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Elon Musk gilt als einer der größten Visionäre unserer Zeit – und versteht es wie kaum ein anderer, Investoren für seine Pläne zu begeistern. Foto: REUTERS Raumfahrtunternehmen: Musk verspricht eine Billion Dollar Jahresumsatz Bei der ersten Quartalsbilanz nach dem Börsengang inszeniert sich SpaceX-Chef Elon Musk als Herr über Raketen, Roboter, Internet und KI-Rechenzentren. Anleger zögern. Musks Antwort: gigantische Zahlen.
Elon Musk formuliert zuweilen holprig, verhaspelt sich, springt zwischen Gedanken. Und ist doch der beste Geschichtenerzähler unserer Epoche, wenn es darum geht, Investoren für seine Pläne zu begeistern. Zuletzt allerdings mit durchwachsenem Erfolg. Seit dem Rekordhoch wenige Tage nach dem fulminanten Börsendebüt von SpaceX im Juni hat die Aktie fast die Hälfte ihres Werts verloren. Auch der Kurs seines Auto- und künftigen Roboterherstellers Tesla liegt seit Jahresbeginn rund ein Viertel im Minus. Beide Unternehmen gehören trotzdem weiter zum exklusiven Klub der Konzerne, die an der Börse mehr als eine Billion Dollar wert sind.Musk bleibt ihr wichtigstes Zugpferd. Entsprechend hatte die Präsentation der ersten Quartalszahlen von SpaceX seit dem Börsengang am Dienstag alle Zutaten einer Elon-Show: Sinnieren über die Zukunft der Menschheit, Raketen, Roboter, autonome Autos. Dazu markige Ansagen an die Konkurrenz. Diesmal nicht nur an andere Raumfahrtunternehmen, sondern auch an Telefongesellschaften.Denn Musk will mit seinem Satellitennetzwerk Starlink zum dominierenden Anbieter von Internetkapazität weltweit aufsteigen. Die Rechnung, die er den Analysten vortrug, klingt simpel. Die neue Satellitengeneration V3 soll zehnmal so leistungsfähig sein wie ihre Vorgänger, und SpaceX will rund zehnmal so viele davon ins All schießen. Selbst wenn der Erlös pro übertragenem Bit um 90 Prozent sinke, verzehnfache sich der Umsatz.Leben mit Aktien So wurde SpaceX vom Luftschloss zum Marktführer Dreimal stand SpaceX kurz vor dem Aus, ein vierter Fehlstart hätte das Unternehmen wohl zerstört. Heute elektrisiert es Anleger weltweit. von Tiffany PeachIn weniger als zehn Jahren, so Musk, könne Starlink „mehr als die Hälfte des weltweiten Internetverkehrs“ abwickeln. Dass der Markt dafür groß genug ist, daran hat er keinen Zweifel. Milliarden autonomer Autos, humanoider Roboter und anderer Maschinen würden bald permanent Daten senden und empfangen. Starlink ist für ihn deshalb kein Verdrängungswettbewerb, sondern eine Wachstumsstory.Starlink verdient, die KI verschlingtZunächst zu den Zahlen: SpaceX steigerte den Umsatz im zweiten Kalenderquartal um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 6,8 Milliarden gerechnet. Der Nettoverlust schrumpfte auf 541 Millionen Dollar, etwa die Hälfte des Vorjahreswerts. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte um 191 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar.Das wirtschaftliche Rückgrat des Konzerns ist Starlink. Die Sparte setzte 4,3 Milliarden Dollar um und erwirtschaftete einen operativen Gewinn von 1,7 Milliarden Dollar. Netto kamen 1,7 Millionen Abonnenten hinzu, so viele wie nie zuvor in einem Quartal. Ende Juni kreisten rund 10.200 Starlink-Satelliten im Orbit.Investmentcheck Mit diesem Produkt können Anleger gegen SpaceX wetten Nicht alle Anleger sind von Elon Musks Raumfahrtkonzern begeistert. Mit einem Finanzprodukt können Skeptiker gegen SpaceX wetten – mit hohem Risiko. von Julia LeonhardtNoch mehr Potenzial sieht SpaceX bei Fluggesellschaften, Reedereien und Regierungen. Das Geschäft mit Unternehmen und staatlichen Kunden verdoppelte sich. Allein im zweiten Quartal gewann SpaceX US-Regierungsaufträge von mehr als sechs Milliarden Dollar, vor allem für Programme der Space Force. SpaceX-Operativchefin Gwynne Shotwell berichtete von einer Airline, deren Passagiere lieber Umsteigeverbindungen buchten als Direktflüge, nur um sicher in einer Maschine mit Starlink-Anschluss zu sitzen. Musk erwartet, dass das Unternehmensgeschäft das mit Privatkunden „deutlich übersteigen“ wird.SpaceX ist längst mehr als ein Raumfahrtunternehmen. Seit der Übernahme von xAI steckt in dem Konzern auch Musks Wette auf Künstliche Intelligenz. Die KI-Sparte setzte 2,6 Milliarden Dollar um, vor allem mit Cloudverträgen sowie den Abonnements von Grok und X. Zu den Abnehmern der Rechenkapazität