PfadnavigationHomeICONISTTrendsSommerjob Haldenwärter„Hauptsache Bock auf den Job“ – 5000 Euro für eine Woche auf der HaldeVon Frank LorentzStand: 13:19 UhrLesedauer: 3 MinutenEine Woche Horizont beobachten und Roboter-Schafe hüten: Auf der Halde Hoheward wird ein ungewöhnlicher Sommerjob vergebenQuelle: RVRTiny House, Weitblick, Roboter-Schafe: Im Ruhrgebiet wird derzeit ein Job vergeben, der klingt wie eine Mischung aus Achtsamkeitsseminar und Science-Fiction-Film. Dafür gibt es 5000 Euro – für eine Woche Arbeit.Wer ist denn so verrückt, mitten im Hochsommer freiwillig ans Arbeiten zu denken? Der Regionalverband Ruhr mal wieder, das war ja klar. Seit Jahr und Tag macht der kommunale Zusammenschluss von elf Städten mit Aktionen und Kampagnen von sich reden, damit alle Welt endlich kapiert, dass das Ruhrgebiet kein Ruhegebiet ist, das seine Zukunft hinter sich hat. Sondern eine Gegend, in der es eine Menge zu entdecken und zu erleben gibt. Nur eben keinen Bergbau mehr, keine rußgesichtigen Malocher und auch keine klassische, sprich SPD-wählende Arbeiterklientel.Seit Kurzem lockt der Verband mit dem, wie er es nennt, „kuriosesten Job Deutschlands“: Bis zum 9. August kann man sich bewerben, im September eine Woche lang als „Haldenwärter“ auf der Halde Hoheward zu arbeiten. Sie liegt zwischen Herten und Recklinghausen und ist die größte unter den 50 Abraumhalden im Revier – allesamt künstliche, zu Sehenswürdigkeiten umfunktionierte Hügel aus weggebaggertem Geröll, Hinterlassenschaften der Bergbauzeit. Für die Halde Hoheward wurden 180 Millionen Tonnen Material aufgeschüttet.Lesen Sie auchDas Berufsbild des Haldenwärters ist deutlich verheißungsvoller als das eines Gefängniswärters und ungefähr so einmalig wie ein Posten als Papst. Wie beim Pontifex Maximus ist keine IHK-geprüfte Ausbildung notwendig. „Hauptsache Bock auf den Job“, sagt ein Verbandssprecher zum Thema Qualifikation. Wer den Zuschlag erhält, zieht in ein möbliertes Tiny House hoch oben auf der 151,5 Meter hohen Halde und soll mehr oder weniger nichts anderes zu tun haben, als ein Roboter-Schaf zu hüten und den Horizont im Auge zu behalten. Der Verband bezeichnet dies als „Sonnenaufgangsinspektion“. Hilfreich ist dabei das „Horizontobservatorium“ auf dem Gipfel der Halde. Durch feste Bögen und Visierlinien lassen sich ohne technische Geräte der Stand der Sonne, die Jahreszeiten und die Himmelsrichtung am Horizont ablesen. Das Bauwerk ist an prähistorische Beobachtungsstätten angelehnt, an Steinkreise, zu deren berühmtesten das englische Stonehenge gehört.Lesen Sie auchWo wir bei den Sternen sind: Der Pluto, auch „Planet der Transformation“ genannt, steht aktuell im Sternbild des Wassermanns. Nach Astrologenmeinung ist das die perfekte Konstellation, um einen Umbruch zu wagen. Darin liegt möglicherweise die Erklärung verborgen, warum überall auf der Welt so viel Altbewährtes über die Wupper geht. Also: Mitsurfen auf der Welle, raus aus dem Trott und den Posten des Haldenwärters anstreben, die ultimative Zierde einer jeden alternativen Erwerbsbiografie. Ach ja, das Honorar: 5000 Euro. Nicht übel für eine Woche Chillen im Stonehenge des Reviers, oder?Lesen Sie auchMoment, nicht zu früh freuen. Luisa Charlotte Schulz ist auch mit am Start, in der Art einer Haldenwärter-Wärterin. Sie dokumentiert den Aufenthalt für Social-Media-Kanäle. Schulz ist Ruhrpott-Comedienne und hat ein schnelles, freches Mundwerk, wie sich gut feststellen lässt, wenn man ihre Instagram-Videos schaut. Da fallen schon mal übellaunige Sätze wie „Das fängt ja schon scheiße an“, „Deine Zukunft sieht aus wie ein Klumpen Knete“ oder „Jetzt jank nicht rum!“. Das ist Ruhrgebietsdeutsch und bedeutet „Hör auf zu heulen“. Das Vorstellungsgespräch findet mit ihr statt. Man darf davon ausgehen, dass sie für die Haldenwärter-Aspiranten ein paar Provokationen auf Halde hat. Womit auch immer sie um die Ecke kommt: bloß nicht rumjanken.
Sommerjob Haldenwärter: 5000 Euro – für eine Woche Chillen im Stonehenge des Reviers - WELT
Tiny House, Weitblick, Roboter-Schafe: Im Ruhrgebiet wird derzeit ein Job vergeben, der klingt wie eine Mischung aus Achtsamkeitsseminar und Science-Fiction-Film. Dafür gibt es 5000 Euro – für eine Woche Arbeit.







