Gut Ding braucht Weile. Doch bei der Verkehrswende sind viele doch recht schnell genervt, wenn Stadt oder Stadtwerke die nächste Großbaustelle ausweisen. Dabei sollte das „schleppende Vorgehen“, das in den vergangenen zwei Jahren auf der kaum 500 Meter langen Strecke zwischen Münsterplatz und Bahnhof West zu beobachten war, jetzt auch nicht als Blaupause für den weiteren Straßenbahnausbau genommen werden. Als Nächstes will man im Herzen von Mainz, also unter anderem auf der Ludwigsstraße und der Rheinachse, neue Gleise für eine vom Stadtrat gewünschte Tram-City-Ringlinie verlegen. Was sich durchaus mit dem Setzen von Stents in engen Blutgefäßen vergleichen lässt.„Kinderladen“ ein Opfer der Großbaustelle?Im Nachhinein wird es sich jetzt nicht mehr beweisen lassen, ob der „Kinderladen“ am Münsterplatz wegen der monatelangen Bauarbeiten vor der Ladentür schließen musste – oder die Zeit dafür einfach gekommen war. Unstrittig ist aber, dass nicht nur die von bisweilen wilden Fahrbahnmarkierungen und wiederkehrenden Stauungen gebeutelten Verkehrsteilnehmer, sondern auch Anwohner und Geschäftsleute diesmal schlecht informiert worden sind. Das ist vor einigen Jahren, als die Bahnhofstraße in einen Boulevard verwandelt wurde, besser gelaufen. Damals wie heute gilt, dass ein guter Kommunikationsfluss umso wichtiger ist, wenn es schon auf den Mainzer Hauptverkehrsstraßen stockt.Die schlichte Botschaft etwa, dass der Kraftfahrzeugverkehr, aber auch die Zahl der Fahrradfahrer auf Binger Straße und Großer Bleiche deutlich reduziert werden müssen, damit die Straßenbahnen auf der neu geschaffenen Schnellstrecke nicht ständig aus dem Takt kommen, hätten sich viele Bürger wohl schon zu Beginn des Nahverkehrsprojekts gewünscht. Und ein so drastisches Mittel wie eine Vollsperrung im unteren Teil des Bleichenviertels, die den Durchgangsverkehr dauerhaft unterbinden soll, muss auch nicht erst montags für den darauffolgenden Mittwoch angekündigt werden.Zumindest Autofahrer dürften deshalb ihre Zweifel haben, ob sich Mobilitätsdezernentin Janina Steinkrüger (Die Grünen) ernsthaft darum bemüht, den an etlichen Stellen der Stadt sehr begrenzten Straßenraum einigermaßen fair zwischen allen Verkehrsteilnehmern aufzuteilen. Gegen den geplanten weiteren Tram-Ausbau dürfte es grundsätzlich aber nur wenig Vorbehalte geben: Denn erstens sind die meisten Menschen ohnehin auf verschiedene Weise und manchmal eben auch mit der Straßenbahn unterwegs. Und zweitens gehört die „Elektrisch“ als ökologisch saubere Nachfolgerin der bereits 1883 auf den Straßen verkehrenden Pferdebahn für die Mainzer ohnehin zum Stadtbild.