Aktiensparen mit dem Präsidenten: Schon sieben Millionen Kinder in Amerika haben einen «Trump Account»Die amerikanische Regierung will neue Schichten an den Aktienmarkt heranführen und etwas gegen die hohe Ungleichheit tun. Milliardäre finden das Projekt grossartig – auch weil es linken Rufen nach Vermögenssteuern Wind aus den Segeln nehmen könnte.05.08.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenKeiner zu klein, Aktiensparer zu sein: Jedes amerikanische Neugeborene hat das Anrecht auf 1000 Dollar, die in Aktienfonds investiert werden.Brian Snyder / Reuters1000 Dollar vom Staat, einfach so und steuerfrei: Davon profitieren alle amerikanischen Babys ab Geburtsjahr 2025, wenn ihre Eltern für sie einen «Trump Account» einrichten. Kein Wunder, sind seit dem Start des Programms vor einem Monat bereits sieben Millionen Konten eröffnet worden, wie der amerikanische Finanzminister Scott Bessent Ende Juli bekanntgab. Unbescheiden bezeichnete er die Aktiensparpläne als «die erfolgreichste Lancierung eines Regierungsprogramms in der Geschichte».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Neue Form der AltersvorsorgeDie Popularität ist nicht verwunderlich, denn wer verzichtet freiwillig auf Gratisgeld? Auch aus Sicht der Trump-Regierung geht der Plan bis jetzt auf. Sie will mit den Konten die Altersvorsorge ergänzen, das Finanzwissen in der Bevölkerung verbessern und sie stärker am Aktienmarkt teilhaben lassen, der in den vergangenen Jahrzehnten Millionen von Amerikanern bedeutenden Wohlstand eingebracht hat.Gut 60 Prozent der Amerikaner sind bereits jetzt am Aktienmarkt investiert, vor allem über ihre Altersvorsorge: Diese setzt sich aus der Social Security, einem staatlichen System mit Umlageverfahren, und privaten, steuerbegünstigten Sparplänen im Kapitaldeckungsverfahren zusammen. Die privaten Sparpläne weisen oft eine hohe Aktienquote auf. Im internationalen Vergleich ist der Wert schon erfreulich hoch, die Republikaner würden ihn aber gern noch weiter steigern.Das Geld wird in simplen Indexfonds investiert, die zum Beispiel den amerikanischen S&P 500 abbilden. Zwar erhalten nur Neugeborene den einmaligen staatlichen Zuschuss von 1000 Dollar, aber man kann für jeden Minderjährigen ein solches Vorsorgekonto eröffnen. Arbeitgeber dürfen für die Kinder ihrer Mitarbeiter jährlich bis zu 2500 Dollar steuerfrei zuschiessen, auch Gliedstaaten, Gemeinden oder gewisse Stiftungen dürfen spenden. Die eigene Familie darf 5000 Dollar pro Jahr einzahlen, allerdings ohne das von den Steuern abziehen zu können.Am 18. Geburtstag des Inhabers wird der «Trump Account» – das ist tatsächlich der offizielle Name – in ein reguläres Altersvorsorgekonto umgewandelt. Dieses ähnelt vom Prinzip her der Schweizer Säule 3a und wird in den meisten Fällen weiterhin vorwiegend mit Aktien bestückt. Man darf sich mit dem Geld ein Haus kaufen, sein Studium finanzieren, ein Geschäft gründen oder manche Arztrechnungen begleichen. Wer aus anderen Gründen weit vor dem 60. Geburtstag auf das Konto zugreift, zahlt eine Strafsteuer.Die Lotterie der Geburt einschränkenDas Programm erhält von unabhängigen Experten recht gute Noten. Wohlhabende Familien könnten ihren Kindern heute bessere Startbedingungen verschaffen, sagt die Finanzexpertin Allison Schrager von der liberal-konservativen Denkfabrik Manhattan Institute. Sie finanzieren das Studium oder stellen das Eigenkapital für einen Hauskauf zur Verfügung. Dank den neuen Sparguthaben könnten Kinder aus ärmeren Familien eher mithalten. «Niemand