Wenn Donald Trump über den Irankrieg spricht, hebt er gern hervor, dass dieser ja noch gar nicht besonders lang geht. Zum Vergleich zieht der Präsident die in der amerikanischen Öffentlichkeit als „Endloskriege“ gescholtenen Konflikte in Vietnam und Afghanistan heran. Aber die fünf Monate der Angriffe im Nahen Osten haben die Raketenbestände der Vereinigten Staaten offenbar verknappt. Generalstabschef Dan Caine soll das Weiße Haus schon vor dem Krieg gewarnt haben, in einem längeren Konflikt könne die Luftverteidigungsmunition knapp werden. Eine jüngste Analyse des Center for Strategic and International Studies (CSIS) bestätigt diese Befürchtung nun.Die Denkfabrik schreibt, von den ursprünglich rund 2300 Patriot-Raketen vor dem Krieg sei Ende Juli nur noch gut ein Drittel übrig. Außerdem sollen die Vereinigten Staaten die Hälfte ihrer THAAD-Abfangraketen verschossen haben. Von ihnen soll es noch etwa 250 Raketen geben. Die Schätzungen beruhen auf öffentlich zugänglichen Haushaltszahlen, die dem Kongress vorgelegt wurden. Besonders viel Luftabwehrmunition wurde demnach in der ersten Phase der „Operation Fury“ verbraucht, als die Amerikaner einen Großteil der heftigen Luftangriffe durch Iran abfingen. Seit dem gescheiterten Waffenstillstand sind die iranischen Angriffe auf amerikanische Militärbasen und Stellungen zwar weniger geworden, aber jeder Vergeltungsschlag schmälert die Bestände weiter.Der Krieg in Iran ist teuer – und unbeliebtDie amerikanische Regierung lässt sich davon bislang nicht beeindrucken, öffentlich zumindest. Am Sonntag erst sprach Trump von einem geplanten „massiven Angriff“ auf Iran, den man nur deswegen abgesagt habe, weil die Gespräche mit Teheran am Montag fortgesetzt würden. Verteidigungsminister Pete Hegseth versicherte in der ihm üblichen Art, die Amerikaner hätten „die Waffen im Anschlag“ und blieben einsatzbereit „auf einem Niveau, wie man es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hat“. Dabei war es Hegseth selbst, der in einer Anhörung im Kongress im Mai gesagt hatte, es werde je nach Waffentyp „Monate und Jahre“ dauern, die amerikanischen Munitionsbestände wieder aufzufüllen. Die Denkfabrik CSIS schrieb schon damals, es werde drei oder mehr Jahre dauern, wieder so viele Patriot- und THAAD-Raketen zu haben wie vor dem Irankrieg.Laut dem Pentagon kostete der Krieg bis Anfang Juli gut 37 Milliarden Dollar. Hegseth ist es bislang aber nicht gelungen, im Kongress genug Unterstützer für eine schnelle Finanzspritze für sein Ministerium zu finden. Ein Haushaltspaket im Umfang von insgesamt 95 Milliarden Dollar, von denen gut 70 Milliarden ans Pentagon und die amerikanischen Geheimdienste gingen, hat es durch das Repräsentantenhaus geschafft; im ebenfalls republikanisch kontrollierten Senat ist eine Mehrheit allerdings noch nicht sicher. Der Krieg ist unbeliebt: Laut einer jüngsten Studie der Quinnipiac-Universität lehnen sechzig Prozent der Befragten die Militäraktion ab. Nur ein Drittel heißt den Krieg gut. Das ist eine Herausforderung für diejenigen Kongressmitglieder, die sich in den Zwischenwahlen in drei Monaten den amerikanischen Wählern stellen müssen.Hegseth bittet Tech-Branche um HilfeOb das Ausgabenpaket noch vor der Sommerpause des Kongresses von Trump unterzeichnet werden kann, steht dahin. Ende dieser Woche verlassen die Senatoren Washington für fünf Wochen. Ein davon unabhängiges Notfallfinanzierungspaket sieht nach Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg allein 18 Milliarden Dollar vor, die in die Wiederherstellung der Bestände von Patriot-, THAAD- und Tomahawk-Raketen fließen sollen. Das vorgesehene Budget entspricht nach einer Schätzung des CSIS etwa 1100 Patriot-Raketen und knapp 500 THAAD-Raketen. Aber auch dieser Antrag liegt noch im Kongress.Wie dringlich die Lage ist, zeigte sich auch an einem ungewöhnlichen Treffen Hegseths mit mehr als einem Dutzend der führenden amerikanischen Unternehmen für Verteidigungstechnologie Ende Juni. Er habe offen um Hilfe dafür gebeten, das amerikanische Waffenarsenal wieder aufzufüllen, schrieben amerikanische Medien nach der Begegnung. Eigentlich habe man sogar schon einige Wochen früher zusammenkommen wollen, das Treffen sei wegen der Gespräche mit Iran jedoch vertagt worden. Die Herangehensweise markiert einen Wandel in der amerikanischen Rüstungsindustrie: Statt sich allein auf die milliardenschweren Rüstungskonzerne zu verlassen, die etabliert, aber schwerfällig sind, sollen schnellere Lösungen gefunden werden.Das „Wall Street Journal“ schreibt, die Zusammenarbeit mit Start-ups aus dem Silicon Valley in dieser Sache sei zu einem zentralen Bestandteil der Regierung Trumps geworden. An dem Gespräch nahmen demnach unter anderem der Hersteller autonomer Waffen Anduril, das Marschflugkörper-Start-up Co-Aspire und Castelion teil, das günstige Hyperschall- und Präzisionslenkwaffen herstellt. Auf die Frage nach möglichen Hindernissen bei der Produktion sollen viele auf die langsamen Vergabeverfahren des Pentagons hingewiesen haben. Außerdem haben Start-ups es häufig schwer, genug Finanzierung vorab zu sichern, um teure Entwicklung und Produktion zu finanzieren. Ob diese Unternehmen schnell genug wachsen können, um massenhaft für die amerikanische Regierung zu produzieren, scheint also auch noch nicht gewiss.