SpaceX hat seinen Umsatz fast verdoppelt – dennoch reagieren die Anleger enttäuscht auf die ersten QuartalszahlenElon Musks Raumfahrtunternehmen legt kurz nach dem Börsengang eindrückliche Wachstumszahlen vor. Für Aufsehen sorgen aber die hohen Investitionen in neue KI-Rechenleistung.05.08.2026, 02.59 Uhr5 LeseminutenAuf den Erfolg dieser Rakete hoffen die SpaceX-Anleger: Das Starship setzt am Raumhafen in Starbase, Texas, am 24. Juli zu seinem 13. Testflug an.Steve Nesius / ReutersInvestoren des Raumfahrtunternehmens SpaceX haben am Dienstagabend fast alles erhalten, was sie sich erhofft hatten. Die von Elon Musk geführte Firma ist stark gewachsen: Der Quartalsumsatz legte gegenüber Vorjahr um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar zu. Den Nettoverlust konnte SpaceX immerhin auf 541 Millionen Dollar reduzieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Gründe für die roten Zahlen lassen sich indes leicht ausmachen. SpaceX ist in drei Sparten aufgeteilt: Die Raumfahrt, das Telekommunikationsgeschäft mit dem Satelliten-Netzwerk Starlink sowie eine KI-Sparte.Einmal mehr hat Starlink am erfolgreichsten operiert. Die Sparte hat die Zahl der Abonnenten innert Jahresfrist auf 12 Millionen verdoppelt, und konnte den Betriebsgewinn auf 1,66 Milliarden Dollar steigern. Und die Ambitionen bleiben hoch. SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell erwähnte unter anderem das schnell wachsende Geschäft mit Airlines, die ihren Kunden mithilfe von Starlink schnelles Internet im Flugzeug anbieten können.Gigantische Ausgaben für RechenzentrenMit dem eigentlichen Raumfahrt-Geschäft bleibt SpaceX dagegen in der Verlustzone. Immerhin dürften milliardenschwere neue Verträge mit dem amerikanischen Militär für stabile und steigende Einnahmen sorgen. In Tests mit der neuen, grösseren Rakete namens Starship verzeichnet man Fortschritte, was mittelfristig auch den anderen Sparten helfen sollte.Beim jüngsten Testflug am 24. Juli hatte das Starship erstmals Starlink-Satelliten der dritten Generation an Bord. Sie sollen für eine bis zu zehnmal bessere Datenübertragung sorgen als die Satelliten, die heute in Betrieb sind. Mit dem Starship sollte es gemäss CEO Elon Musk möglich sein, sie rasch in die Erdumlaufbahn zu befördern.Die grössten Verluste häuft derweil noch immer die KI-Sparte an. SpaceX profitiert zwar davon, dass man die eigene Rechenkapazität, die man selber noch nicht sinnvoll nutzen kann, im Frühlingsquartal erstmals an Anthropic und an Google vermieten konnte. So gelang es der KI-Sparte des Unternehmens, den Quartalsumsatz von 737 Millionen auf 2,6 Milliarden Dollar zu steigern.Doch selbst dieses imposante Plus reicht noch lange nicht, um die KI-Sparte in die schwarzen Zahlen zu führen. Immerhin liess sich der Betriebsverlust von rund 2,5 auf 1,3 Milliarden Dollar beinahe halbieren.Die Börse ist nicht erfreutDie Anleger waren in einer ersten Reaktion indes wenig begeistert von den Zahlen. Im nachbörslichen Handel gaben die SpaceX-Titel einen Grossteil ihres Tagesgewinns von mehr als 9 Prozent wieder ab. Die Börse hat sich zwar auf Überraschungen eingestellt. Da es sich um das erste Quartalsergebnis von SpaceX nach dem Börsengang handelte, hatten Anleger und selbst Finanzanalysten nicht genau gewusst, was sie am Dienstagabend erwarten würde.Für Aufsehen sorgen jetzt aber die beträchtlichen Investitionen: Nach 10,1 Milliarden im Frühjahrsquartal waren es von April bis Juni sogar 18,4 Milliarden. Der allergrösste Teil davon, 15,8 Milliarden, wird für die KI-Sparte verwendet, vor allem für den Bau neuer Rechenzentren. Damit ist SpaceX noch weit entfernt von den Hyperscalern Amazon, Microsoft und Alphabet, die drei- bis viermal so viel investieren. Diese verfügen aber über ein viel grösseres bestehendes Geschäftsvolumen, um diese Investitionen aufzufangen.SpaceX-Finanzchef Bret Johnson wies im Gespräch mit Finanzanalysten darauf hin, dass sich diese Investitionen sehr rasch amortisieren sollten. Aber natürlich bleibt zumindest die Vermietung dieser Rechenleistung sehr abhängig vom Nachfragewachstum der führenden Modellhersteller Anthropic und Open AI.Mit letzterem Unternehmen hat SpaceX zwar keinen