Startseite
Unternehmen
Industrie
Autobauer: Interne Dokumente sollen zeigen, wie Tesla die Vergütung ändert Statt Grundgehälter breit anzuheben, soll Tesla verstärkt auf Aktien und Optionen setzen. Wer profitiert, hänge demnach auch von der Leistung ab. Mitarbeiter üben Kritik, Tesla schweigt.
Fabrik in Grünheide: Tesla sieht aktienbasierte Vergütung als wirksames Instrument, um Mitarbeiter zu binden. Foto: Patrick Pleul/dpaDüsseldorf. Der US-Elektroautobauer Tesla ordnet offenbar das Vergütungssystem für seine Beschäftigten neu. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die dem Handelsblatt vorliegen.Statt die Grundgehälter breit anzuheben, soll das Unternehmen demnach verstärkt auf zusätzliche Geldprämien, Aktienoptionen oder Restricted Stock Units (RSU) setzen. RSU sind Zusagen für Aktien, die Beschäftigten erst nach einer Frist übertragen werden.Tesla bezeichnet das Programm in den Unterlagen als „Equity Refresh“. Die weltweite Initiative werde demnach die aktienbasierte Vergütung an neue Sollwerte angleichen und sicherstellen, dass „Mitarbeiter in derselben oder ähnlichen Rolle ähnlich bezahlt werden.“Tesla ließ Fragen dazu unbeantwortet.Für den ersten Durchlauf im Frühjahr soll Tesla laut für den deutschen Standort in Grünheide bestimmten Unterlagen damit gerechnet haben, dass mehr als 80 Prozent der Beschäftigten mindestens eine solche Zuteilung erhalten würden. Nach dem zuvor verwendeten Verfahren sollen es demnach rund 25 Prozent gewesen sein.Von einem parallel laufenden Programm zur Anpassung der Grundgehälter sollten dagegen nur rund fünf Prozent der Beschäftigten auf Professional- und Management-Level profitieren. Von einer Anpassung bei den sogenannten S-Leveln, zu denen etwa Produktionsmitarbeiter gehören, ist in den Unterlagen keine Rede.Tesla und die Gehälter: „Mega der Aufreger“Tesla bezeichnete die neue Methode in Dokumenten zum ersten Durchlauf im Frühjahr noch als „einmaligen globalen Refresh“. Neuere Dokumente sehen nun zwei Runden pro Jahr vor – jeweils im ersten und im dritten Quartal.Grundlage sollen neue Ziele für aktienbasierte Vergütung sein, die Tesla für die jeweiligen Positionen und Karrierestufen festgelegt hat. Denen stelle das Unternehmen demnach den Wert der Aktienpakete und Optionen gegenüber, die ein Mitarbeiter aus schon bestehenden Zusagen in den kommenden vier Quartalen erhalten soll.Liegt der Wert unter dem internen Ziel, soll Tesla die Differenz mit einer weiteren Zuteilung auffüllen können. Bei Beschäftigten auf den S-Leveln zähle bei der Berechnung der ursprüngliche Wert der Zuteilung. Bei Mitarbeitern auf Professional- und Management-Stufen berücksichtige Tesla auch den Marktwert.Durch die individuellen Lückenrechnungen sollen zwei Beschäftigte in ähnlichen Positionen zu stark voneinander abweichenden Ergebnissen kommen können. „Einerseits ist Geld bekommen eine gute Sache“, sagt ein Beschäftigter dem Handelsblatt. Andererseits erscheine ihm die Bemessung mit Blick auf die mitunter großen Unterschiede willkürlich. Das Programm sei intern „mega der Aufreger“.Vollständige Vergütung erst nach vier JahrenDie zusätzliche Vergütung soll zudem erst nach vier Jahren vollständig verfügbar sein. Tesla gibt Geldprämien und RSU demnach in 16 vierteljährlichen, Aktienoptionen in 48 monatlichen Tranchen frei. Wer Tesla vorher verlässt, müsse auf einen Teil verzichten.Tesla hatte in der Vergangenheit mit