Die Musiker nennen es eine „surreale Erfahrung“. Nach einem Auftritt von Massive Attack in Singapur am vergangenen Mittwoch bekam die Band am nächsten Morgen Besuch von der Polizei. Bei dem Konzert hatten die Mitglieder der britischen Trip-Hop-Band eine Palästinaflagge hochgehalten. Einer der beiden Musiker soll Angaben der Polizei zufolge außerdem „Free Palastine“ gerufen haben. „Wir waren überrascht und enttäuscht, dass unsere gesamte Band von der Polizei festgenommen, isoliert und getrennt befragt wurde“, schrieb die Band am Sonntag auf ihrem Instagram-Kanal. Die Hotelzimmer der Musiker seien durchsucht und Reisepässe vorübergehend eingezogen worden.InstagramDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Instagram angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Instagram angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.Singapur hat strenge Regeln für öffentliche Auftritte erlassen, um den sozialen Frieden zu bewahren, wie es heißt. So ist es beispielsweise verboten, ohne Genehmigung eine ausländische Flagge zu zeigen. Die Musiker von Massive Attack wurden von der Polizei „streng verwarnt“, wie die britische BBC unter Berufung auf eine Behördensprecherin meldet. Außerdem wurde ihnen eine erneute Einreise nach Singapur untersagt. Genehmigungen für künftige Konzerte sollen nicht mehr erteilt werden.„Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass das bloße Hochhalten einer Flagge eines souveränen Staates, der von 157 Ländern anerkannt wird (Palästina), einen Gesetzesbruch darstellen könnte“, schrieb die Band auf Instagram weiter. Diese „surreale Erfahrung“ sei eine Erinnerung daran, dass die Menschenrechte und das Recht auf freie Meinungsäußerung überall dort verteidigt werden müssten, wo sie bedroht seien. Ihre Mitteilung beendet die Band mit den Worten „Free Palastine“.Die Haltung der Musiker zum Konflikt im Nahen Osten ist bekannt. Sie gehören zu den prominentesten Unterstützern der Boykott-Kampagne „No Music For Genocide“ und haben ihre Musik in Israel von allen Streamingdiensten entfernen lassen. Seit 1999 treten sie dort auch nicht mehr auf. Im Frühjahr dieses Jahres war der Frontmann der Band Robert Del Naja, auch bekannt als 3D, wegen seiner Unterstützung der anti-israelischen Gruppe „Palestine Action“ in London sogar festgenommen worden.