Nach dem Vorfall mit einer mit Sprengstoff präparierten Drohne am Leipziger Flughafen sind auch die Sicherheitsbehörden in Hessen in erhöhter Alarmbereitschaft. Nicht zuletzt gelte es, den Frankfurter Flughafen so abzusichern, dass Ähnliches nicht auch dort geschehen könne. Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) sagte am Donnerstag, er teile die Auffassung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), dass sich die Gefährdungslage für Deutschland insgesamt verändert habe: von einer „abstrakten“ hin zu einer „hohen Gefahr“ hybrider Angriffe.Für den Frankfurter Flughafen gebe es aktuell keine Hinweise, dass dort ein ähnliches Szenario wie in Leipzig bevorstehe. Jedoch müssten alle beteiligten Stellen besonders wachsam sein. Drohnen, die nicht erkannt werden könnten, seien ein Problem. Hessen sei bei der Drohnenabwehr schon gut aufgestellt mit dem Kompetenzzentrum der Landespolizei in Egelsbach. Dennoch sei es nun noch drängender geworden, die technischen und operativen Möglichkeiten, gegen feindliche Drohnen vorzugehen, auszubauen.Drohnen am Flughafen: Im Zweifel abschießen?Im vergangenen Jahr habe man damit begonnen, zehn Millionen Euro vorzuhalten, um entsprechende Technik zur Drohnenabwehr beschaffen zu können. Aktuell befinde man sich in diesem Prozess, so Poseck weiter. Im hessischen Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung sei die rechtliche Grundlage dafür geschaffen worden, Drohnen im Zweifelsfall auch abzuschießen.Zu der Frage, welche Möglichkeiten es zur Drohnenabwehr speziell am Frankfurter Flughafen gebe, befinde man sich derzeit in Gesprächen mit allen Beteiligten des Frankfurter Flughafens, in erster Linie mit dem Flughafenbetreiber Fraport und der Bundespolizei. Die Bundespolizei ist am Flughafen in erster Linie für die Sicherheit zuständig.Offenbar sei es in Leipzig nicht möglich gewesen, die Drohne auf dem üblichen Weg zu erkennen. „Wir müssen deshalb unsere Fähigkeiten in die Detektion der Fluggeräte sowie in deren Abwehr weiter intensivieren.“ Das gelte vor allem bei den Drohnen, die offenbar von Staaten losgeschickt würden. „Das sind keine Drohnen, die man im Baumarkt kaufen kann.“Poseck: Weitere Eskalationen durch Putin wahrscheinlichDas in Leipzig erlebte Anschlagsszenario zeige, wie angespannt die Sicherheitslage derzeit sei, so Poseck. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir es in Leipzig mit einem hochprofessionellen Angriff zu tun haben.“ Mutmaßlich sei er von einem staatlichen Akteur gesteuert worden.Russland trete seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine als Hauptaggressor auf. „Weitere Eskalationen durch Putin sind wahrscheinlich.“ Dabei erhalte er auch Unterstützung aus dem Inland durch einzelne Extremisten und extreme Parteien, „die besonders russlandfreundlich sind“. Auch Cyberangriffe, Sabotage und Spionage seien inzwischen an der Tagesordnung. „Die Gefahren, die von Russland ausgehen, können nicht hoch genug eingeschätzt werden.“Der Flughafen gehört zur kritischen InfrastrukturPoseck machte abermals darauf aufmerksam, dass Hessen mit seinem Flughafen, aber auch mit dem Internetknotenpunkt sowie militärischen Liegenschaften von zentraler Bedeutung sei. Um hybride Bedrohungen schneller zu erkennen, wird künftig die neu gegründete Abteilung für Spionage und hybride Bedrohungen im hessischen Landesamt für Verfassungsschutz, die am Donnerstag vorgestellt wurde, eingesetzt. Das Landesamt tauscht sich dahingehend zudem intensiv mit dem Bundesnachrichtendienst und dem Bundesamt für Verfassungsschutz aus, wie der hessische Verfassungsschutzpräsident Bernd Neumann sagte.Deutschlands größter Flughafen gehört zu einer Liste von acht Airports, die zur kritischen Infrastruktur des Landes gerechnet werden. Dort sowie an weiteren großen Flughäfen ist schon vor Monaten eine Drohnenabwehr eingerichtet worden. Wie das Bundesinnenministerium im Dezember mitteilte, sieht die Einheit 130 Spezialkräfte vor. Sie soll unter anderem KI-gestützte Störsysteme und automatische Abfangdrohnen einsetzen.Frankfurter Flughafen: „Das ist eine neue Qualität“Auch wenn es in Frankfurt einen vergleichbaren Fall wie in Leipzig noch nicht gegeben hat, ist dort die Aufmerksamkeit nun noch einmal gestiegen. „Das ist natürlich eine neue Qualität“, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Allerdings sei die Detektion und Abwehr von Drohnen Aufgabe vor allem der Bundespolizei, mit der man permanent in engem Kontakt stehe. Ein Sprecher der Bundespolizei in Frankfurt sagte: „Wir sind gewappnet.“Laut der Deutschen Flugsicherung, die für die sichere Abwicklung des Luftverkehrs zuständig ist, ist die Zahl der rund um Flughäfen gesichteten Drohnen zuletzt deutlich gestiegen. Einer Sprecherin zufolge gingen bei der Flugsicherung von Jahresbeginn bis Ende Juni 166 Meldungen von Drohnen ein, die den Flugverkehr behindert hätten – das entspricht einem deutlichen Anstieg gegenüber 2025, als im ganzen Jahr 227 Drohnen gesichtet wurden. Die meisten Sichtungen gab es 2026 bisher mit 28 Fällen in Berlin, direkt dahinter folgen Frankfurt (27), Bremen (23) und der am Mittwoch betroffene Flughafen Leipzig (18). Ob es sich dabei nur um Drohnen von Privatpersonen handelt, die versehentlich den Luftverkehr behindern, oder um gezielt dorthin gesteuerte, sogenannte unkooperative Geräte, das erfahre die Flugsicherung nicht, so die Sprecherin.Bei der Behörde gehen neun von zehn Hinweisen auf Drohnen derzeit noch von Piloten selbst ein, auf den Radarschirmen der Fluglotsen sind sie nicht erkennbar. Anschließend ist die Flugsicherung dafür zuständig, die Sicherheit des Luftverkehrs zu gewährleisten, meist werden die betroffenen Landebahnen gesperrt. Da es in Frankfurt mehr Bahnen gibt als an anderen Flughäfen, waren die Beeinträchtigungen des Flugverkehrs am größten deutschen Airport bisher vergleichsweise gering. Die Ermittlung der Täter und der Ursachen obliegt dann der Polizei.
Frankfurter Flughafen rüstet sich gegen Drohnen
Der hessische Innenminister Roman Poseck sieht nach dem Drohnenanschlag von Leipzig auch für Hessen eine „hohe Gefahr“. Die Abwehr soll verbessert werden.