wird deswegen Milliardär», sagt sie, «aber es reduziert die Unfairness der Geburt ein wenig.»Die Kosten sind, gemessen an amerikanischen Verhältnissen, überschaubar. Bei rund 3,6 Millionen Geburten jährlich verursacht das Programm dem Staat einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag an direkten Kosten. Gemessen am staatlichen Haushaltsdefizit von knapp zwei Billionen Dollar ist das nicht viel.Einige Superreiche haben bereits angekündigt, ebenfalls im grossen Stil Geld für die Vorsorgekonten lockerzumachen. Der Milliardär und IT-Unternehmer Michael Dell spendet zusammen mit seiner Frau mehr als 6 Milliarden Dollar, damit 25 Millionen Kinder aus ärmeren Gegenden zusätzliche 250 Dollar Startkapital erhalten. Auch die SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell hat angekündigt, Aktien ihres Unternehmens in dreistelliger Millionenhöhe an jugendliche Inhaber von «Trump Accounts» zu verschenken. Für die Milliardäre bietet eine solche Spende laut Schrager eine interessante Alternative zur traditionellen Philanthropie, weil sie ihr Geld sehr direkt einsetzen können.Politische Überlegungen spielen auch mit hinein. «Die wirklich Reichen werden sehr nervös, weil sich so viel Wut auf sie richtet», sagt die Finanzexpertin Schrager. Umverteilungspläne, die früher als extrem abgekanzelt worden wären, erhalten in der amerikanischen Bevölkerung derzeit breiten Zuspruch. Das hängt mit der hohen Ungleichheit und der Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Entwicklung zusammen. In Kalifornien wird im November zum Beispiel darüber abgestimmt, ob der Staat allen Milliardären einmalig 5 Prozent ihres Vermögens wegnehmen soll.Gekommen, um zu bleibenDie meisten Demokraten im Kongress haben die «Trump Accounts» 2025 abgelehnt. Zum einen, weil sie Teil eines grösseren Finanzierungspakets waren, das sie aus anderen Gründen verabscheuten. Zum anderen, weil Trump die Konten recht unverfroren als persönliches Marketing-Instrument nutzt. Kritik gab es auch an dem Umstand, dass das Programm nicht nur bedürftigen Haushalten zur Verfügung steht. Reiche könnten eher die maximalen Beiträge einzahlen und so Vermögen vor dem Fiskus abschirmen.Viele Demokraten befürchten überdies, dass die Republikaner die Trump-Konten nur lanciert haben, um parallel die staatliche Altersvorsorge auszuhöhlen. Bessent nannte die Konten vor Jahresfrist in einer unklugen Bemerkung einmal «eine Hintertür, um die Social Security zu privatisieren». Er präzisierte auf X rasch, dass die neuen Konten nur eine Ergänzung seien und niemand die staatliche Altersvorsorge antasten werde. Die Opposition aber sah sich in ihrer Sorge bestätigt.Droht den «Trump Accounts» also das Ende, falls die Republikaner 2028 die Präsidentschaft verlieren sollten? Schrager glaubt, dass die Demokraten die Initiative umbenennen, aber dennoch weiterführen würden. «Die Konten waren ihre Idee. Aber sie hätten sie mit Obligationen statt mit Aktien bestückt, damit niemand sein Geld verliert.» Tatsächlich hatte der demokratische Senator Cory Booker seit 2018 mehrere Anläufe für «Baby-Bonds» lanciert, brachte aber nie eine Mehrheit zusammen.Hinzu kommt ein eisernes Gesetz, das für Demokraten wie Republikaner gleichermassen gilt: Hat sich die Bevölkerung einmal an eine neue staatliche Leistung gewöhnt, lässt sie sich kaum je wieder abschaffen. Die «Trump Accounts» dürften den Amerikanern, unter welchem Namen auch immer, noch lange Zeit erhalten bleiben.Passend zum Artikel
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