PfadnavigationHomeRegionalesSachsenSachsens Betriebe wählen Azubis wieder strenger ausStand: 04:06 UhrLesedauer: 4 MinutenInsgesamt bleibt der Ausbildungsmarkt in Sachsen stabil. (Archivbild)Quelle: Sebastian Kahnert/dpaDie Zahl der Ausbildungsverträge bleibt stabil, doch die Bedingungen ändern sich. Warum Unternehmen vorsichtiger geworden sind und welche Berufe jetzt besonders gefragt sind.Ein langanhaltender Trend auf dem sächsischen Ausbildungsmarkt ist gebrochen: Unternehmen stellen nicht mehr unbedingt ein, wenn es keinen geeigneten Kandidaten gibt. «Wir stellen eine neue Tendenz fest. Unternehmen sagen: Wenn ich mir nicht hundertprozentig sicher bin und ein Kandidat nicht hundertprozentig passt, dann halte ich lieber Abstand», sagte Torsten Köhler, Geschäftsführer des Bereichs Bildung bei der IHK Dresden, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.Warum Unternehmen wieder genauer hinschauenZuvor hätten viele Betriebe auch ungeeignetere Bewerber eingestellt und versucht, Defizite im Rahmen der Ausbildung aufzuholen. Nun seien sie weniger bereit für Experimente. Das liege zum einen an den Erfahrungen der letzten Jahre. Oft habe es im Laufe der Lehrzeit Schwierigkeiten gegeben oder die Auszubildenden hätten vor dem Abschluss aufgegeben.Zum anderen sind die Unternehmen inzwischen weniger stark darauf angewiesen, jede Stelle zu besetzen. «Dieser unmittelbare Drang, wie das noch vor einigen Jahren war, die Plätze unbedingt zu besetzen und die Leute irgendwie zum Abschluss bringen, weil sie unbedingt gebraucht werden, ist weg», erklärte Köhler.Rückgänge vor allem in der AutoindustrieZum Start des neuen Ausbildungsjahres beobachtet die IHK zu Leipzig einen Rückgang bei den Ausbildungsplätzen im produzierenden Gewerbe, vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. «Hier sind viele Unternehmen angesichts der angespannten wirtschaftlichen Entwicklung vorsichtiger geworden und stellen weniger Auszubildende ein», teilte Sprecher Carsten Wurtmann mit.Das berichtete auch Köhler. Ihm zufolge bildet vor allem die strauchelnde Automobilindustrie in Südwestsachsen spürbar weniger aus. «Wer dort einsteigen will, der hat es natürlich dann dort schwieriger», sagte Köhler. Auch in Leipzig seien die Zahlen zurückgegangen. «Da zeigen sich viele Unternehmen sehr verhalten mit ihren Ausbildungsverträgen.» Die Planung richte sich nach den Betriebsaussichten sowie der Personalstruktur der Unternehmen und folge der wirtschaftlichen Entwicklung.Entscheidung über Lehrstellen braucht langen VorlaufDabei müsse man fünf Jahre im Voraus denken - ein Jahr vor Ausbildungsbeginn fällt die Entscheidung, ob eine Lehrstelle angeboten wird. Die Ausbildung selbst dauert drei Jahre, dann besteht bei größeren Unternehmen ein Jahr Weiterbeschäftigungspflicht. «Die Lage ist aktuell aber so unsicher, dass die Unternehmen nicht wissen, wie es im nächsten halben Jahr oder im nächsten Jahr aussieht. Da sind sie natürlich vorsichtig.»Trotz Unsicherheit bleiben die Ausbildungszahlen stabilInsgesamt geht die Zahl der neuen Auszubildenden aber dennoch nicht zurück. Bei der IHK Dresden haben bisher 3.600 junge Menschen einen Vertrag unterzeichnet, in den kommenden Wochen werden laut Schätzungen Köhlers noch weitere 1.000 hinzukommen. Das entspricht dem Niveau des vergangenen Jahres.Mikrochipbranche mit AusbildungsoffensiveIn Dresden schlägt sich der Boom der Mikrochipbranche inzwischen auch auf den Ausbildungsmarkt durch. ESMC sei vor dem Produktionsstart im neuen Werk im Sommer 2027 sehr stark auf der Suche nach Bewerbern. Bereits seit einem Jahr bildet das Gemeinschaftswerk des taiwanischen Branchenriesen TSMC mit Bosch, Infineon und NXP Semiconductor aus. «In den nächsten drei bis vier Jahren werden sie ihre Ausbildungszahlen immer verdoppeln, bis sie einen gewissen Mitarbeiterstamm haben, zu dem übergangsweise auch Fachkräfte aus Taiwan gehören, um die Firma einzurichten», sagte Köhler.Auch die bereits ansässigen Infineon und Global Foundries stellen nach ihren Produktionserweiterungen verstärkt ein. Bei Infineon komme hinzu, dass in den nächsten sieben Jahren etwa 1.000 Mitarbeiter in den Ruhestand gehen, so Köhler. Die müsse man ersetzen. «Sie haben schon im letzten und vorletzten Jahr verstärkt die Ausbildungszahlen erhöht, sodass das auf einem ziemlich hohen Niveau ist.»Ostsachsen hält das AusbildungsniveauIn Ostsachsen ist der Ausbildungsmarkt laut Köhler stabil. In Görlitz, Bautzen und der Lausitz haben die Ausbildungsbetriebe demnach keine Probleme, genügend junge Leute für die ausgeschriebenen Stellen zu finden. Die Anzahl der neuen Verträge sei auf dem Niveau der letzten Jahre geblieben.Diese Berufe gewinnen aktuell an BedeutungIm Kammerbezirk Leipzig gibt es im Vergleich zu 2025 bisher sogar mehr angehende Auszubildende. Im Aufwind befinden sich die kaufmännischen Berufe. Zunehmend gefragt sind sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Bewerbern Industrie- und Immobilienkaufleute sowie der vielseitige Beruf Kaufmann oder -frau für Büromanagement.Deutlich mehr junge Menschen starten auch eine Ausbildung als Berufskraftfahrer - trotz hoher Ausbildungskosten für die Unternehmen und Hürden für die Bewerber, beginnend bei der Altersgrenze, so Wurtmann. Bei Handel und Gastgewerbe bleibe die Nachfrage nach Nachwuchskräften hoch, gleichzeitig sei aber die Suche nach Bewerbern herausfordernd. In diesen Bereichen sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr stabil.dpa-infocom GmbH