Ohne Wetten läuft im Pferdesport wenig, der seine besten Jahre aber wohl hinter sich hat. Ein Besuch der Trabrennbahn Mariendorf in Berlin.
O bwohl das erste Rennen noch eine Stunde hin ist, hat Hubertus Gasch seine Aufgaben fast schon alle erledigt. Vor ihm, auf dem weißen Plastiktisch, an dem er in der ersten Reihe mit bester Sicht auf die Rennbahn sitzt, liegen neben einem kleinen Fernglas ein Kugelschreiber und ordentlich aufeinandergelegte Papierblätter, auf denen es vor kleingedruckten Zahlen nur so wimmelt. „Die Starterliste“, sagt Gasch. Wenn man an diesem Abend hier auf der Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf die ein oder andere Wette abschließen und dabei auch ein paar Euro gewinnen möchte, geht es ohne diese Liste eigentlich nicht. Nur: Der Pferderennsport und das Wettgeschäft sind eine Welt für sich, es geht um Quoten, Prognosen, Wahrscheinlichkeiten. Und wer diese Liste durchdringt, ist ein Kenner.
Seit 1913 gehen in Mariendorf Pferde an den Start. Sie ziehen ein zweirädriges Gespann, den Sulky, hinter sich, auf dem eine Fahrerin oder ein Fahrer sitzt, und traben auf der 1.200 Meter langen Bahn um die Wette. Die eigens dafür gezüchteten Pferde, Traber genannt, zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch bei hohem Tempo die gesamte Distanz im Trab bleiben können. Wer dann doch aus Versehen in den Galopp fällt, wird disqualifiziert. Und da wären wir auch schon beim Galopprennen, das mit vielen populärkulturellen Bildern wohl die bekanntere Variante des Pferderennsports ist mit den Jockeys, die halb hockend auf ihren Pferden nach vorne preschen und von einer schicken Gesellschaft mit auffälligen Hüten auf den Tribünen angefeuert werden.