zählen Google und Anthropic. Neue Hostingverträge steuerten allein im zweiten Quartal 1,6 Milliarden Dollar bei. Operativ verlor der Bereich zwar noch 1,3 Milliarden Dollar. Auf Basis des bereinigten Ebitda schrieb er aber erstmals schwarze Zahlen: 1,1 Milliarden Dollar.Der Preis dafür ist gewaltig. SpaceX investierte in nur drei Monaten 18,4 Milliarden Dollar, davon 15,8 Milliarden in KI-Infrastruktur. Und damit deutlich mehr, als die Wall Street erwartet hatte. Bis Jahresende will der Konzern Rechenzentren mit mehr als zwei Gigawatt Leistung betreiben, Ende 2027 sollen es „eher zehn als fünf“ Gigawatt sein. Beim weiteren Ausbau setzt SpaceX künftig ausschließlich auf Chips von Nvidia. Musks Ankündigung verschärfte nachbörslich den Kursrutsch des Konkurrenten AMD, der zeitgleich seine Quartalszahlen vorgelegt hatte.Am Donnerstag werden 900 Millionen Aktien freiDie SpaceX-Aktie selbst gab nachbörslich zeitweise rund sieben Prozent nach. Mit hohen Ausgaben hatten die Anleger gerechnet, nicht aber mit diesem Tempo. Hinzu kommt eine weitere Unsicherheit. Am Donnerstag wird eine erste große Tranche von mehr als 900 Millionen Aktien aus der Haltefrist entlassen. Mitarbeiter und frühe Investoren dürfen dann erstmals verkaufen. Das knappe Angebot frei handelbarer Aktien hatte den Kurs nach dem Börsengang zunächst befeuert. Nun könnte sich der Effekt umkehren.Oder auch nicht. Denn Musk versuchte, die Sorgen mit großen Zahlen zu übertönen. SpaceX werde im Dezember eine annualisierte Umsatzrate von mindestens 100 Milliarden Dollar erreichen. Das sei „kein Fragezeichen“, selbst ohne einen einzigen weiteren Vertragsabschluss. Mehr noch: Die interne Prognose für eine Billion Dollar Jahresumsatz habe SpaceX von 2031 auf 2030 vorgezogen. Es gebe, lockte Musk, sogar eine Chance auf 2029.Auch technologisch erhöhte er den Einsatz. Starship soll nicht nur vollständig wiederverwendbar werden, sondern in etwa einem Jahr täglich fliegen. Beim jüngsten Testflug, der Nummer 13, sei er wegen der Assoziation mit Apollo 13 etwas nervös gewesen, scherzte Musk. Tatsächlich lief der Flug nach Firmenangaben bemerkenswert glatt: Das lange Zeit größte Problem, der Hitzeschild, sei „im Wesentlichen gelöst“. Technische Hindernisse für eine schnelle Wiederverwendung sieht Musk nicht mehr.Recyclebare Raketenstufe Was Chinas Raketenfänger für SpaceX bedeutet Mit einem Stahlkäfig auf dem Meer hat China eine wiederverwendbare Raketenstufe eingefangen. Im Westen schwanken die Reaktionen zwischen Anerkennung und Sorge. von Jörn PetringDas ist entscheidend, weil Starship der Schlüssel zu fast allen seinen Plänen ist. Die Riesenrakete soll die neuen Starlink-Satelliten ins All bringen, Fracht zum Mond fliegen und irgendwann Rechenzentren im Orbit aussetzen. Erste KI-Satelliten mit Nvidia-Rechnern an Bord will SpaceX bereits im kommenden Jahr starten. Das sei „keine ferne Zukunft“, betonte Musk. Und Starlink soll nicht beim Breitbandinternet stehenbleiben. Mit dem von EchoStar erworbenen Mobilfunkspektrum und einer neuen Satellitengeneration will SpaceX ab Ende 2027 direkt mit den Telekomriesen AT&T, Verizon und T-Mobile konkurrieren. Die drei Konzerne erzielen nach Musks Rechnung zusammen rund 600 Milliarden Dollar Jahresumsatz.Er glaubt, den etablierten Anbietern Kunden abwerben zu können, weil Starlink Funklöcher beseitige und bei Naturkatastrophen robuster sei. Ergänzend plant SpaceX kleine Funkstationen am Boden, die sich mit vorhandenen Starlink-Antennen auf Hausdächern kombinieren lassen. Musk sagte, SpaceX könne damit auf viele große und teure Mobilfunkstationen verzichten.Jeder Musk-Beobachter weiß freilich: Seine Ankündigungen sind mit Vorsicht zu genießen, vor allem, was die Termine betrifft. Und so dürfte mancher Anleger zusammengezuckt sein, als Musk auf die Frage, wann Starship sicher genug für Menschen sei, antwortete: „Ende nächsten Jahres.“ Das ist eine gängige Zeitangabe bei ihm, vor allem beim autonomen Fahren. So wie die berühmt-berüchtigten „zwei Wochen“ von US-Präsident Trump.Bei Musk kann das alles heißen, von ein paar Jahren bis niemals.Vielleicht rettet ihn ja der eigene Fortschritt. Wenn die humanoiden Roboter erst weit genug sind, muss für riskante Missionen kein Mensch mehr an Bord sein. Musk würde auch daraus eine Geschichte machen. Und vermutlich eine gut klingende. 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