Die Gesundheitskosten steigen stark, die Cheflöhne bei den Krankenkassen sinken leichtLaut amtlichen Daten sind Spitzensaläre und Verwaltungskosten bei den Versicherern leicht gesunken. Das Hauptproblem bleiben jedoch die Gesundheitskosten.03.08.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenMit dem medizinischen Fortschritt steigen neben der Lebenserwartung auch die Gesundheitskosten.Illustration Anja Lemcke / NZZIm Moment sind es die steigenden Temperaturen, die Gesprächsstoff liefern. Wenn es wieder etwas kühler ist, werden die steigenden Gesundheitskosten für Wallungen sorgen. Nachdem die Schweiz einige Jahre mit ungewohnt milden Aufschlägen erlebt hatte, sind die Prämien der Krankenkassen für die Grundversicherung seit 2023 wieder relativ stark gestiegen. Die Erhöhungen lagen zwischen 4,5 und 8 Prozent, was auch im Langzeitvergleich unerfreulich hoch ist.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Umso grösser ist der Druck, der auch auf den Versicherern lastet. Je stärker die Kosten – und folglich auch die Prämien – steigen, desto intensiver müssen die Krankenkassen sich selbst verteidigen. Die Linke kritisiert seit Jahren, in einer Sozialversicherung, in der für alle dieselben Regeln gälten, brauche es keine «Pseudokonkurrenz» mit einer Vielzahl privater Anbieter. Günstiger wäre aus ihrer Sicht eine einzige, staatliche «Einheitskasse».Diese Idee ist an der Urne bereits zweimal gescheitert: Beim ersten Mal 2007 mit 72 Prozent Nein-Stimmen, beim zweiten Mal 2014 noch mit 61 Prozent. Ein dritter Versuch könnte gemäss Umfragen tatsächlich mehrheitsfähig sein. Und so denkt die SP regelmässig öffentlichkeitswirksam über die Lancierung einer weiteren Initiative nach.Unpopuläre SpitzensaläreChronischer Streitpunkt sind die Verwaltungskosten der Versicherer, die laut ihren Kritikern höher sind als nötig. Sie umfassen die Ausgaben für Personal und Betrieb für alle Bereiche von Leistungsabrechnungen über Kundendienst bis Werbung. Um politisch Stimmung zu machen, eignet sich jedoch ein spezifischer Kostenblock am besten: die Spitzenlöhne, welche die Kassen ihren obersten Managern auszahlen. Einkommen bis zu einer Million Franken sorgen zuverlässig für Unmut, auch wenn sie gemessen am Total der Gesundheitskosten vernachlässigbar sind.Gerade weil die Krankenkassen in einer Sozialversicherung tätig sind, müssen sie ihre Zahlen gegenüber dem Bund offenlegen – zumindest den Teil, der die Grundversicherung betrifft. Im Bereich der freiwilligen Zusatzversicherungen geniessen sie grössere Freiheiten. Die jüngsten Zahlen zur Grundversicherung für das Jahr 2025, die der Bund vor kurzem publiziert hat, stärken die Argumentation der Krankenkassen.Auffälligste Erkenntnis: Über alle Anbieter hinweg bleibt der Verwaltungsaufwand zum vierten Mal in Folge praktisch stabil. 2025 belief er sich auf 1,7 Milliarden Franken. Gemessen am Total der Prämieneinnahmen entspricht dies 4,3 Prozent. Dies ist der tiefste Wert seit langer Zeit. In den letzten Jahren schwankte er zwischen 4,5 und 5,3 Prozent. Dass er nun tiefer ausfällt, lässt sich teilweise durch den relativ starken Prämienanstieg der vergangenen Jahre erklären.Kosten pro Kopf stiegen von 120 auf 190 FrankenDoch auch eine zweite Kennzahl ist für die Versicherer positiv: Ihre Verwaltungskosten haben nicht nur gemessen am Gesamtumsatz abgenommen, sondern auch in Bezug auf die Zahl der Versicherten. Im Jahr 2025 betrug der Verwaltungsaufwand pro Person genau 191 Franken. Zum Vergleich: Die Gesundheitskosten, für die die Krankenkassen aufkommen müssen, liegen bei mehr als 4000 Franken pro Person.Ein Langzeitvergleich fällt für die Versicherer etwas weniger erfreulich aus: Nach Einführung des Krankenversicherungsgesetzes vor dreissig Jahren lagen ihre Verwaltungskosten zunächst im Bereich von 120 Franken pro Person. Danach stiegen sie mehr oder weniger stetig auf das heutige Niveau von gut 190 Franken.Dass die Verwaltungskosten trotz Digitalisierung und Automatisierung weiter zugenommen haben, rief vor zwei Jahren den digital affinen Unternehmer und FDP-Nationalrat Marcel Dobler auf den Plan. In einem Vorstoss wollte er unter anderem wissen, ob die Digitalisierung nicht zu Entlastungen führen müsste und ob der Bundesrat hier eingreifen werde. Dieser antwortete, ein Grossteil des Kostenwachstums sei eben gerade auf Investitionen in IT-Systeme zurückzuführen.Aber die Hoffnung stirbt zuletzt: Mittelfristig habe die Digitalisierung in der Tat das Potenzial, den administrativen Aufwand zu senken, schrieb der Bundesrat damals. Wann es so weit sein wird: Das liess er offen. Er verweist auch auf den Markt, der dafür sorge, dass ineffiziente Anbieter verschwänden. Tatsächlich ist die Zahl der Krankenkassen in der Grundversicherung seit 2014 von 62 auf 34 gesunken.Linke und SVP wollen die höchsten Löhne deckelnBleiben noch die Cheflöhne: Gemäss den Daten für 2025 betrugen die Entschädigungen der Geschäftsleitungen aller Versicherer zusammen 21,7 Millionen Franken. Bei den Verwaltungsräten waren es 4,3 Millionen. Hier wie dort sind die Bezüge leicht gesunken. Allerdings sind dabei die Löhne nicht mitgerechnet, welche die Versicherer im Bereich der Zusatzversicherungen auszahlen, mit denen sie Gewinne erwirtschaften dürfen.Just diese Unterscheidung gibt im Bundeshaus gerade viel zu reden. Eine Mehrheit aus SVP, SP und Grünen will eine Vorlage durchsetzen, die die Maximalbezüge von Kassenchefs begrenzt. Sie sollen maximal so viel verdienen wie die bestbezahlten Bundesangestellten, also gut 400 000 Franken im Jahr. Allerdings – und dies ist der springende Punkt – soll die Obergrenze nur für die Grundversicherung gelten, nicht aber für den Bereich der Zusatzversicherungen. Kritiker der Vorlage monieren denn auch, diese bewirke bei den betroffenen Kassen lediglich eine interne Verschiebung der Lohnzahlungen.Die Prämienzahler werden davon ohnehin nichts merken, dafür sind die Beträge viel zu klein. Entscheidend bleibt stattdessen die Entwicklung der Gesundheitskosten an sich. Und hier ist laut dem Bund wenig Gutes zu erwarten: Der gegenwärtige Rückgang im Jahr 2026 lässt sich dadurch erklären, dass das neue Tarifsystem für ambulante Leistungen zu Rechnungsrückständen im grossen Stil geführt hat. Blendet man diese aus, wachsen die Kosten pro Person weiterhin im Bereich von 4,5 bis 5 Prozent. Und wie immer gilt: Die Prämien folgen den Kosten.Passend zum Artikel