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Verteidigung: Deutschland steigt in Serienfertigung von Laserwaffen ein Der Fund der Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig zeigt, wie verwundbar Europa ist. In Hannover startet Europas erste Serienfertigung von Hochleistungslasern zur Drohnenabwehr.

Lasersystem von Fiberbridge Photonics: Ein Schuss soll nur wenige Euro kosten. Foto: Fiberbridge PhotonicsDüsseldorf. Eine Drohne für wenige Tausend Euro mit einer Rakete abzuschießen, die mehrere Hunderttausend oder sogar Millionen kostet: Dieses Missverhältnis wird für Streitkräfte zunehmend zum Problem. Die deutsche Rüstungsindustrie setzt deshalb auf eine Technologie, bei der ein Schuss nur wenige Euro kosten soll: Hochleistungslaser.Wie dringlich der Aufbau solcher Abwehrsysteme ist, zeigt der jüngste Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle. Dort entdeckten Sicherheitsbehörden eine Drohne mit Sprengvorrichtung – nach einem zweiten Flugobjekt wird gesucht.Das niedersächsische Unternehmen FiberBridge Photonics eröffnet an diesem Donnerstag in Hannover neue Produktionsflächen für militärische Lasersysteme. Nach eigener Angabe nimmt der Mittelständler damit als erstes Unternehmen in Europa die Serienfertigung von Hochleistungslasern dieser Leistungsklasse für die Drohnenabwehr auf. Die Produktion läuft bereits an.Auf bis zu 3000 Quadratmetern will FiberBridge künftig Laser für deutsche und internationale Rüstungsunternehmen fertigen. Die Systeme sollen Drohnen aus Entfernungen von einigen Hundert Metern bis zu fünf Kilometern bekämpfen können. Nach Angaben des Unternehmens erreichen sie Leistungsklassen, die mit dem israelischen Abwehrsystem „Iron Beam“ vergleichbar seien.„Nach unserem Kenntnisstand sind wir die Ersten in Europa, die mit Hochleistungslasern dieser Leistungsklasse in die Serienfertigung gehen“, sagte Geschäftsführer Thomas Theeg dem Handelsblatt. Die Nachfrage werde in den kommenden Jahren deutlich steigen.„Unsere Kunden sagen uns inzwischen ganz klar: ‚Bereiten Sie sich auf Stückzahlen vor‘“, berichtete er – für FiberBridge Photonics der Beleg, dass die Phase von Testsystemen und Prototypen vorbei ist und echte Bestellungen folgen. Theeg sagte: „Das war für uns das Signal, die Produktion auszubauen.“FiberBridge will Lücke in der europäischen Verteidigungsindustrie füllenFiberBridge reagiert damit auf eine Lücke in der europäischen Verteidigungsindustrie. Während die Staaten seit der Zeitenwende zunächst vor allem zusätzliche Panzer, Raketen und Munition bestellten, rückt inzwischen die Abwehr günstiger Drohnen stärker in den Fokus. Insbesondere Drohnenschwärme können bestehende Luftverteidigungssysteme überfordern – technisch, aber auch finanziell.„Heute wird oft eine Drohne für wenige Tausend Dollar mit einer Rakete abgeschossen, die mehrere Hunderttausend Dollar kostet. Das kann auf Dauer nicht die Lösung sein“, betonte Theeg. Bei einem Laser müsse im Einsatz im Wesentlichen nur der Strom bezahlt werden. „Ein Schuss mit dem Laser kostet wenige Euro. Gerade bei Angriffen mit Hunderten Drohnen ist das ein entscheidender Vorteil.“FiberBridge Photonics-Chef Theeg: frühen Platz in einem Markt sichern, den auch größere Industriekonzerne erschließen. Foto: Fiberbridge PhotonicsLaser sollen klassische Flugabwehrraketen dabei nicht vollständig ersetzen. Sie könnten jedoch zu einer zusätzlichen Verteidigungsschicht werden, mit der sich kleine und vergleichsweise günstige Flugkörper wirtschaftlicher bekämpfen lassen, erklärt Theeg. Nach Einschätzung von FiberBridge entsteht allein bei laserbasierten Systemen für den Einsatz an Land ein Milliardenmarkt.Konkurrenten beginnen ebenfalls mit der Entwicklung laserbasierter AbwehrsystemeLaserbasierte Drohnenabwehr gewinnt für verschiedene Unternehmen an Bedeutung. So hat sich der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf nach langen Diskussionen der Gesellschafter des Familienunternehmens dazu entschieden, einen eigenen Laser zu entwickeln, mit denen kleinere Flugobjekte, wie etwa Drohnen, abgewehrt werden können.Dafür hat sich der mittelständische Laserspezialist mit dem Rüstungsunternehmen Rohde & Schwarz zusammengetan. Der Elektronikspezialist liefert Trumpf Zielerfassungssysteme mit Elektromagnetik und Radar-Sensorik. 