Wirren bei den russischen Drohnentruppen: Putin nimmt eine Rochade bei seinen Generälen vorOhne klare Begründung erhält eine der wichtigsten Waffengattungen einen neuen Chef. Er zeichnet sich vor allem durch seine Loyalität aus. Gleichzeitig verliert der russische Oberkommandant an der zentralen Donbass-Front seinen Posten.06.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDenis Ljamin (links) leitet künftig die russischen Drohnentruppen. Neben ihm sitzt Waleri Solodtschuk, der neue Logistikchef im Kriegsgebiet.Alexander Kazakov / Sputnik via ReutersWas sich in der russischen Generalität abspielt, bleibt meist hinter einem dichten Schleier verborgen. Ernennungen auf hohe Posten werden oft erst publik, nachdem sich wochenlang Gerüchte darüber verbreitet haben oder wenn sich der betreffende Offizier plötzlich im Scheinwerferlicht mit Präsident Wladimir Putin zeigen darf. Eine besonders kuriose Personalentscheidung ist nun bei den russischen Drohnentruppen erfolgt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Putin verkündete am Mittwoch bei einem Treffen mit hohen Offizieren seine Absicht, den 47-jährigen Generaloberst Denis Ljamin zum Chef dieser jüngsten Waffengattung des Landes zu machen. Die Drohnentruppen seien noch im Aufbau, sagte der Kremlherr, und der auf diesem Gebiet besonders qualifizierte Ljamin solle als Erster das Kommando «in nicht ferner Zukunft» übernehmen. Putins Worte wären nicht weiter spektakulär, stünden sie nicht quer zu bisherigen Verlautbarungen aus dem Militärapparat.Denn Verteidigungsminister Andrei Belousow hatte den Aufbau der neuen Waffengattung schon im Dezember 2024 angekündigt und ihre Gründung für den Spätsommer 2025 versprochen. Im November meldete das Verteidigungsministerium den Vollzug dieses Plans. Auch ein Kommandant der Drohnentruppen sei ernannt worden. Nun spielt Putin der Öffentlichkeit vor, dass dies alles noch nicht geschehen sei.Widerstand im Militär gegen «Toiletten-Juri»Der Rückzieher dürfte mit der kontroversen bisherigen Figur an der Spitze der Drohnentruppen zu tun haben: dem Unternehmer und militärischen Quereinsteiger Juri Waganow. Seine Ernennung zum ersten Chef der Drohnentruppen war zwar nie offiziell verkündet worden, aber Kreml-freundliche Quellen und die staatsnahe Zeitung «Komsomolskaja Prawda» hatten den Namen im letzten Winter durchsickern lassen.Damals wirkte dies wie eine mutige, zukunftsweisende Personalentscheidung. Ein halbes Jahr nachdem schon die Ukraine ihre neugeschaffenen Drohnentruppen unter das Kommando eines früheren Unternehmers – Robert Browdi – gestellt hatte, vollzog Russland denselben Schritt. Wie Browdi hatte der Russe Waganow zunächst als Freiwilliger die Innovation bei unbemannten Waffensystemen vorangetrieben. Er war verbunden mit einem Freiwilligenbataillon, das lange vor der regulären Armee Billig-Kamikazedrohnen im grossen Stil beschaffte und russische Einheiten damit ausrüstete. Für sein Engagement im Angriffskrieg gegen die Ukraine zeichnete ihn der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche mit einem Orden aus.Doch Waganow, der Pseudo-Offizier ohne formale militärische Ausbildung, hatte in der Generalität von Beginn weg Feinde. Dass man dem früheren Sanitärtechnik-Grosshändler den Übernamen «Toiletten-Juri» anhängte, wäre wohl noch zu verkraften gewesen. Aber im Juni wurde der Vorwurf laut, dass Waganow seine Stellung missbrauche, um bei der Drohnenbeschaffung gewisse Hersteller zu begünstigen. Wenig später sickerte durch, dass die neue Truppengattung weit hinter ihren Zielen bei der Ausbildung von Drohnenpiloten zurückbleibe.Nun scheint sich der Kreml des Kommandanten Waganow entledigt zu haben, ohne ihn je namentlich erwähnt zu haben. Ob der Betroffene tatsächlich versagt hat oder einfach einer Intrige zum Opfer fiel, wird man kaum je wissen.Der neue Drohnentruppen-Chef Ljamin passt demgegenüber besser in das Muster von Putins Personalpolitik. Er hat eine klassische Offizierskarriere zurückgelegt und zeichnet sich durch seine Loyalität aus. Als der Kreml vor drei Jahren den rebellischen Chef der 58. Armee absetzte, machte er Ljamin zu dessen Nachfolger. Ljamins Hintergrund als Panzeroffizier wirft zwar die Frage auf, weshalb gerade er besonders affin für moderne Drohnentechnologien sein sollte. Ausschlaggebend war wohl viel eher seine Nähe zum Generalstabschef Waleri Gerasimow, der ebenfalls den Panzertruppen entstammt. Gerasimow setzt so sehr auf sein altes Netzwerk, dass er vor einigen Monaten sogar einen Panzeroffizier und Nichtpiloten zum Chef der Luftwaffe gemacht hat.Von der Front ins HinterlandUnter dem beschönigenden Stichwort «Vervollkommnung der Militärstruktur» gab Putin am Mittwoch noch eine weitere wichtige Ernennung bekannt. Chef einer neugeschaffenen Organisationseinheit für die rückwärtigen Dienste im Kriegsgebiet wird Generaloberst Waleri Solodtschuk. Er soll die Logistik der Kampftruppen verbessern – eine Aufgabe, die angesichts der pausenlosen Angriffe ukrainischer Drohnen entlang der wichtigsten Versorgungsrouten offensichtlich an Dringlichkeit zugenommen hat.Ob der gleichzeitig zum Vizeverteidigungsminister beförderte Solodtschuk wirklich einen Aufstieg erfährt oder nicht eher eine Herabsetzung, ist im undurchsichtigen Moskauer Machtapparat vorerst nicht erkennbar. Der General hatte seit rund einem Jahr die Truppen an der zentralen Donbass-Front kommandiert. Dort kamen die Invasoren unter seiner Führung nur sehr langsam voran – vielleicht muss Solodtschuk auch deshalb einem anderen General, Andrei Iwanajew, Platz machen.Passend zum Artikel
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Ohne klare Begründung erhält eine der wichtigsten Waffengattungen einen neuen Chef. Er zeichnet sich vor allem durch seine Loyalität aus. Gleichzeitig verliert der russische Oberkommandant an der zentralen Donbass-Front seinen Posten.






