen.Die einheimische Konkurrenz in Form von Gerresheimer fiel in den vergangenen Monaten vor allem negativ auf, durch Bilanzierungs- und Governance-Themen. Operativ bleibt das Unternehmen ein hochwertiger Wettbewerber.Das Wachstum normalisiert sich, die Qualität bleibtAm Kapitalmarkt verfügt Schott Pharma derzeit wieder über einen klaren Vertrauensvorsprung zu Gerresheimer. Der enttäuschende Kursverlauf seit dem Börsengang ist weniger Ausdruck operativer Schwäche oder Unregelmässigkeit, sondern einer schrittweisen Normalisierung der Erwartungen geschuldet. Lagerabbau bei Kunden, eine vorübergehend schwächere Nachfrage nach Spritzen und ein insgesamt moderateres Umsatzwachstum sorgten für Ernüchterung bei den Anlegern und liessen den Bewertungsaufschlag erodieren. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich das zugrunde liegende Geschäftsmodell kaum verändert hat.Auch seit 2022 wächst Schott Pharma kontinuierlich. Der Umsatz stieg um 20% auf 986 Mio. € im Jahr 2025, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 6,3% entspricht. Mittelfristig (2027 bis 2029) peilt das Management ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 6 bis 8% pro Jahr sowie eine weitere Ebitda-Margenverbesserung auf rund 30% an.Die Prognose für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr 2026 wurde Anfang Juli angehoben. Der vollständige Finanzbericht zum dritten Quartal wird erst am 12. August veröffentlicht, die vorläufigen Zahlen waren ermutigend und rechtfertigen den optimistischeren Ausblick. Nach einem starken dritten Quartal erwarten die Mainzer nun ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 5 bis 6% (zuvor: 2 bis 5%). Die Ebitda-Marge soll 27 bis 28% erreichen (zuvor: rund 27%).Neben der guten Geschäftsentwicklung und den positiven Erwartungen für das vierte Quartal trug dazu auch eine Einigung mit einem wichtigen Kunden für Glasspritzen bei. Dieser hatte Ende 2025 noch seine Bedarfsplanung angepasst und dadurch die erwähnte Gewinnwarnung von Schott Pharma ausgelöst.Von der Investitions- zur Cashflow-PhaseIn Zukunft dürfte die Cashflow-Entwicklung verstärkt in den Fokus rücken. Der bislang vergleichsweise niedrige Free Cashflow ist vor allem auf die umfangreichen Kapazitätserweiterungen der vergangenen Jahre für die High Value Solutions zurückzuführen. Mit steigender Auslastung dieser Anlagen dürfte künftig ein grösserer Teil des operativen Cashflows im Free Cashflow sichtbar werden. Erste Hinweise darauf liefert bereits das erste Halbjahr 2026: Trotz weiterhin hoher Investitionen stieg der Free Cashflow auf 45,4 Mio. €, wozu neben dem operativen Geschäft auch ein verbessertes Forderungsmanagement beitrug.Die hohe Investitionstätigkeit ging dabei nicht zulasten der Bilanz: Mit einer Eigenkapitalquote von rund 59% und einer geringen Nettoverschuldung ist Schott Pharma finanziell sehr solide aufgestellt. Kapitalrückführungen haben aber derzeit eine nachrangige Bedeutung; die Finanzierung des organischen Wachstums hat weiterhin klar Priorität.Schott-Pharma-Aktien: Raum für eine NeubewertungMit einem KGV von 21 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2027 ist die Aktie von Schott Pharma nicht billig. Für ein Unternehmen mit strukturellem Wachstum, einer erwarteten Ebitda-Marge von über 27%, hohen Eintrittsbarrieren und einer sehr soliden Bilanz erscheint dieses Bewertungsniveau jedoch keineswegs ambitioniert. Hinzu kommt, dass der Gewinn je Aktie nach dem Übergangsjahr 2026 bis 2028 wieder mit knapp 12% pro Jahr wachsen dürfte. Gleichzeitig sollte sich der bislang durch hohe Investitionen belastete Free Cashflow spürbar erholen.Im Branchenvergleich wirkt die Bewertung sogar zurückhaltend: Trotz einer Profitabilität auf dem Niveau von Stevanato und West Pharmaceutical wird Schott Pharma mit einem deutlichen Abschlag bewertet. Sollte das Wachstum wie erwartet wieder an Dynamik gewinnen und sich die Cashflow-Konversion verbessern, ist dieser Bewertungsabschlag schwer zu rechtfertigen.Gerresheimer eignet sich aufgrund der deutlich niedrigeren Profitabilität sowie der derzeit von Bilanzierungs- und Restrukturierungsthemen geprägten Bewertung nur eingeschränkt als Referenz. Ypsomed wiederum ist als Hersteller von Drug-Delivery-Systemen wie zum Beispiel Injektionspens nur bedingt vergleichbar.Der pandemiebedingte Sonderzyklus ist vorbei. Schott Pharma steht heute jedoch operativ stärker da als noch vor wenigen Jahren. Für langfristig orientierte Anleger bleibt die Aktie auch nach der jüngsten Kurserholung kaufenswert.
Schott Pharma: Der Sonderzyklus ist vorbei, die Qualität bleibt
Noch vor wenigen Monaten hatte der Kapitalmarkt das Vertrauen in den Pharmazulieferer weitgehend verloren. Der Grund war eine Gewinnwarnung. Mit starken vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal und der angehobenen Prognose sendet das Unternehmen nun wieder positive Signale.







