Mitten in Moskau explodiert während einer Feier in einem Restaurant eine Bombe – Ziel könnte ein russischer General gewesen seinIn der russischen Hauptstadt sind mehrere Personen bei einem Bombenanschlag getötet und schwer verletzt worden. Das Vorgehen erinnert an frühere Attentate mit Bezug zum Krieg gegen die Ukraine.02.08.2026, 01.30 Uhr3 LeseminutenNach einer Bombenexplosion in Moskau ist der Tatort, ein Restaurant in einem der Stalin-Hochhäuser, abgesperrt.Anastasia Barashkova / ReutersEin Bombenanschlag vor einem Restaurant im Stalin-Hochhaus an der Metrostation Barrikadnaja am westlichen Rand des Moskauer Stadtzentrums hat am Samstagabend mindestens drei Tote und 21 Verletzte gefordert. Russlands Nationales Antiterrorkomitee (NAK) sprach am Abend von einem Terroranschlag. In den sozialen Netzwerken zirkulierten Fotos und Videos vom Tatort, der nach kurzer Zeit und auch noch Stunden nach dem Anschlag von Sicherheitskräften, unter anderem der Nationalgarde, weiträumig abgesperrt war.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bombe soll in Geschenkkorb versteckt gewesen seinExilrussische Medien und russische Militärblogger verbreiteten das Gerücht, wonach der Anschlag dem Kommandanten der russischen Luftwaffe, General Alexander Tschaiko, gegolten haben soll. Er war am vergangenen Montag 55 Jahre alt geworden. Den Berichten nach war das Lokal mit «Alexander 55» geschmückt. Auch sollen für die geschlossene Gesellschaft besondere Sicherheitsmassnahmen gegolten haben. Anwesend waren nach diesen Informationen Vertreter russischer Geheimdienste, der Armee sowie Parlamentarier und andere Funktionäre.Nach Angaben des NAK und der Zeitung «Kommersant» versuchte sich eine Frau unter dem Vorwand, einen Geschenkkorb abgeben zu wollen, Zugang zur Veranda des Restaurants zu verschaffen. Als ein Sicherheitsmann am Eingang das Mitbringsel genauer anschauen wollte, explodierte dieses. Das NAK sprach von einem selbst gebauten Sprengsatz, der in dem «Geschenk» versteckt und mit zahllosen kleinen Metallkügelchen gefüllt gewesen sein soll.Von der Wucht der Explosion soll die mutmassliche Attentäterin buchstäblich zerrissen worden sein. Unter den Toten befindet sich nach diesen Angaben auch der Sicherheitsmann sowie eine weitere Person, die in unmittelbarer Nähe war. Das mutmassliche Anschlagsziel – möglicherweise der erwähnte General Tschaiko – soll jedoch unverletzt geblieben sein. Die meisten Verletzten befinden sich nach Angaben russischer Telegram-Kanäle in ernstem Zustand.Der Anschlag erinnerte Beobachter sofort an das Attentat auf den radikalen antiukrainischen Militärblogger und Schriftsteller Wladlen Tatarski im April 2023. Er war während eines Auftritts in einem Café in St. Petersburg durch eine Bombenexplosion getötet worden. Auch damals war die Bombe in einem Geschenk versteckt gewesen, einer kleinen Statue, die ihm von einer aus der Ukraine angeleiteten jungen Frau überreicht worden war. Dass die Bombe diesmal bereits am Eingang explodierte, erklärten sich am Samstagabend Kommentatoren dadurch, dass sie möglicherweise ferngezündet worden sei. Wie im Falle des Anschlags auf Tatarski war die Attentäterin vermutlich gar nicht darüber im Bild gewesen, welch tödliches «Geschenk» sie überreichen sollte.Rache für Butscha?Stellt es sich als korrekt heraus, dass General Tschaiko das Ziel des Anschlags gewesen ist, liegt eine ukrainische Spur nahe. Zahlreiche hochrangige Offiziere der russischen Streitkräfte sind in den vergangenen Jahren in Moskau und Umgebung gezielt getötet worden. Dass es erneut gelang, einen derartigen Anschlag mitten in Moskau durchzuführen, und das eigentliche Ziel nur durch Zufall unversehrt geblieben ist, lässt Fragen nach den Sicherheitsdispositiven zu. Der Inlandgeheimdienst FSB berichtet zwar ständig davon, Terroranschläge vereitelt zu haben, und ebenso regelmässig werden angebliche Urheber von Anschlagsplänen in fragwürdigen Gerichtsverfahren zu langen Lagerstrafen verurteilt. Die Repression scheint aber vor allem der Einschüchterung zu dienen.Tschaiko übernahm erst im Mai das Kommando über die Luftwaffe und entstammt eigentlich dem Heer. Dort hatte er seit Beginn des russischen Grossangriffs auf die Ukraine im Februar 2022 an der «militärischen Spezialoperation» in führender Stellung teilgenommen. Ihm waren die Einheiten unterstellt, die im April 2022 in Butscha vor den Toren Kiews Gräueltaten an der Zivilbevölkerung verübt haben sollen.Die Chiffre Butscha ist in der Ukraine wie in Russland von grosser Symbolik: In der Ukraine und bei den westlichen Unterstützern der Ukraine steht sie für die Grausamkeit der russischen Kriegsführung. Militärangehörige, deren Mitbeteiligung daran die Ukrainer nachweisen können, können sich ihres Lebens nicht mehr sicher sein. In Russland werden die gut dokumentierten Ereignisse als «Fake» abgetan. Wer damals westliche Berichte über die Massaker in den sozialen Netzwerken verbreitete oder eigene Kommentare dazu absetzte, wird bis heute besonders hartnäckig verfolgt und besonders hart bestraft. Erst vor kurzem wurde der Moskauer Oppositionspolitiker Maxim Kruglow von der demokratischen Anti-Kriegs-Partei Jabloko wegen seiner Posts zu Butscha zu sieben Jahren Straflager verurteilt.Passend zum Artikel
Ein Bombenschlag auf ein Restaurant in Moskau könnte einem hohen russischen General gegolten haben
In der russischen Hauptstadt sind mehrere Personen bei einem Bombenanschlag getötet und schwer verletzt worden. Das Vorgehen erinnert an frühere Attentate mit Bezug zum Krieg gegen die Ukraine.










