Auf ungewöhnliche Weise sind die Ermittler des für Kinderpornografie zuständigen Kommissariats 17 der Münchner Kripo drei Männern auf die Spur gekommen, die im Verdacht stehen, entsprechendes Material besessen und verbreitet zu haben. In der Regel erhalten die hiesigen Polizeibehörden ihre Hinweise aus den USA, wenn auf dortigen Servern verdächtige Bilder entdeckt werden, die sich über die sogenannte IP-Adresse der genutzten Geräte nach Deutschland zuordnen lassen. In diesem Fall bekamen sie den Tipp allerdings von den Steuerfahndern des Münchner Finanzamts.Die hatten 2024 bei der Wohnungsdurchsuchung eines heute 50 Jahre alten Münchners elektronische Speichermedien sichergestellt und bei deren Durchsicht Hinweise auf kinderpornografische Inhalte entdeckt. Darunter versteht man vor allem die filmische oder fotografische Darstellung von Kindern zwischen null und 13 Jahren mit eindeutig sexuellem Bezug. Über den Fund informierten die Steuerfahnder die Ermittler des K17, und die erwirkten eine weitere Durchsuchung beim Verdächtigen. Im September 2025 nahmen sie weitere Datenträger mit.Deren Auswertung führte dann zunächst zu einem 75 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck und anschließend zu einem 60-Jährigen aus dem Raum Rosenheim, mit denen der 50-Jährige in Kontakt stand. In Zusammenarbeit mit den dortigen Dienststellen kam es zu weiteren Wohnungsdurchsuchungen bei den Männern. Allein bei dem 60-Jährigen sei eine dreistellige Zahl von Beweismitteln beschlagnahmt worden – USB-Sticks, CDs, Handys, Festplatten, „grundsätzlich alles, was speicherfähig ist“, wie der ermittelnde K-17-Beamte Niko Orfanopoulos am Dienstag bei einer Pressekonferenz erklärte.Am 8. Juli kam es bei einer konzertierten Aktion mehrerer Dienststellen zur Festnahme der Verdächtigen. Der 75-Jährige wurde dabei mithilfe von Zielfahndern und lokalen Polizeikräften in der bulgarischen Gemeinde Karnobat festgenommen, wohin er sich abgesetzt hatte. Wie seine Komplizen ist auch der 75-Jährige deutscher Staatsbürger; die Fürstenfeldbrucker Ermittler vermuten eine familiäre Verbindung nach Bulgarien. Er befindet sich derzeit in Auslieferungshaft.Die sichergestellten Medien würden nun analysiert, auch von externen Gutachtern, sagte Orfanopoulos. Bislang gebe es keine Hinweise auf „Hands-on-Delikte“, also solche, bei denen Hand an die Opfer angelegt wurde, sodass Missbrauchstaten vorliegen. Ob und wie die drei Männer aktiv an den Aufnahmen mitgewirkt haben, ist unklar. „Es muss noch ermittelt werden, ob die Tatverdächtigen auf den Bildern zu sehen sind“, sagte Orfanopoulos. Bislang gehen die Beamten davon aus, dass die Männer die kinderpornografischen Erzeugnisse lediglich konsumiert, also angeschaut haben.Die drei Tatverdächtigen seien alle bereits mehrmals einschlägig wegen Sexualdelikten in Erscheinung getreten, berichteten die Ermittler. Der 50- und der 60-Jährige seien sogar vorbestraft, bestätigte Orfanopoulos. Gegen die Männer wird nun wegen des Verdachts des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischer Inhalte ermittelt. Bei einer Verurteilung liegt der Strafrahmen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft.
Steuer-Razzia in München bringt Kinderpornografie ans Tageslicht – drei Festnahmen
Gegen die Verdächtigen wird wegen mutmaßlichen Besitzes und Verbreitung verbotener Inhalte ermittelt.









