Eine weite, überlange Hose bringt weltweit Frauen zu Fall. Was das über unsere Beziehung zu Kleidern aussagt.Ihre Opfer werden immer mehr. Sie berichten auf den sozialen Netzwerken von ihren Verletzungen: Prellungen, Schürfungen, Knochenbrüche. Verursacherin all dieser Leiden: eine sehr weite Hose aus luftigem, glatt-glänzendem Stoff in modischer Überlänge vom spanischen Modekonzern Zara, nun genannt «Zara Death Pants». Wenn man mit ihr nicht sehr achtsam läuft, schlägt sie zu, windet sich um Knöchel und Füsse und bringt einen zu Fall.Zu blöd zum Laufen?Das bedeutet aber nicht, dass die Menschen heutzutage zu blöd zum Laufen wären, so der hämische Klang mancher Kommentare. Vielmehr wird deutlich, dass wir, verwöhnt von und gewöhnt an Unkompliziert-Bequemes mit Stretchanteil, verlernt haben, dass einige Kleidungsstücke uns mehr abverlangen, als sie bloss anzuziehen. Sie wollen wirklich getragen sein. Und sie erfordern gewisse Bewegungsabläufe, welche manchmal sogar geübt werden müssen.Was einst zum Alltag Gutgekleideter gehörte, ist eine fast vergessene Kunst der Körperbeherrschung. Die Gewänder diktierten die Bewegung: Frauen lernten, in Reifröcken zu gehen und die Schleppe ihres Kleides beim Wenden mit einer geschickten Fussbewegung herumzuschwingen, um nicht darauf zu treten. Darunter formte das Korsett den Körper und zwang ihn in eine Haltung, in der das Bücken zur einstudierten Choreografie wurde. Sorgfältig einstudierte Bewegungen: tanzendes Paar in höfischer Kleidung, um 1775. Getty Images Vor- und NachteileSelbst die Accessoires erforderten Disziplin: Adlige Herren mussten sich mit dem Degen an der Seite bewegen, ohne andere zu pikieren, und das elegante An- und Ausziehen langer Handschuhe folgte einer präzisen Etikette. Übrig sind nur noch Relikte wie High-Heels-Kurse oder das Zusammenklemmen weiter Hosenbeine, damit sie nicht in die Fahrradspeichen geraten. Bevor man nun das Schwinden einer ganzen Kultur beklagt, muss man sich vergegenwärtigen, welche Bewegungsfreiheit gerade Frauen dank der zeitgemässen Wohlfühlkleidung erlangt haben. Unkompliziertes Sich-aufs-Velo-Schwingen, elegantes Eilen auf das fast wegfahrende Tram: alles möglich. Braucht je nachdem etwas Übung: das Laufen in High Heels. Getty Images Rechtmässig ist der «Killerhose» übrigens nicht ohne weiteres beizukommen: Während jedes Band an einer Kinderjacke durch die Norm DIN EN 14682 präventiv auf den Millimeter genau geregelt ist, existiert für die Entschärfung der Sturzgefahr durch die Passform von Erwachsenenkleidung keine derart spezifische Vorschrift. Sie unterliegt lediglich der allgemeinen Produktsicherheit, die erst bei einer nachgewiesenen Gefährdung greift. Es gilt also, eine Entscheidung zu treffen: Nimmt man für die Optik eines Traumteils in Kauf, seine Bewegungen anzupassen? Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Achtung, Killerhose! Eine weite, überlange Hose von Zara bringt Frauen zu Fall
Eine weite, überlange Hose bringt weltweit Frauen zu Fall. Was das über unsere Beziehung zu Kleidern aussagt.










