Es ist eine unschöne Überraschung, die den Besitzer eines BMW i4 an diesem Apriltag an seinem Auto erwartet. Über Nacht hat er den Wagen in einer Wohngegend in Bogenhausen abgestellt, und als er nun zurückkehrt und aufsperren will, fällt sein Blick auf den linken Außenspiegel. Dort, wo eigentlich das Glas sitzt, ist nur noch das Innenleben des Spiegels zu sehen, aus dem ein Kabel hervorragt. Das Außenspiegelglas jedoch hat jemand herausgedrückt und mitgenommen. Der Schaden inklusive Reparaturkosten: etwa 4000 Euro.Jener Vorfall vom 13. April ist nur einer von fast 160 Diebstählen von Außenspiegelgläsern, die der Münchner Polizei seit Jahresbeginn gemeldet wurden. Damit zeige sich ein bundesweites Phänomen, das seit gut einem Jahr vor allem in Ballungsräumen auftrete, auch in der Landeshauptstadt, sagt Alexander Suozzo, stellvertretender Leiter des Kommissariats 54, das die Ermittlungen übernommen hat. Ihm zufolge sind vor allem Autos der Marke BMW betroffen, aber auch anderer Hersteller wie Mercedes und Toyota.In Einzelfällen seien weitere Fahrzeugteile gestohlen worden, etwa im Kühlergrill verbaute Abstandssensoren. Dabei suchten die Täter die betreffenden Autos offenbar gezielt aus, sagt Suozzo. „Es kommt ganz darauf an, was sie gerade brauchen – nur das linke Glas, beide Gläser, mit oder ohne Sensoren.“ Der Gesamtschaden bei den 160 Fällen liegt laut der Polizei bei 220 000 Euro.Schwerpunkte der Taten seien Haidhausen, Giesing und Bogenhausen sowie Straßenzüge entlang der Isar, sagt Alexander Suozzo. „Vermutlich sind die Täter nicht mit einem Fahrzeug unterwegs, sondern zu Fuß.“ Dem Polizisten zufolge können sie ein Außenspiegelglas binnen weniger Sekunden abmontieren. Hierzu reiche es, das Glas auf der einen Seite des Spiegels etwas einzudrücken und es danach über einen schmalen Spalt und mit einfachem Werkzeug herauszuhebeln. Etwaige Kabel würden meist abgezwickt.Die Alarmanlage der Autos werde bei einem solchen Vorgehen nicht ausgelöst, sagt Suozzo. Ihm zufolge schlagen die Täter – die Polizei geht hier von mehreren Gruppierungen aus – vorwiegend nachts zu. Zudem habe man eine Häufung in den Nächten von Sonntag auf Montag registriert. Die betroffenen Autos seien teils am Straßenrand, teils aber auch in Tiefgaragen abgestellt gewesen.Den 160 Delikten steht derzeit noch keine Festnahme gegenüber – trotz intensiver Bemühungen. So habe es im Juli eine Schwerpunktkontrolle mit großem Personaleinsatz gegeben, berichtet Suozzo. Dabei sei zwar „viel Beifang gemacht“ worden, Spiegel-Diebe jedoch habe man keine erwischt. Erschwert werden die Ermittlungen dadurch, dass auf den Gläsern keine Seriennummern stehen und sie daher nicht zurückverfolgt werden können. Die Außenspiegel werden auf diversen Plattformen im Internet feilgeboten. Hierüber könne man den Tätern jedoch nicht auf die Spur kommen, sagt Alexander Suozzo.Der stellvertretende Kommissariatsleiter hofft vielmehr auf Hinweise. „Die Bevölkerung sollte die Augen offenhalten, auch in Siedlungen“, ruft er zu Wachsamkeit auf. „Wenn da Personen oder Fahrzeuge unterwegs sind, die dort nicht hingehören, dann sollte man lieber einmal zu oft als einmal zu wenig die Polizei rufen.“ Das Phänomen der Außenspiegelglas-Diebstähle reiht sich ein in frühere Serientaten, bei denen meist organisierte Banden gezielt Jagd auf bestimmte Fahrzeugteile machten. Früher waren dies etwa Autoradios und Navigationssysteme, später Lenkräder, Reifen und Bordcomputer, aber auch Scheinwerfer und Airbags.„Gestohlen wird immer das, was gerade gebraucht wird“, sagt Alexander Suozzo. Wobei die Außenspiegelgläser aus Tätersicht gleich mehrere Vorteile hätten. „Sie sind sehr gut zu verkaufen und zusammen mit der Sensorik ziemlich teuer“, sagt der Polizist. „Außerdem kann man nicht nachvollziehen, wo die Spiegel herkommen. Und vor allem geht es sehr schnell, die Gläser herauszunehmen.“
München: Polizei warnt vor Diebstahlserie auf Außenspiegel von Autos
Für Autobesitzer ist der Ersatz teuer. Warum es die Täter auf die Scheiben abgesehen haben, wo sie zuschlagen und bei welchen Marken.






