Der «ägyptische König» verlässt Liverpool: Nach einer Wende im Transferpoker spielt Mohamed Salah künftig in der TürkeiIn England reifte Salah zum Weltstar und gewann zahlreiche Titel. Bei Trabzonspor sucht der 34-Jährige die neue Herausforderung – und lässt sich sein Karriereende vergolden.05.08.2026, 15.48 Uhr4 LeseminutenEin absoluter Weltstar beehrt die türkische Süper Lig – Mohamed Salah bei seiner Ankunft am Atatürk-Flughafen in Istanbul.Umit Bektas / ReutersDie Szene gleicht einem Präsidentenempfang. Reporter drängen sich am Ausgang des Atatürk-Flughafens in Istanbul. Sicherheitsleute in schwarzen Westen und Sonnenbrillen halten sie zurück, telefonieren, gestikulieren heftig. Hunderte Zuschauer wollen den besten Blick erhaschen. Fernsehsender übertragen live und online per Livestream.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dann öffnet sich die Glastür, und der hohe Besuch tritt grinsend heraus: kein Anzug, sondern ein weinrot-blaues Fussballtrikot. Es ist Mohamed Salah, der Fussballstar. Sie nennen ihn den ägyptischen König, den Pharao. Als Flügelspieler des FC Liverpool zählte er jahrelang zur Elite im Weltfussball.Kaum ein Fussballer wird – besonders im Nahen Osten – so verehrt wie er. Sofort umringen ihn Handys, Mikrofone, Kameras. Mit 34 Jahren wechselt er nun in die türkische Süper Lig. Seinen Karriereherbst vergoldet er sich in der Hafenstadt Trabzon am Schwarzen Meer.Besiktas-Deal platzte – wegen Salahs Berater?Wer das Transfergeschehen im Sommer nur am Rande verfolgt hat, staunt: Galt Salahs Wechsel zu Besiktas Istanbul nicht längst als sicher?Nach einer verkorksten Saison mit dem FC Liverpool – Platz 5 nach der Meisterschaft im Vorjahr – einigte sich der Weltstar laut Medienberichten einvernehmlich auf eine Vertragsauflösung. Salahs Formkurve zeigte immer weiter nach unten, er fand sich öfter auf der Ersatzbank wieder. Dann holte er zum öffentlichen Rundumschlag gegen seinen Klub aus. Ein unrühmliches Ende.Neun Jahre dauerte die sonst so erfolgreiche Liaison zwischen dem Ägypter und dem englischen Topklub. Zwei Mal holte Liverpool die Meisterschaft, einmal die Champions League und die Klub-WM. Salah steuerte 257 Tore in 442 Einsätzen bei. In der Klubgeschichte trafen nur zwei Spieler öfter.Die Fans feiern ihren neuen Pharao am Schwarzen Meer.Umit Bektas / ReutersAb Anfang Juli durfte Salah also frei verfügen und sich seinen neuen Arbeitgeber aussuchen, ohne dass dieser eine Ablösesumme zahlen müsste. An Avancen mangelte es nicht – vorausgesetzt, die Klubs konnten zahlen. Denn Salah liess sich sein Können stets fürstlich entlöhnen. In Liverpool verdiente er 400 000 Pfund pro Woche, also über 22 Millionen pro Jahr.Al-Ittihad aus Saudiarabien lockte angeblich mit 25 Millionen Euro Jahresgehalt. Die Saudi Pro League warb seit Jahren um Salah, sah in ihm das ideale Werbegesicht für mehr internationales Ansehen der Liga.Deutlich intensiver wurde der Kontakt aber zu Besiktas Istanbul, die immerhin 15 Millionen pro Jahr boten. Der Klub gehört zu den «Grossen drei» im türkischen Fussball. 16 Mal wurde der Klub Meister, zuletzt 2020/21 mit dem Double aus Meisterschaft und Ligapokal. Doch seither dominiert der Stadtrivale Galatasaray, Besiktas verlor den Anschluss. Salah hätte das Prunkstück in der Rekord-Transferoffensive des eigentlich verschuldeten Klubs sein sollen.Doch auf einmal erhoben die Verantwortlichen von Besiktas Vorwürfe. Der Präsident Serdal Adali bestätigte, dass Salah dem Transfer bereits zugestimmt hatte. Als die Nachricht öffentlich wurde, habe Salahs Berater aber seine Provision massiv erhöht, so die Darstellung. Der Transfer platzte.Trabzonspor feiert seinen neuen KönigTrabzonspor macht nun wohl 17 Millionen jährlich locker. Und düpiert den direkten Konkurrenten. Salah unterschreibt für zwei Jahre. Am Dienstag bestätigte der Klub die Vertragsverhandlungen.Kurz darauf veröffentlichte der Klub in den sozialen Netzwerken ein Video: Eine gewaltige Pyramide ragt vor der Schwarzmeerküste auf, dort, wo das Stadion steht. Ein eindeutiges Zeichen. Die Fans dankten «Allah» in den Kommentaren des Posts. Sie sehen wohl jetzt schon die nächste Meisterschaft vor Augen. Die letzte gab es in der Saison 2021/22 – zuvor musste der Klub 38 Jahre warten.Die Euphorie ist riesig. Schon während Salahs Anreise versorgte der Klub seine Anhänger stündlich mit Updates, liess den Ägypter im Trabzonspor-Trikot posieren. «Trabzon, bist du bereit? Bis ganz bald», sagte Salah in einem Video.Salah, dessen Karriere beim FC Basel Fahrt aufnahm, reiht sich nun in eine Riege von alternden Stars ein, die einen Wechsel in die Türkei vollziehen. Ein Spieler seines Formats überstrahlt jedoch sogar die Transfers von Leroy Sané oder Victor Osimhen, die beide zu Galatasaray wechselten. Der Ägypter dürfte nur schon mit Blick auf die Trikotverkäufe ein Goldesel sein.Und auch aus der Optik von Salah ergibt der Transfer – neben dem monetären Anreiz – durchaus einen Sinn. In der letzten Saison konnte Trabzonspor den Liga-Pokal erringen und beendete die Meisterschaft auf Platz 3. Somit qualifizierte sich der Klub direkt für die Play-off-Runde der Europa League.Und auf Händen getragen wird der ägyptische König sowieso nicht nur in Liverpool.Passend zum Artikel