Jeden Morgen verlassen fast 300.000 Brandenburgerinnen und Brandenburger ihr Bundesland, ohne es wirklich hinter sich zu lassen: Sie fahren nach Berlin zur Arbeit. 290.435 Menschen pendelten 2024 täglich oder regelmäßig aus Brandenburg in die deutsche Hauptstadt; Berlin zog insgesamt 477.448 Pendler an, mehr als jede andere deutsche Stadt außer München. Aber die eigentliche Geschichte steckt nicht in diesen Zahlen, sondern darin, was sich verändert hat: Diese Menschen fahren seltener als früher. Und wohnen trotzdem weiter weg.

Berlin zahlt, Brandenburg wohnt

Corona hat das Pendeln nicht abgeschafft, aber die Pandemie hat seine Logik umgekehrt. Wer früher nah am Büro wohnte, um täglich hinzukommen, kann heute weiter draußen leben, weil er nur noch dreimal die Woche erscheinen muss. 2025 arbeiteten 25 Prozent der Erwerbstätigen zumindest gelegentlich im Homeoffice; 2019 waren es 13 Prozent. Das klingt nach einer kleinen Verschiebung und ist in Wirklichkeit eine strukturelle. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat nachgewiesen, dass Berufe mit hohem Homeoffice-Potenzial seither systematisch mit größeren Distanzen zwischen Wohn- und Arbeitsort verbunden sind. Die Pendlerstatistik misst heute also nicht mehr nur den täglichen Weg. Sie misst, wie weit jemand bereit ist, für einen Job von zu Hause entfernt zu wohnen.