Abnahmevertrag; Elon Musk und Open AI-Chef Sam Altman sind seit Jahren in eine bittere Fehde verwickelt. Aber weil Open AI einen derart grossen Anteil der Nachfrage nach Rechenkapazität ausmacht, würden Probleme beim KI-Pionier sich rasch auf die Preise im Markt und somit auf die Profitabilität der Investitionen aller Hyperscaler auswirken.SpaceX hat sich allerdings auf die Investitions-Offensive vorbereitet. Dank dem Börsengang und einer neu begebenen Anleihe hat das Unternehmen seit Juni 111 Milliarden Dollar an Kapital aufgenommen. Elon Musk kann also noch einige Rechenzentren bauen, bevor ihm das Geld ausgehen kann.Unstete Entwicklung seit BörsengangDennoch dürften viele Aktionäre weiter auf Neuigkeiten hoffen, welche den Kurs wieder beleben können. Die SpaceX-Aktie hat seit dem höchst erfolgreichen Börsengang, als sie kurzzeitig die 200-Dollar-Schwelle überschritt, stark unter Druck gestanden. Trotz einer kleinen Rally in den vergangenen Tagen wurde sie zum Handelsschluss am Dienstag zu 125 Dollar gehandelt, also unter dem von Elon Musk selbst verfügten Ausgabepreis von 135 Dollar.Speziell ist, dass die Achterbahnfahrt nicht in erster Linie auf Entwicklungen innerhalb des Unternehmens zurückzuführen war. SpaceX hatte kurzzeitig gewisse technische Probleme rund um den erwähnten Testflug des Starship verzeichnet. Diese Probleme wurden aber offenbar behoben und dürften die Perspektive der Anleger kaum gross verändert haben.Die hin und wieder aufkeimenden Spekulationen, dass Musk «seine» beiden Unternehmen Tesla und SpaceX zusammenschliessen will, bleiben bis auf weiteres genau das: Spekulationen. Wer SpaceX Ende Juni für komplett über- oder weiterhin für unterbewertet hielt, wird in den vergangenen Wochen kaum seine Meinung geändert haben.Derweil wurde kein anderes Unternehmen in den vergangenen Wochen derart intensiv gehandelt wie SpaceX. Zahlreiche Kleinaktionäre, die beim Börsengang noch leer ausgegangen waren, deckten sich im regulären Handel mit Titeln des Raumfahrtunternehmens ein. Oft nutzten sie dafür aggressive, gehebelte Finanzprodukte. Diese erhöhen die individuelle Chance auf grosse Gewinne und Verluste, aber auch die Volatilität der Kursentwicklung insgesamt.Zudem hat die, gemessen an üblichen Massstäben wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, enorme Bewertung von SpaceX viele Leerverkäufer angezogen, die auf fallende Kurse setzen. Sie leihen sich eine Aktie aus und verkaufen sie sogleich wieder, um sie sich später günstiger wieder zurückzukaufen. Das sorgt zunächst für fallende Kurse. Sobald die Leerverkäufer die Aktien aber zurückkaufen müssen, kehrt sich der Effekt um und erzeugt Aufwärtsdruck.Überlagert wurden diese Ereignisse von der sich verändernden Grosswetterlage. Im Juli verzeichneten zahlreiche KI-Firmen einbrechende Kurse, weil die Anleger sich plötzlich vor einer Blase fürchteten. Auch SpaceX wird von den Investoren mehrheitlich als KI-Unternehmen betrachtet und war vom Ausverkauf betroffen. Zudem haben die Märkte in dieser Zeit ihre Erwartungen an die Zinspolitik des Fed mehrfach angepasst. Ein Unternehmen wie SpaceX, das derzeit keinen Gewinn schreibt, den Anlegern aber ein gewaltiges Wachstum in Aussicht stellt, ist von solchen geldpolitischen Veränderungen besonders stark betroffen.Weitere Aktien kommen auf den MarktDie nächste grosse Unbekannte wartet am 6. August auf die Anleger. Dann dürfen frühe Investoren, darunter auch zahlreiche Mitarbeiter, erstmals einen Teil ihrer bisher gesperrten Aktien verkaufen. Der Effekt ist bedeutend: Derzeit können erst 4 bis 5 Prozent der SpaceX-Aktien frei gehandelt werden, ab dem 7. August werden es 12 Prozent sein.Die Meinungen dazu, welchen Effekt das auf den Kurs haben wird, sind gespalten. Manche Finanzanalysten rechnen mit einer Delle. Sie argumentieren, dass viele Langzeit-Aktionäre sich mit ihren SpaceX-Titeln bereits vorab Häuser und andere Annehmlichkeiten gekauft haben und dieses Vermögen nun flüssig machen müssen. Wenn alle gleichzeitig verkaufen, fällt der Preis. Allerdings ist auch denkbar, dass die Märkte diesen Effekt bereits vorweggenommen haben.Passend zum Artikel
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