Die unsichtbare Gefahr im Kontaktsport: Der Todesfall eines Footballspielers verschärft Australiens Debatte über KopfverletzungenBei zahlreichen weiteren verstorbenen Profis und Amateuren wurde die Gehirnerkrankung CTE nachgewiesen. Im Fussball reagieren Verbände bereits.05.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenTrauernde liegen sich bei der Gedenkfeier für Nathan Fitzgerald in den Armen. Sein Tod erhitzt die Debatte über Kopfverletzungen im Sport weiter.Jay Kogler / AAP / ImagoNathan Fitzgerald war erst 27-jährig, als er diesen Sommer verstarb. Anfang Juli erlag der Footballspieler und Highschool-Lehrer einer schweren Kopfverletzung, die er sich bei einem Australien-Rules-Footballspiel in Melbourne zugezogen hatte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Sein Schicksal ist dabei kein Einzelfall. Und es fällt mitten in eine ohnehin schon erhitzte Debatte in Australien. Wie die ABC berichtet, wurde bei 33 ehemaligen Australian-Football-Spielern nach ihrem Tod die Gehirnerkrankung CTE diagnostiziert.Bis dahin waren nur fünf Fälle bei Profispielern der Australian Football League (AFL) registriert worden. Laut den Untersuchungen der Australian Sports Brain Bank kann es dabei aber nicht nur jene Sportler treffen, die über Jahrzehnte auf Topniveau spielten, sondern auch junge Amateure.Wenn jeder Treffer Spuren hinterlässtDie Gehirnerkrankung CTE entsteht durch wiederholte Kopftraumata. Sie lässt sich derzeit nur nach dem Tod nachweisen. Zu Lebzeiten zeigt sich die Krankheit durch Depressionen, ein beeinträchtigtes Gedächtnis, Wutausbrüche und eine fehlende Impulskontrolle. Diese Anzeichen wurden auch bei mehreren der verstorbenen Football-Athleten beobachtet.Ein Zusammenhang mit CTE wurde laut dem Neurowissenschafter Alan Pearce jedoch häufig verdrängt. «Die Beweise, die ich aus diesen tragischen Todesfällen sehe, sagen mir, dass die AFL Blut an ihren Händen hat.»Besonders besorgniserregend für Pearce ist die Erkenntnis, dass nicht die einzelne Gehirnerschütterung das Hauptrisiko darstellt, sondern die kumulative Wirkung zahlreicher, oft unbemerkt bleibender Zusammenstösse. «Was das CTE-Risiko erhöht, ist die Belastung durch wiederholte Kopfeinwirkungen», sagte Michael Buckland von der Australian Sports Brain Bank der ABC. Diese oft unbemerkten Kopfverletzungen summieren sich durch Rempeleien, Tackles oder Stürze über eine Spielerlaufbahn zu Zehntausenden von Ereignissen.Die amerikanische Neuropathologin Ann McKee hat die Krankheit bereits bei Hunderten American-Football-Profis nachgewiesen. Sie sagt, dass Kontaktsportarten mit Kopfbelastungen «extrem riskant» sind. Die Gefahr sei zudem nicht auf American Football oder Australian Rules Football begrenzt – «man beobachtet es auch in Rugby, Eishockey und sogar im Fussball», sagte sie gegenüber dem australischen Medium.Die AFL beteuert derweil, dass die Gesundheit der Athleten absolut zentral ist. Sie kündigte an, ab der Saison 2027 das körperliche Trainingspensum zu reduzieren. Eine formale Zusammenarbeit mit einer Brain Bank, die Fachleute bereits fünf Jahre zuvor nahegelegt hatten, bleibt allerdings weiterhin aus.Das Thema der Kopfverletzungen beschränkt sich längst nicht auf Australien oder die USA. In Europa wird vor allem über den Fussball debattiert – speziell über die Frage, ob wiederholtes Kopfballspiel das Gehirn dauerhaft beschädigt. Hier geht es ebenso wenig um einzelne, technisch saubere Ballkontakte als vielmehr um die Gesamtbelastung über viele Jahre hinweg.Kopfballverbote, Grenzwerte und Sorgen der ElternGrossbritannien hat bereits Massnahmen eingeführt: England und Schottland untersagen oder limitieren Kopfballtraining in den jüngsten Altersgruppen, und auch im Jugendbereich existieren strikte Vorgaben. Der Deutsche Fussballbund wählt einen gemässigteren Weg und vertraut eher auf altersgerechte Richtlinien, professionelles Techniktraining sowie eine Begrenzung der Kopfballbelastung während des Trainings.Dass die Besorgnis begründet ist, zeigen auch Erkenntnisse aus Deutschland. Das Deutsche Ärzteblatt zitierte 2023 Forschungsarbeiten, die bei der Jahrestagung der Radiological Society of North America in Chicago präsentiert wurden: Laut diesen führt regelmässiges Kopfballspiel bei Fussballern zu Veränderungen in der Mikrostruktur des Gehirns – ein Befund, der bereits nach zwei Jahren nachweisbar ist.Der Grund dafür, dass die Debatte derzeit in Australien so intensiv geführt wird, liegt nicht nur an der grossen Anzahl neu diagnostizierter Fälle und dem teilweise jungen Alter der Patienten. Sondern auch an mehreren Suiziden mit anschliessend bestätigter CTE – etwa dem des früheren Australian-Football-Spielers und -Trainers Danny Frawley. Speziell bekannt war er als Captain des St. Kilda Football Klub.Für Eltern stellt sich damit die schwierige Frage, ob sie ihre Kinder überhaupt Kontaktsportarten ausüben lassen sollen. Der Epidemiologe Reidar Lystad von der Macquarie University schreibt in einem Beitrag für «The Conversation», dass auch er sich diese Frage als Vater zweier Söhne stelle. «Blicken Sie hinter die Schlagzeilen der Nachrichten, aber lassen Sie Vorsicht walten.»Die Frage sei nicht, ob Kinder Sport treiben sollten, so Lystad. «Es ist eine Frage der Auswahl von Sportarten, die den Nutzen maximieren und den Schaden minimieren.»Passend zum Artikel
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Bei zahlreichen weiteren verstorbenen Profis und Amateuren wurde die Gehirnerkrankung CTE nachgewiesen. Im Fussball reagieren Verbände bereits.






