Die Geldanlage in Silber hat eine feste Fangemeinde. Wer gerade mal ein paar Euro übrig hat, kann schließlich leichter eine Silbermünze erwerben als eine aus Gold. Gold ist ungefähr 70-mal so teuer wie Silber. In Zeiten, in denen selbst ein kleiner Goldbarren zu zehn Gramm schon mehr als 1000 Euro kostet, könnte es aus diesem Grund Interesse am „Gold des kleinen Mannes“ geben, wie das Silber bisweilen genannt wird.Zumal Silber auch noch viel billiger ist als noch vor Kurzem. Ende Januar hatte der Preis sein Allzeithoch von 121,65 Euro je Feinunze (31,1 Gramm) erreicht. Seither hat er sich mehr als halbiert: Am Dienstag notierte er im Handelsverlauf auf gut 58 Dollar. Nach einem solchen Preissturz stellt sich immer die Frage, ob das jetzt eine Einstiegsgelegenheit ist: Hat Silber Kaufkurse erreicht?Unterschiede zu GoldDabei sollte man allerdings bedenken, dass es einige Besonderheiten der Geldanlage in Silber im Vergleich zu Gold gibt, und zwar über die niedrigeren Einstiegspreise bei gleichen Mengen hinaus. Weil Silber je Unze billiger ist als Gold, fallen die prozentualen Änderungen des Preises oftmals größer aus; die Volatilität des Preises ist höher. Wer Silber lange halten will, kann darüber hinwegsehen. Wer den Preis aber täglich verfolgt, braucht unter Umständen stärkere Nerven.Ein Unterschied ist auch die Besteuerung. Auf neue Silbermünzen zahlt man die volle Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Goldmünzen dagegen, zumindest die gängigen Stücke zur Geldanlage, sind von dieser Steuer befreit. Früher gab es die Möglichkeit, Silbermünzen zu erwerben, die außerhalb der EU hergestellt wurden. Dann war die Steuer nach der sogenannten Differenzbesteuerung niedriger. Dem hat die Bundesregierung aber 2022 einen Riegel vorgeschoben. „Diese frühere Möglichkeit kann seitdem nicht mehr angewendet werden“, sagt Benjamin Summa vom Edelmetallhändler Pro Aurum. Wer beim Münzkauf Steuern zahlt, die es beim Verkauf nicht zurückgibt, muss also erst einmal einen gewissen Preisanstieg abwarten, bevor sich das Geschäft lohnt.Stärkere Rolle als IndustriemetallUnterschiede gibt es auch hinsichtlich der Faktoren, die auf die Preisentwicklung von Gold und Silber einwirken. Gold wird stärker als Silber für Anlagezwecke eingesetzt, bei Silber gibt es neben der Investmentnachfrage auch eine stärkere industrielle Nachfrage. Damit hängt der Silberpreis stärker als der Goldpreis auch von der Konjunktur ab. Faktoren, die auf den Goldpreis einwirken – die Zinsentwicklung, die Inflation, die Wechselkurse, geopolitische Risiken und Krisen –, spielen auch für den Silberpreis eine Rolle. Entsprechend verlaufen die Ausschläge beider Preise bisweilen parallel. Aber der Silberpreis hängt auch von den Branchen ab, in denen Silber verwendet wird, etwa von der Solarindustrie.Und während für die Nachfrage zu Anlagezwecken der Preis eines Edelmetalls nicht so zentral ist, solange allgemein mit weiter steigenden Preisen gerechnet wird, reagiert die industrielle Nachfrage deutlich auf hohe Preise. Zum Teil wird dann einfach weniger gekauft, oder das Edelmetall wird substituiert. Das ist beim Gold in der Schmuckindustrie zu beobachten, es spielt für die industrielle Nachfrage nach Silber aber eine noch größere Rolle.Viele Analysten raten derzeit abViele Analysten sind deshalb im Moment eher vorsichtig, was Silber-Investments betrifft. „Ich würde weiterhin Gold bevorzugen“, sagt Giovanni Staunovo, Edelmetall-Fachmann der Schweizer Großbank UBS. Der starke Preisanstieg im vergangenen Jahr habe sich deutlich negativ auf die Silber-Industrienachfrage ausgewirkt, insbesondere bei Solarzellen. „Dies wird meiner Meinung nach längerfristig den Anstieg des Metallpreises limitieren“, sagt Staunovo.„Charttechnisch sieht die Preisentwicklung beim Silber über die vergangenen zwölf Monate etwas besorgniserregender aus als die des Goldpreises“, sagt Cyrus de la Rubia, Ökonom der Hamburg Commercial Bank. Gold werde von vielen Anlegern als Versicherung angesehen, um sich gegen Extremfälle wie zweistellige Inflationsraten oder gar einen Zusammenbruch des Weltwährungssystems abzusichern. „Silber ist in dieser Beziehung eher die zweite Wahl“, sagt er.Frank Schallenberger, Rohstoff-Fachmann der Landesbank Baden-Württemberg, formuliert es noch schärfer: „Finger weg vom Silber!“ Der Analyst meint, in den kommenden Monaten dürften „die abnehmende Dynamik in der Solarindustrie, die schwache Weltkonjunktur sowie eine weiter sinkende Schmucknachfrage“ den Silberpreis belasten.
Silber - das Gold des kleinen Mannes?
Der Silberpreis hat sich seit Ende Januar mehr als halbiert. Das klingt für Anleger verlockend: Sind das jetzt Kaufkurse?






