«Fremde Mächte» am Werk? Nach dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig spricht Innenminister Dobrindt von einer neuen GefahrenqualitätNoch ist nicht bekannt, wer hinter dem mutmasslichen Anschlagsversuch steckt. Doch sogenannte hybride Angriffe auf kritische Infrastruktur nehmen zu – und verursachen jährlich Millionenkosten.06.08.2026, 10.21 Uhr3 LeseminutenDer deutsche Innenminister Alexander Dobrindt (rechts) spricht am 5. August 2026 am Flughafen Leipzig/Halle zu den Medien.Jens Schlueter / GettyBundesinnenminister Alexander Dobrindt sieht in dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle ein «hybrides Anschlagsszenario». Damit sind meist verdeckte, aber auch offene Angriffe von Staaten oder Gruppen gemeint, die eine Mischung aus militärischen und nichtmilitärischen Mitteln unterhalb der Kriegsschwelle nutzen, etwa Sabotage, wirtschaftlicher Druck oder Desinformation.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Wir müssen von einem sehr ernsten sicherheitsrelevanten Vorgang ausgehen», sagte Dobrindt am Mittwochabend vor Ort. Es handele sich um ein neues Bedrohungsszenario. Der CSU-Politiker hatte seine Ferien für eine Lagebesprechung mit den Spitzen mehrerer Sicherheitsbehörden unterbrochen.Drohnensichtungen kenne man bereits, aber dass eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne im Bereich eines Flughafens entdeckt werde, sei eine neue Gefahrenqualität, so Dobrindt weiter. Man habe es mit einem Wettbewerb zu tun, der «möglicherweise auch fremde Mächte» mit einschliesse, die offensichtlich zu erheblicher Verunsicherung in Deutschland beitragen wollten.Solche hybriden Angriffe müssten sehr professionell vorbereitet und umgesetzt werden. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei dem verwendeten Sprengstoff um militärischen Sprengstoff handele. «Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin», so Dobrindt. Solche professionellen hybriden Bedrohungsversuche seien auch zukünftig nicht auszuschliessen.Ermittler arbeiten auf dem Rollfeld in der Nähe eines ukrainischen Antonow-Frachtflugzeugs am Flughafen Leipzig/Halle mit einem Roboter, der Sprengstoff entschärfen kann.Jens Schlueter / GettyAm Flughafen Leipzig/Halle war in der Nacht auf Mittwoch eine Drohne sichergestellt worden. An der Drohne befand sich eine Sprengvorrichtung. Der Flughafen Leipzig/Halle hatte aufgrund des Vorfalls in der Nacht den Flugbetrieb vorübergehend eingestellt. Später wurde ausserdem ein unbekanntes Flugobjekt entdeckt, das mit einem Flugzeug in mehreren hundert Metern Höhe kollidierte.Noch ist nicht bekannt, wer hinter dem mutmasslichen Anschlagsversuch steckt, der Drohnenpilot wurde nicht gefasst. Doch nehmen sogenannte hybride Angriffe auf kritische Infrastruktur europäischer Staaten zu. Meistens steckt Russland dahinter.Besonders im Sommer und Herbst vergangenen Jahres hatte eine Reihe von Luftraumverletzungen in europäischen Nato-Ländern für grosse Aufregung gesorgt. Zahlreiche Vorfälle ereigneten sich rund um Flughäfen.Deutsche Flughäfen warten noch immer auf Drohnen-DetektionssystemeAuch Deutschland war damals massgeblich von Störungen des Flugbetriebs durch Drohnen betroffen, etwa in Frankfurt, München und bereits damals in Leipzig. Laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wurden im vergangenen Jahr 116 relevante Störfälle an insgesamt 25 deutschen Flughäfen identifiziert, hauptsächlich an grossen internationalen Drehkreuzen.In der Folge wurde ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zum Austausch zwischen Bund und Bundesländern bei der Bundespolizei eingerichtet, das laut Dobrindt auch im aktuellen Fall aktiv ist. Auf die vom Innenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen warten die Flughäfen Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn allerdings noch, wie der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, erklärte.Jedes Jahr hohe Millionenkosten – Tendenz steigendDie Störungen sind nicht nur gefährlich und sorgen damit für Sperrungen, Flugausfälle und Umleitungen, sondern verursachen auch immense Kosten. Das DLR schätzt den Gesamtschaden, der allein im Jahr 2025 verursacht wurde, auf bis zu 160 Millionen Euro.Auch wenn gravierende Vorfälle wie in Leipzig die Ausnahme bleiben, so nimmt die Zahl der Vorfälle doch weiterhin zu: Insgesamt zählte die Deutsche Flugsicherung (DFS) im ersten Halbjahr 2026 an deutschen Flughäfen bereits 145 Behinderungen des Betriebs aufgrund unerlaubter Drohnenflüge.Mit Agenturmaterial.Passend zum Artikel
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Noch ist nicht bekannt, wer hinter dem mutmasslichen Anschlagsversuch steckt. Doch sogenannte hybride Angriffe auf kritische Infrastruktur nehmen zu – und verursachen jährlich Millionenkosten.










