Trotzdem nutzt sie die Spielregeln der sozialen Medien: Beim Thema Kopftuch zum Beispiel stellt sie einer jungen Frau zu Beginn eines Videos bewusst eine provokative Frage: "Wer zwingt dich eigentlich?" Danach erklärt die junge Frau in eigenen Worten, was sie antreibt, ein Kopftuch zu tragen. Provokation, sagt Heiler, sei wichtig, um in den sozialen Medien überhaupt Aufmerksamkeit zu bekommen. Und die bekommt sie.

Bei kontroversen außenpolitischen Themen lässt sie die Menschen sich selbst eine Meinung bilden. "Ich bin Journalistin, ich bin nicht Influencerin", sagt Heiler. "Wenn ich meine Werte verrate, nur um besonders beliebt zu sein, dann habe ich meine Aufgabe verfehlt." Auch ihre Sponsoren wählt sie sorgfältig aus und arbeitet nur mit Unternehmen zusammen, die ihre Werte teilen, sagt Heiler: Menschen auf Augenhöhe begegnen, gegen Extremismus und für demokratische Werte einstehen. "Meine Mission ist, für Menschen einzustehen, die sonst nicht die Möglichkeiten haben, sich Gehör zu verschaffen."

Geflüchtete und Migrant:innen kommen in ihren Videos selbst zu Wort, und sie geht dahin, wo Geflüchtete sind, wo sie leben müssen, um sie besser zu verstehen. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich Franzi Heiler ehrenamtlich in einem Flüchtlingscamp auf der griechischen Insel Lesbos und in der Ukraine engagiert.