Die Zahl der Rentner und Rentnerinnen, bei denen das Geld im Alter nicht zum Leben reicht, ist in Bayern erneut gestiegen. Insgesamt bezogen im vergangenen Jahr 64 130 Menschen neben ihrer Rente die sogenannte Grundsicherung vom Staat. 2024 waren es noch 63 360 Menschen. Frauen waren dabei im vergangenen Jahr erneut deutlich häufiger auf Hilfe angewiesen (36 330) als Männer (27 800). Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Linken im Bundestag zum Thema Altersarmut hervor. Die darin genannten aktuellen Zahlen für Bayern hatte die Rentenversicherung bisher nicht veröffentlicht.Grundsicherung im Alter können Menschen erhalten, wenn sie das Rentenalter erreicht haben, ihre eigenen Einkünfte oder Vermögen aber nicht reichen, um ihr Leben zu bestreiten. Dies könne der Fall sein, wenn das gesamte monatliche Einkommen unter 1148 Euro liegt, schreibt die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Webseite als Faustregel.In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Menschen, die diese Art der Sozialhilfe beziehen, stetig gestiegen. Dies hat allerdings auch statistische Gründe. So gelten seit 2021 neue Freibetragsregelungen. Menschen durften neben der Grundsicherung bis zu 223 Euro monatlich von ihrer Rente behalten, 2024 stieg der Freibetrag auf maximal 281,50 Euro. Dadurch können insgesamt mehr Menschen Grundsicherung erhalten, was sich zwischen 2021 und 2022 in einem sprunghaften Anstieg der Zahlen zeigt. In der gleichen Zeit sind infolge des Krieges zudem Hunderttausende Ukrainer nach Deutschland geflohen, darunter auch viele ältere Menschen. Sie erhalten ebenfalls Grundsicherung im Alter und tragen zum Anstieg der Zahlen bei.Die Linke hatte deshalb speziell die Zahl der Rentner und Rentnerinnen abgefragt, die Grundsicherung erhalten. Bei diesen Zahlen sind die geflüchteten Ukrainer bereits rausgerechnet, da diese keine Renten in Deutschland beziehen. Die Zahlen steigen auch nach Abzug der statistischen Effekte konstant Jahr für Jahr, so die Linke.Insgesamt erhielten 2025 2,6 Prozent aller Rentner und Rentnerinnen in Bayern Grundsicherung im Alter, nur etwas weniger als im Bundesschnitt (drei Prozent) und mehr als in vielen ostdeutschen Bundesländern. Thüringen etwa steht in dieser Liste am besten da. Dort bezieht nur jeder hundertste Rentner Grundsicherung im Alter. Das zeige, wie groß die Not vieler Rentner und Rentnerinnen in Bayern sei, sagte Sarah Vollath, rentenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag.Die Zahlen seien schwierig zu interpretieren, warnt dagegen Johannes Geyer, Rentenexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Abgesehen von den Flüchtlingen und den Effekten durch die Freibeträge sehe er keine große Veränderung bei der Altersarmut. Geyer weist allerdings auch darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der Bedürftigen wesentlich höher liegen dürfte. Nach Schätzungen des DIW nehmen 50 bis 60 Prozent der Berechtigten, die Hilfe nicht in Anspruch, sei es aus Scham oder weil sie den Behördengang scheuen.Die Linke hat in ihrer Anfrage zudem die Höhe der durchschnittlichen Rentenzahlbeträge abgefragt, also die Nettorente vor Steuern, aber nach Abzug der Krankenkassenbeträge. Es zeigt sich, dass diese auch nach 40 und 45 Versicherungsjahren immer noch gering ausfallen. Ganz besonders wenig erhalten demnach – wenig überraschend – die Frauen. 24 Prozent der Männer und zwei Drittel (64,7 Prozent) der Frauen erhielten demnach auch nach 40 Versicherungsjahren weniger als 1446 Euro. Frauen steigen häufiger für die Kindererziehung aus dem Job aus oder arbeiten in Teilzeit. Im Schnitt verdienen sie auch weniger als Männer, was sich ebenfalls auf die Rentenbezüge auswirkt.Ab einem Einkommen von 1445 Euro galt ein alleinlebender Mensch nach Definition der Bundesregierung 2025 als armutsgefährdet. Selbst nach 45 Versicherungsjahren erhielt noch fast jeder fünfte Mann (19 Prozent) und mehr als die Hälfte aller Frauen in Bayern (56,4 Prozent) nur diesen Wert oder weniger. „Altersarmut ist auch bei uns in Bayern mitten in der Gesellschaft angekommen“, sagte Vollath. Die Zahl der betroffenen Rentner und Rentnerinnen steige seit Jahren. Allerdings sagt die Höhe der Rentenbezüge allein wenig über die Armutsgefährdung aus, da viele Menschen weitere Einkünfte haben etwa aus den Altersbezügen des Partners oder aus Vermögen.
Mehr alte Menschen in Bayern beziehen Grundsicherung
64 000 Rentner in Bayern waren 2025 auf Hilfen vom Staat angewiesen, weil ihr eigenes Geld nicht für das Leben reichte. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.









