Ein aktueller US-Bericht zeichnet Kuba als sicherheitspolitischen Akteur, der über Hochschulen, Kultur und soziale Bewegungen Einfluss in den USA genommen haben soll. Für Rainer Schultz, Historiker und Leiter des CASA-Instituts in Havanna, greift diese Lesart zu kurz – und folgt einer politischen Strategie. Im Interview spricht er über Wissenschaftsdiplomatie, akademische Freiheit, reale Einflussrisiken und die Frage, ob Kuba zum Symbol eines größeren innenpolitischen Konflikts in den USA gemacht wird.
Herr Schultz, der Bericht liest sich nicht nur als Sicherheitsanalyse, sondern auch als ideologisches Gegennarrativ zur kubanischen Revolution. Wie belastbar sind seine Vorwürfe – und wo beginnt die politische Deutung?
Die politische Deutung beginnt aus meiner Sicht bereits im ersten Satz. Natürlich enthält der Bericht einzelne historisch belastbare Beispiele und reale Kontakte. Diese werden jedoch häufig aus ihrem Zusammenhang gelöst und in ein neues Narrativ eingefügt, das einem politischen Ziel dient.
Es geht dabei nicht nur um ein Gegennarrativ zur kubanischen Revolution. Der Bericht richtet sich, so meine Lesart, gegen eine emanzipative Geschichtsschreibung insgesamt – gegen Dekolonialisierung, soziale Bewegungen und politische Erneuerungsprozesse seit dem Zweiten Weltkrieg.






