Schon seit Tagen geht es mit den Börsenkursen in Deutschland vor allem in eine Richtung – nach oben. Der Deutsche Aktienindex (Dax) erreicht immer neue Hochs, trotz der großen geopolitischen Unsicherheiten und der labilen Lage der Weltwirtschaft. Die Entwicklung hänge auch mit der positiven Entwicklung bei vielen deutschen Unternehmen zusammen, sagte zuletzt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. An diesem Mittwoch haben gleich vier Dax-Konzerne von einer guten Geschäftsentwicklung berichtet, was die Stärke der deutschen Unternehmen zeigt. Das Überraschende: Sie kommen aus sehr unterschiedlichen Branchen.Der Chipkonzern Infineon profitiert derzeit vor allem vom Boom der künstlichen Intelligenz. Weltweit werden sehr viele Milliarden in Rechenzentren investiert, und da werden Halbleiter von Infineon gebraucht. „Unsere Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren bleiben sehr gefragt und sind weiterhin der wichtigste Wachstumstreiber“, sagte Jochen Hanebeck, der Chef des Münchner Chipherstellers. Aber auch im Kerngeschäft mit Halbleitern für die Autoindustrie laufe es gut. Viele Hersteller füllten ihre Lager derzeit auf, die Auftragslage sei gut. Gleichzeitig wachse die Nachfrage aus China, weil es dort Engpässe bei bestimmten Halbleitern gebe.Zwei Konzerne verdienen am Bau von KI-Rechenzentren mitInfineon konnte im abgelaufenen Quartal von April bis Juni den Umsatz um 13 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro steigern, ein Rekordwert. Auch der Gewinn erhöhte sich deutlich. Gerade erst hatte Infineon eine neue Fabrik in Dresden eröffnet, in die fünf Milliarden Euro investiert werden. Die Infineon-Aktie ging gegen den Trend am Mittwoch aber nach unten. Viele Anleger machten Kasse, Analysten kritisierten, dass die Gewinne nicht stark genug steigen.Vom Boom bei KI-Rechenzentren konnte auch der Energietechnikkonzern Siemens Energy profitieren. Immer mehr Elektrizität ist nötig, auch der Ausbau von Hochspannungsnetzen ist gut für das Geschäft. „Auch im dritten Quartal hält die weltweit starke Nachfrage nach Strom und damit nach unseren Produkten weiterhin an“, sagte Vorstandschef Christian Bruch. Der Quartalsumsatz stieg um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Insgesamt werden Höchstwerte bei Aufträgen, Umsatz und Profitabilität erwartet.Chipindustrie:Infineon investiert Milliarden -ausgerechnet in DeutschlandAlle klagen über den Standort Deutschland, doch der Chipkonzern steckt sehr viel Geld in ein neues Werk in Dresden. Anfang Juli soll es nun eröffnet werden – sogar früher als geplant. Wie geht das?Selbst das Windenergiegeschäft Siemens Gamesa – die Tochterfirma war sehr lange das große Sorgenkind im Konzern – erwirtschaftet nun erstmals seit 2022 wieder schwarze Zahlen. Die Aktie von Siemens Energy hatte wie die von Infineon in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt. Der Wert des Papiers hat sich in den vergangenen zwei Jahren nahezu versiebenfacht.DHL profitiert von mehr Express-SendungenMehr verdient hat im vergangenen Quartal auch der Bonner Logistikkonzern DHL. Der Weltmarktführer sollte eigentlich unter der erratischen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump leiden. Doch die Probleme fallen immer weniger ins Gewicht, besonders gut läuft inzwischen das Express-Geschäft. DHL liefert vor allem für Geschäftskunden in kurzer Zeit überall und schnell, und lässt sich das gut bezahlen. Geld in die DHL-Kassen kam auch durch die Rückzahlung von US-Zöllen, in den letzten Tagen des zweiten Quartals habe man rund 416 Millionen Euro erhalten, sagte Finanzchefin Melanie Kreis. Die Gelder würden an die Kunden zurückgegeben.Zudem hat DHL-Chef Tobias Meyer ein striktes Sparprogramm umgesetzt, 2025 wurden bereits 16 000 Jobs gestrichen. Noch immer arbeiten derzeit 584 000 Menschen für den Logistikkonzern. Der Umsatz von April bis Juni 2026 stieg ähnlich stark wie bei Infineon und Siemens Energy – um 13 Prozent auf 22,4 Milliarden Euro. Auch der DHL-Gewinn vor Zinsen und Steuern erhöhte sich um 30 Prozent. Bereits Anfang Juli wurde die Gewinnprognose angehoben. Nun will DHL-Chef Meyer mehr Aktien zurückkaufen als bislang geplant. Die DHL-Aktie legte zuletzt stark zu, gab am Mittwoch aber leicht nach.Erstaunlich gut lief es auch beim Wohnungskonzern Vonovia, der anders als Infineon, Siemens Energy und DHL vor allem auf Deutschland konzentriert ist. Profitiert hat das Unternehmen vor allem von einer Neubewertung des riesigen Immobilienportfolios. Der Grund sind allgemein steigende Preise für Wohnimmobilien. Für das laufende Geschäftsjahr hatte der neue Vorstandschef Luka Mucic bereits eine Steigerung des operativen Gewinns angekündigt. Gleichzeitig sollen die hohen Schulden abgebaut werden. Wenn die allgemeinen Zinsen steigen, würde das aber zu höheren Finanzierungskosten bei Vonovia führen.