Neulich beteuerte Gary „Angry“ Anderson noch, er feiere seine Geburtstage längst nicht mehr groß. Herzlich egal dürften seine Argumente den Fans in der nahezu ausverkauften Frankfurter Batschkapp gewesen sein. Schließlich wurde Anderson, der 1976 nach wenigen Monaten Tony Lake ersetzte, den Urvokalisten von Rose Tattoo, just am Konzerttag 79 Jahre alt. Was einen ebenso lauten wie ausführlichen Happy-Birthday-Chor zur Folge hatte, als die Band ins Rampenlicht trat. Anderson wirkte dabei, obwohl der gesungene Geburtstagsgruß nicht ganz unerwartet gekommen sein dürfte, ein wenig, als geniere er sich. Seine Bandkollegen, der Slide-Gitarrist Mick Arnold, der Rhythmusgitarrist Ronnie Simmons, der Bassist Steve King und der Schlagzeuger Paul DeMarco, grinsen spöttisch.Rasch leitet Anderson daher zum ersten Song über. Rose Tattoo starten ihre gut geölte Rock-’n’-Roll-Maschinerie mit jeder Menge Verve, Energie und Wucht. Was sie tun, ist so stimmig wie zur Gründerzeit. Um wahre Rock-’n’-Roll-Authentizität zu erzielen, darf der Auftritt gerne etwas dreckiger klingen und auch visuell gefährlich rüberkommen. Erst das bringt für einen Teil der Konsumenten den richtigen Kick. Und für die Band letztlich auch.Rose Tattoo haben diese an sich simple Kombination von Anbeginn an beherzigt und tun es auch in der Gegenwart noch immer. Nicht unbedingt aus geschäftstüchtigem Kalkül, sondern weil sie tatsächlich so fühlen. 1976 wurde die Band in Sydney gegründet, das LP-Debüt erschien zwei Jahre später, produziert von Harry Vanda und George Young, die bis 1978 maßgeblich die ersten sechs Alben von AC/DC betreuten.So böse, dass man nur eine Band gründen kannDer Einsatz der beiden Ex-Easybeats-Mitglieder kam nicht von ungefähr. Soeben waren sie in Sachen AC/DC zugunsten des eher gefälligen Produzenten Robert John „Mutt“ Lange ausgebootet worden. Rose Tattoo wandten sie sich daher instinktiv zu, bediente das Quintett im Prinzip doch den gleichen kernigen Genre-Mix aus Hard Rock, Blues Rock, Rock ’n’ Roll und Punk. Zumal auch „Angry“ Anderson stimmliche Parallelen zum AC/DC-Sänger Bon Scott aufwies: rau, dreckig und verderbt, nicht nur in den Songtexten.Was das von Nostalgie beflügelte Repertoire der Abschiedstour zum fünfzigjährigen Bandbestehen selbstredend unterstreicht. Nicht nur in der knackig manischen Kulthymne „Rock ’n’ Roll Outlaws“, einst von Helen Schneider für ein Mainstream-Publikum als „Rock ’n’ Roll Gypsy“ erfolgreich gecovert, ist viel von gesellschaftlichem Außenseitertum die Rede. „Nice Boys (Don’t Play Rock ’n’ Roll)“ lautet noch immer die Devise.Es geht um eigenbrötlerische Einzelgänger auf Abwegen, deren Kindheit und Jugend in „Scarred For Life“ ein eindringlich prekäres Arbeiterklassenporträt gewidmet wird. Um böse Buben, die nicht anders können, als eine Rock-’n’-Roll-Band zu gründen. Andernfalls enden sie in Gewalt, Kriminalität und Knast. Zusammen mit den hohen Lautstärkewerten ist das gerade der rechte Nervenkitzel für die enthusiastisch feiernde Besucherschar. Auf der Zielgeraden legen Rose Tattoo sogar noch zwei, drei Schippen an druckvoller Intensität drauf. Da wirkt ein vollmundiger Songtitel wie „We Can’t Be Beaten“ wahrlich nicht übertrieben.
Konzert in der Batschkapp: Rose Tattoo und Gary Anderson auf Abschiedstour in Frankfurt
Die australische Hardrock-Band Rose Tattoo ist in der Frankfurter Batschkapp zu Gast.








