PfadnavigationHomeICONISTTrendsGemeinde in Rheinland-PfalzAlso in Sommerloch gibt es alles, nur kein SommerlochVon Frank LorentzStand: 09:10 UhrLesedauer: 3 MinutenDeutsche Idylle: Sommerloch in Rheinland-PfalzQuelle: Uwe Anspach/dpaKirmes, Weinfest, „Spansauessen“: In dem 420-Seelen-Dorf bei Bad Kreuznach passiert auch in den traditionell ereignisarmen Wochen des Jahres jede Menge – zumal in Sommerloch einiges funktioniert, das im Rest Deutschlands nicht recht klappen will.Das Sommerloch ist auch nicht mehr das, was es mal war. Der Betrieb in den Parlamenten ruht zwar ferienbedingt bis Anfang September. Doch wer glaubt, wir würden in einer nachrichtenarmen Zeit leben – und nichts anderes bezeichnet der Begriff Sommerloch –, hat womöglich schon lange keine Nachrichten mehr verfolgt. Einen zweiten Grund, die Bedeutung des Wortes Sommerloch zu überdenken, liefert Bernhard Boos. „Bei uns ist eigentlich immer etwas los“, sagt er.Boos ist ehrenamtlicher Ortsbürgermeister von Sommerloch, einer 420-Seelen-Gemeinde bei Bad Kreuznach. Eine Weingegend, mitten in Rheinland-Pfalz. Soeben sei die „Kerschekerb“ zu Ende gegangen, die Kirschenkirmes, erzählt Boos am Telefon. Sie heißt so, weil es früher in Sommerloch eine Menge Kirschbäume gab. Die Früchte wurden auf dem Markt verkauft, vom Erlös feierte man eine Kirmes. Die vielen Bäume gibt es heute nicht mehr, die Kirmes jedoch ist geblieben.In Kürze startet das Sommerlocher Weinfest samt Wanderung durch die umliegenden Weinberge, Live-Musik sowie Essen und Trinken in gemütlicher Atmosphäre. Ja, und dann naht auch schon der Herbst mit seinen „Spansauessen“ auf den Weingütern sowie den Festen, die dem Thema „Wild und Wein“ gewidmet sind. Saure-Gurken-Zeiten, in denen nichts los ist? Die mag es anderswo geben, doch nicht in Sommerloch.Die besten Versicherungsmakler reisen anErstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1158, damals hieß er noch „Sumerlachen“. „Sumer“ bezeichnet eine südliche Lage, „lache“ eine feuchte Mulde. Einer Legende zufolge war es der Journalist Helmut Herles, der um 1980 herum die Sommerloch-Metapher erfand. In einem Versicherungsunternehmen stöhnte man vor Jahren ebenfalls über das in Sommermonaten vor sich hin dümpelnde Geschäft, weshalb das Unternehmen beschloss: Wer in der mauen Ferienzeit die meisten Abschlüsse vorweisen kann, bekommt einen Ausflug spendiert – nach Sommerloch. Boos war nicht dabei, doch die Geschichte soll sich so zugetragen haben. Die Sales-Asse reisten an und hatten Spaß.Der Bürgermeister, der früher für das Mainzer Landeskriminalamt arbeitete, wurde in der Nähe von Cochem geboren und ist seit 1980 Sommerlocher. „Ich habe hierhin geheiratet“, sagt er. Zwischen 1999 und 2014 war er das erste Mal Ortsbürgermeister, vor zwei Jahren ließ er sich „noch mal breitschlagen“. Es dürfte ihm nicht schwergefallen sein.Lesen Sie auchIn Sommerloch funktioniert einiges, was anderswo eher nicht funktioniert. So ist man in dem Ort gerade damit befasst, ein Neubaugebiet für 16 Einfamilienhäuser zu erschließen, damit der Nachwuchs im Dorf bleiben kann, wenn er eine Familie gründet. „Die ziehen sonst weg.“ Boos lobt das örtliche Vereinsleben, die drei Fastnachtsvereine samt Tanzgruppen sowie den Sportverein mit 400 Mitgliedern, viele davon aus Nachbargemeinden. Das Zusammenspiel der Vereine funktioniere „wie ein geöltes Räderwerk“, schwärmt er. „Hier gibt’s keine Parteiinteressen, nur das Wohl der Gemeinschaft.“ Im Gemeinderat gilt die Persönlichkeitswahl, Parteien spielen keine Rolle. Boos selbst ist parteilos.Lesen Sie auchAdieu, Sommerloch der alten Prägung. Dies hier ist das einzig Wahre: eine rundherum vorbildlich daherkommende, dem genussvollen Leben zugetane Gemeinde. Mit einer einzigen ortstypischen Eigenheit fremdelt Boos allerdings bis heute. Er dürfe es eigentlich nicht sagen, sagt er, aber er mag keinen Wein. Lieber Bier. Am besten alkoholfreies.