Der größte deutsche Immobilienkonzern Vonovia wird angesichts steigender Zinsen und der Kaufzurückhaltung von Privatinvestoren etwas verhaltener im Ausblick. „Wir spüren die Unsicherheit durch die Krise im Nahen Osten“, sagte der Finanzvorstand Philipp Grosse in einer Telefonkonferenz am Mittwoch. Sollte sich das Marktumfeld nicht ändern, sei es „ehrgeizig“, die obere Hälfte der Prognose für das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und für das bereinigte Ergebnis zu erreichen.Gleichwohl hält das Unternehmen an seiner Prognose fest: Für das laufende Jahr rechnet Vonovia mit einem Ebitda zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro nach 2,8 Milliarden Euro im Jahr 2025. Grosse sagte auch, dass die Zurückhaltung nicht im gleichen Maße gelte für das bereinigte Periodenergebnis, das auf die Aktionäre entfällt, was für die Anteilseigner die relevante Kennzahl ist. Dort erwartet Vonovia einen Wert zwischen 1,4 und 1,5 Milliarden Euro.Die „wirtschaftliche Verunsicherung“ angesichts des anhaltenden Krieges führt laut dem Vonovia-Vorstandsvorsitzenden Luka Mucic dazu, dass vor allem private Investoren derzeit weniger Interesse daran zeigten, Wohnungen zu kaufen als erwartet. Gleichwohl rechnet der Bochumer Dax-Konzern damit, dass das Transaktionsgeschäft im zweiten Halbjahr anzieht. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen Immobilien für rund 700 Millionen Euro verkauft. Um seine Schulden zu reduzieren, will sich das Unternehmen bis zum Jahr 2028 von Beteiligungen und Wohnungen im Wert von bis zu fünf Milliarden Euro trennen.Der Wert des Immobilienportfolios steigt wiederSein Portfolio von rund 528.000 Wohnungen hat der Konzern zum Halbjahr angesichts steigender Immobilienpreise um 1,1 Prozent aufgewertet, gerechnet ohne Investitionen in den Bestand. Insgesamt kommt Vonovia auf einen Verkehrswert seines Portfolios von rund 85,7 Milliarden Euro. Der zweitgrößte deutsche Immobilienkonzern LEG hatte am Vortag ebenfalls auf ein zurückhaltendes Marktumfeld verwiesen und auf Schwierigkeiten bei Verkäufen. Die LEG hat ihr Portfolio im selben Zeitraum um 0,7 Prozent aufgewertet.In den vergangenen Jahren hatten die Wohnungskonzerne angesichts der Immobilienkrise ihre Bestände mehrfach abwerten müssen, wodurch sie mitunter Milliardenverluste in der Bilanz stehen hatten. Der Markt hat sich inzwischen stabilisiert. Im Tagesgeschäft läuft es für die Unternehmen zudem anhaltend solide: Angesichts der gleichbleibend hohen Nachfrage nach Wohnraum und einem weiterhin zu geringen Angebot gerade in Städten steigen Preise und Mieten.Auch die Wohnungen von Vonovia sind praktisch komplett vermietet. Im ersten Halbjahr erhöhte der Konzern die Mieten um 3,6 Prozent, durchschnittlich zahlten Vonovia-Mieter zum Halbjahr 8,51 Euro je Quadratmeter. Obwohl der Konzern in diesem Jahr 5000 Wohnungen weniger als im Vorjahr hat, ist der operative Gewinn durch das Vermietungsgeschäft um 3,5 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro gestiegen.Zusatzgeschäfte rund ums Wohnen wachsen starkDas noch vergleichsweise kleine Geschäft mit wohnungsnahen Dienstleistungen wie etwa Handwerkerleistungen legte stark zu. In dem Value-Add genannten Segment stieg der operative Gewinn um 27,6 Prozent auf 128,5 Millionen Euro, was neben den Handwerkerleistungen auch am Wachstum durch das Energiegeschäft lag. Dieses Geschäft will Vonovia deutlich ausbauen und erwartet dort starkes Wachstum. In Modernisierung und Neubau hat das Unternehmen mit 554 Millionen Euro rund 11 Prozent mehr gesteckt als im Vorjahreszeitraum.„Wir haben unsere starke Leistung in den Kerngeschäften Vermietung und Value-Add fortgesetzt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Mucic. „Damit konnten wir das geringere Tempo bei unseren Vertriebsaktivitäten ausgleichen.“
Vonovia: Vorsichtiger Ausblick trotz steigender Mieten
Deutschlands größter privater Vermieter profitiert von der anhaltend hohen Nachfrage nach Wohnraum und wertet den Immobilienbestand auf. Doch in manchen Geschäften spürt der Dax-Konzern Gegenwind.







