Kim Jong-un regiert Nordkorea seit 15 Jahren, ohne den Namen seiner Mutter jemals öffentlich genannt zu haben. Selbst für die verschlossenen Verhältnisse in Pjöngjang ist dieses Schweigen ungewöhnlich. Politische Mythologie gehört dort zum festen Fundament, mit dem die Führung ihre Herrschaft legitimiert.
Eine solche Auslassung ist deshalb kaum Zufall. Sie ist bewusst gewählt. Die BBC berichtete zuletzt, dass die Legitimität der nordkoreanischen Führung eng mit der sogenannten Paektu-Blutlinie verknüpft ist. Auf diese Abstammung berufen sich sowohl Kim Jong-uns Vater Kim Jong-il als auch sein Großvater Kim Il-sung.
Jede Abweichung von dieser offiziellen Familiengeschichte gilt als politische Bedrohung – nicht als bloßes biografisches Detail. Wer in Nordkorea entsprechende Behauptungen aufstellt und damit die Aufmerksamkeit der regierenden Arbeiterpartei auf sich zieht, riskiert die sofortige Hinrichtung.
Ko Yong-hi: Die Frau hinter dem Schweigen
Im Mittelpunkt der Fragen zu Kim Jong-uns Mutter steht Ko Yong-hi, die in Japan unter dem Namen Takada Hime bekannt war. Sie soll Anfang der 50er-Jahre in Osaka geboren worden sein. Ihre Eltern stammten von der südkoreanischen Insel Jeju. Ko gehörte zu den sogenannten Zainichi-Koreanern – einer koreanischen Minderheit in Japan. Der Begriff entstand während der japanischen Kolonialherrschaft über die koreanische Halbinsel zwischen 1910 und 1945. Viele Koreaner blieben auch nach Kriegsende in Japan.