einer hohen Fluktuation zu kämpfen. Im jüngsten Geschäftsbericht bezeichnet das Unternehmen aktienbasierte Vergütung als wirksames Instrument, um Beschäftigte langfristig zu halten. Die Aussicht auf steigende Kurse gleiche die Interessen der Beschäftigten an jene der Aktionäre an.Teslas eigene Beschreibung des „Equity Refresh“ und dessen Teilnahmebedingungen passen allerdings nur teilweise zusammen. Der Konzern bezeichnet das Programm intern als „nicht leistungsorientierten Prozess“. Dennoch entscheidet die Leistungsbewertung darüber, wer überhaupt teilnehmen darf.So ist vom „Equity Refresh“ ausgeschlossen, wer im jüngsten Beurteilungszyklus weniger als drei Punkte erhält. Nicht teilnehmen dürfen sollen außerdem Praktikanten, Werkstudenten, Leih- und Zeitarbeiter, bestimmte befristet Beschäftigte sowie Mitarbeiter, deren Ausscheiden bereits feststeht.Tesla-Arbeiter: „Gespannt, wann der Erste klagt“Ein anderer Beschäftigter beschreibt das neue Vergütungssystem als „gute Idee mit komplizierter Ausführung“. Mitarbeiter erhielten Mails dazu, mit denen sie wenig anfangen könnten. Das Programm und die Berechnungen seien zudem für die Belegschaft „nicht transparent“. Er sei gespannt, „wann der Erste klagt“.Tesla hat nach eigenen Angaben bei der Anpassung der Gehälter und der Zielwerte für die aktienbasierte Vergütung eine Reihe von Unternehmen herangezogen, „mit denen wir um Talente konkurrieren“.Diese Vergleichsgruppe sei vom Board of Directors genehmigt worden und umfasse „Automobil-, Ingenieur- und Hightech-Sektoren“. Firmen wie Meta und Microsoft vergeben schon länger sogenannte „Refresher“ an ihre Mitarbeiter, also über Jahre gestaffelte Aktienzusagen.Tesla kündigte an, künftig einmal im Jahr überprüfen zu wollen, ob Änderungen bei den Gehältern und Zielwerten für Aktienbeteiligungen nötig sind.Tesla und der neue „Top Talent“-AwardParallel zum „Equity Refresh“ soll Tesla den Unterlagen zufolge ein gesondertes Programm für besonders leistungsstarke Beschäftigte durchführen. Für diese „Top Talent“-Awards kämen nur Mitarbeiter auf Professional- und Management-Stufen infrage.Voraussetzung soll eine durchschnittliche Leistungsbewertung von mindestens 3,5 Punkten sein. Zur Wahl stehen demnach ausschließlich RSU und Aktienoptionen. Der Award soll einmal jährlich im dritten Quartal vergeben werden.Tesla-Chef Elon Musk ist schon lange bekannt dafür, aktienbasierte Vergütung als Anreiz zu nutzen. Im März 2022 schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst X (früher Twitter), Tesla habe so schon viele Mitarbeiter zu Millionären gemacht.The UAW stole millions from workers, whereas Tesla has made many workers millionaires (via stock grants). Subtle, but important difference.— Elon Musk (@elonmusk) March 29, 2022 Im November 2023 erklärte er auf einer Konferenz, die Herausforderung laute: „Wie halten wir großartige Leute im Unternehmen, damit sie die harte Arbeit des Autobauens leisten, wenn sie etwa sechs andere Möglichkeiten haben?“ Tesla bemühe sich „sehr darum, den Wohlstand aller zu sichern. Wir geben allen Aktienoptionen.“Im Juni 2024 kündigte Musk zusätzliche Aktienoptionen für besonders leistungsstarke Beschäftigte an. In einer internen Mail schrieb der Tesla-Chef: „In den kommenden Wochen wird Tesla eine umfassende Überprüfung vornehmen, um Aktienoptionen für außergewöhnliche Leistungen zu gewähren.“ Verwandte Themen TeslaElon Musk