2028 soll das Trumpf-Drohnenabwehrsystem einsatzbereit sein.In Deutschland arbeiten zudem Rheinmetall und der europäische Rüstungskonzern MBDA an laserbasierten Flugabwehrsystemen. Vor rund vier Wochen hat das Beschaffungsamt der Bundeswehr die beiden Unternehmen damit beauftragt, ein Lasersystem für die deutsche Marine zu entwickeln.Der Auftragswert liegt im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Ein Prototyp wurde zuvor bereits auf der Fregatte Sachsen getestet.Verteidigung „Jetzt wird es ernst für uns“ – die USA bereiten ihren Rückzug aus Europa vor Der Vorteil von laserbasierten Systemen gegenüber konventionellen Flugabwehrsystemen, die Projektile verschießen, ist der praktisch endlose Munitionsvorrat. Vor allem auf Schiffen mit begrenzten Kapazitäten hat das einen Vorteil. Laserbasierte Systeme sind lediglich auf Stromversorgung angewiesen.Einen weiteren Vorteil spielen laserbasierte Systeme im Bereich des Schutzes ziviler Infrastruktur aus. So können etwa über bewohntem Gebiet, an Flughäfen oder in der Nähe kritischer Infrastruktur keine konventionellen Flugabwehrsysteme eingesetzt werden. Die extrem heißen herunterfallenden Projektile könnten Kollateralschäden verursachen.Zu den Pionieren in diesem Feld zählt das israelische Rüstungsunternehmen Rafael. Bereits vor über einem Jahr hat das Unternehmen auf der Londoner Rüstungsmesse DSEI ein serienreifes System vorgestellt. Dieser „Iron Beam“ soll bereits erfolgreich zum Einsatz gekommen sein.FiberBridge stellt wichtigen Baustein für ein Laserabwehrsystem herFiberBridge liefert indes nicht das komplette Abwehrsystem. Das Unternehmen produziert die Laserquelle, die Rüstungskonzerne anschließend mit Zielerfassung, Steuerung und weiteren Komponenten verbinden und auf Schiffen, Fahrzeugen oder anderen Plattformen installieren. „Unser Ziel ist es nicht, komplette Waffensysteme zu bauen“, sagte Theeg. „Wir wollen der Zulieferer für das wichtigste Element werden – den Hochleistungslaser.“Trumpf-Vorstand Hagen Zimer ergänzte im vergangenen Jahr: „Die Drohnenabwehr mit Laser kann aber nur ein Teil eines umfassenden Verteidigungskonzeptes gegen Drohnen sein.“ Auch er bestätigte: Der Vorteil liege darin, dass keine teure Munition oder Luftabwehrraketen gebraucht werden, sondern nur eine Stromquelle für den Laser. Damit ließen sich selbst Drohnenschwärme in kurzer Zeit ausschalten. Auch der Einsatz auf Fahrzeugen sei möglich, sagte Zimer. Allerdings haben die optischen Lasersysteme Probleme bei schlechtem Wetter.FiberBridge Photonics wurde 2017 gegründet und beliefert nach eigenen Angaben seit 2018 Rüstungskonzerne und Start-ups in mehreren Ländern. Zu den Kunden gehören laut Brancheninsidern wohl europäische Anbieter wie Rheinmetall, MBDA, Leonardo und der französische Laserspezialist Cilas.Deep Read 150 Milliarden Euro: Deutschland wird zur Militärmacht – und weckt in Europa alte Ängste Das Unternehmen selbst macht dazu keine Angaben. Auch direkte Verträge mit der Bundeswehr nannte Theeg nicht. FiberBridge Photonics stehe jedoch mit Unternehmen, die an die deutschen Streitkräfte liefern, in intensiven Gesprächen, sagte er.Eigene Herstellung von Laserabwehrsystemen soll Europa unabhängiger machenDer Aufbau der Produktion soll zugleich Europas Abhängigkeit von Lieferanten außerhalb des Kontinents reduzieren. Besonders leistungsstarke Laserquellen seien derzeit in Europa kaum erhältlich, sagte Theeg: „Europäische Hersteller können sie heute im Wesentlichen nur in den USA oder China beschaffen. Für resiliente Lieferketten ist das ein erhebliches Problem.“China scheidet für viele militärische Anwendungen als Bezugsquelle aus. Bei amerikanischen Systemen wiederum können Exportkontrollen die Nutzung und Weitergabe erschweren. „Die Exportregeln können sich mit jeder neuen US-Regierung ändern“, betonte Theeg. „Für viele europäische Kunden ist das ein erhebliches Risiko für die Versorgungssicherheit.“FiberBridge will deshalb einen möglichst großen Teil der Wertschöpfung in Hannover lassen. Das Unternehmen fertigt nach eigenen Angaben wesentliche Schlüsselkomponenten selbst und setzt die einzelnen Bauteile zu vollständigen Laserquellen zusammen. Damit sollen nicht nur Lieferketten stabilisiert, sondern auch kurzfristige Beschaffungsziele der Bundeswehr in den Jahren 2026 bis 2029 unterstützt werden. Verwandte Themen EuropaTrumpfBundeswehrChinaDeutschlandRheinmetallNoch ist FiberBridge Protonics ein vergleichsweise kleiner Anbieter. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 50 bis 60 Mitarbeiter. In den kommenden Jahren soll die Belegschaft auf 200 bis 300 Beschäftigte wachsen. Die Produktionskapazität will FiberBridge auf bis zu 1000 sogenannte Laser-Kerneinheiten pro Jahr steigern, die sich zu Systemen unterschiedlicher Leistung zusammensetzen lassen.Für FiberBridge beginnt damit der Versuch, sich einen frühen Platz in einem Markt zu sichern, den auch größere Industriekonzerne erschließen. Geschäftsführer Theeg hält den Zeitpunkt für gekommen: „Die Systeme sind bereit für den Einsatz. Es geht nicht mehr darum, jahrelang weiterzuentwickeln, sondern sie jetzt in die Anwendung zu bringen.“ Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt