In Deutschland schrumpft die Zahl der Brauereien. Im vergangenen Jahr zählte das Statistische Bundesamt noch 1415 Brauereien, das waren 53 weniger als im Jahr davor. Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Im Vergleich zum Rekordjahr 2019, als die Zahl der Brauereien in Deutschland mit 1536 einen Höchststand erreichte, sind es sogar 137 Brauereien weniger.Damit sind in den vergangenen sechs Jahren fast neun Prozent der heimischen Brauereien verschwunden. Als wesentlichen Grund nennen die Statistiker den sinkenden Bierkonsum. Tatsächlich ging der Bierkonsum in den vergangenen sechs Jahren sogar noch stärker zurück als die Zahl der Braustätten, nämlich um fast 16 Prozent. Im Gegenzug nimmt zwar der Konsum von alkoholfreiem Bier zu, doch das kann die hohen Verluste beim herkömmlichen Bier nicht ausgleichen. Die Zahl der Betriebsschließungen blieb trotz des sinkenden Bierkonsums lange Zeit verhältnismäßig gering, nimmt nun aber zu.Die meisten Brauereien in Deutschland sind klein. Gut jeder zweite Betrieb braut laut den Statistikern im Jahr weniger als 100.000 Liter, das entspricht 10.000 herkömmlichen Bierkisten. Nur acht Großbrauereien zählen zur größten Klasse mit einem Bierausstoß von mindestens 200 Millionen Litern. Die Behörde selbst nennt keine Namen, zu den größten namhaften Brauereien in Deutschland zählen aber Radeberger, Paulaner und Krombacher, sowie die Billigbieranbieter Oettinger und TCB.Brauerbund spricht von „echter Zäsur“Laut den Statistikern in Wiesbaden geht die Zahl der Brauereien in „nahezu allen Größenklassen“ zurück. Während das Verschwinden kleiner Brauereien meist nur lokal wahrgenommen wird, sorgten zuletzt auch Schwierigkeiten größerer Brauereien für Schlagzeilen. Allen voran im Juli das Aus für die Mannheimer Traditionsbrauerei Eichbaum, die in ihren besten Zeiten vor mehr als 30 Jahren mehr als eine 100 Millionen Liter Bier braute und nun den Betrieb einstellen muss. In Braunschweig hat der bayrische Billigbieranbieter Oettinger seine dortige Großbrauerei im vergangenen Jahr geschlossen, die Schwierigkeiten scheinen aber nicht vorüber: Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass der neue Chef nach nur dreieinhalb Monaten seinen Hut nimmt. In Regensburg schloss zum Jahreswechsel die Traditionsbrauerei Bischofshof. Die Warsteiner-Gruppe hat im Juli mit Bodo-Joachim Wendenburg einen Restrukturierungsexperten zum Chef befördert, das Unternehmen will die Kapazität deutlich reduzieren und schließt eine Brauerei in Herford.Der Deutsche Brauerbund sprach zuletzt von einer „echten Zäsur“ für die deutsche Brauwirtschaft. Derzeit müsse jede Woche mindestens eine Brauerei aufgeben, oft gehe es dabei um Familienbetriebe mit jahrhundertelanger Geschichte. „Mit Blick auf die anhaltend hohen Produktionskosten und den Rückgang des Bierkonsums ist leider damit zu rechnen, dass die Zahl der Brauereien in Deutschland weiter abnehmen wird“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Brauerbundes Holger Eichele. Er fordert mehr Unterstützung der Politik. Die Bundesregierung solle vor allem von der geplanten Zuckersteuer Abstand nehmen, weil sie die Versuche vieler Brauereien torpediere, sich mit Limonaden ein zweites Standbein aufzubauen. Diesen zusätzlichen Druck durch politische Vorgaben kritisiert auch Veltins-Chef Volker Kuhl. Er zeigte sich zudem enttäuscht von der Fußball-Weltmeisterschaft, die für die deutschen Brauer „schlichtweg ein Flop“ gewesen sei.Die Schwierigkeiten der Brauwirtschaft machen sich derweil auch an anderer Stelle bemerkbar, etwa bei den Mälzereien. Das amerikanische Unternehmen Cargill hat im Juni seinen Mälzturm in Salzgitter geschlossen. Schon zwei Monate zuvor schloss das französische Unternehmen Malteurop seine Mälzerei im sächsischen Heidenau. In Nürnberg musste im Juli der Fachverlag Hans Carl, der die Fachzeitschrift „Brauwelt“ herausgibt, Insolvenz anmelden.