Bekannte Besucher haben dem Beitrag der Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) zum heutigen Lungenkrebstag eine besondere Aufmerksamkeit verschafft. Die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) ließ sich am Freitag gemeinsam mit Hendrik Streeck, Drogenbeauftragter der Bundesregierung und Abgeordneter der Unionsfraktion, erklären, wie die Früherkennung funktioniert und welche Auswirkungen sie hat.Bei 76 Prozent der Patienten habe die Erkrankung schon ein spätes Stadium erreicht, wenn sie zum ersten Mal diagnostiziert werde, berichtete Tim Hirche, Klinikdirektor der Pneumologie. Je früher der Krebs aber entdeckt werde, umso größer sei die Wahrscheinlichkeit, ihn zu heilen.Darum sei es ein enormer Fortschritt, dass langjährige Raucher sich seit Anfang April dieses Jahres in einem speziellen Screening untersuchen lassen könnten. Dieses sei nicht nur rechtlich erlaubt, sondern auch eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Damit erhielten Versicherte mit erhöhtem Erkrankungsrisiko Zugang zu einer qualitätsgesicherten Früherkennung mit einer leistungsfähigen Niedrigdosis-Computertomographie.Patienten müssen mindestens 25 Jahre geraucht habenDas Verfahren kann kleinste Karzinome in einem frühen, häufig noch symptomfreien Stadium sichtbar machen. Während der Konzern Asklepios anlässlich des Lungenkrebstages am Freitag darauf aufmerksam machte, dass seine Klinik in Gauting bei München am 1. April als eines der ersten Häuser in Deutschland mit dem Screening begonnen habe und weitere Zentren errichte, sprach Hirche von sechs entsprechenden Helios-Standorten. Einer davon ist Wiesbaden.Ein Bronchoskopie-System, das von einem Roboter unterstützt wird, ermöglicht es den Ärzten, besonders tief vorzudringen, wenn sie Proben von verdächtigem Lungengewebe entnehmen. Bestätigt sich der Verdacht auf ein Lungenkarzinom, kann es in einem minimalinvasiven Verfahren mit dem Roboter entfernt werden.Für die Patienten bedeutet das im besten Fall die Option auf einen früheren Behandlungsbeginn, schonende Eingriffe und eine schnellere Wundheilung. Den Anspruch, sich in einer sogenannten Niedrigdosis-CT untersuchen zu lassen, haben aktive und ehemalige Raucher zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang geraucht und dabei mindestens 15 sogenannte Packungsjahre erreicht haben. Zudem dürfen sie seit höchstens zehn Jahren vom Rauchen entwöhnt sein. Die erste Anlaufstelle für Personen mit dem Risiko einer Erkrankung ist der Hausarzt, der sie gegebenenfalls an eine radiologische Praxis zum Screening überweisen kann.Was „Da Vinci“ alles kannBei der radiologischen Untersuchung werden in einer Computertomographie räumliche Bilder der Lunge erstellt, auf denen Tumore oder andere verdächtige Gewebeverdichtungen gut zu erkennen sind. Wer dabei einen auffälligen Befund bekommt, wendet sich an ein spezialisiertes Lungenkrebszentrum. Der Roboter „Da Vinci“ im Operationssaal der HSK hat nach den Angaben der Helios-Gruppe mehr als eine Million Euro gekostet. Der ganze OP sei sehr viel teurer, hieß es.Im Gespräch mit Stolz und Streeck wurde auch die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz bei der Untersuchung anschaulich erläutert. Hirche berichtete, dass die ersten Auswertungen des Verfahrens sehr positiv seien, und zeigte sich überzeugt, dass sie durch größere deutsche Studien bestätigt würden.Streeck fragte, ob die Kosten solcher Behandlungsformen der Solidargemeinschaft zuzumuten seien, da Raucher ja um die Risiken wüssten. Hirche antwortete, dass die anfallenden Beträge im Frühstadium der Behandlung relativ gering seien.„Wir müssen Lungenkrebs unbedingt schon früh diagnostizieren.“ Dies sei mit der neuen Methode in beispielloser Weise möglich. Im Laufe des Verfahrens werde den Patienten auch die Teilnahme an Programmen zur Tabakentwöhnung nahegelegt.Warnung vor E-Zigaretten und NikotinbeutelnStreeck warnte vor den Gefahren, die mit Nikotinbeuteln und elektronischen Zigaretten verbunden seien. Aktuelle Zahlen belegten einen signifikanten Anstieg bei zwölf- bis siebzehnjährigen Rauchern. Dies hänge mit den süßen Aromen und Geschmacksrichtungen zusammen, die an Bonbons oder Snacks erinnerten.Auch wenn in der Wahrnehmung nichts an Tabak erinnere, so sei doch Nikotin darin enthalten, „ein Nervengift, das sehr süchtig macht“. Wie schädlich der Konsum sei, zeigten Berichte von Ärzten über den darauf zurückzuführenden Zahnverlust. „Die Politik muss hier wirklich gegensteuern“, sagte Streeck. „Nikotinbeutel gehören verboten.“Gegenwärtig sei der Konsum in Deutschland erlaubt, der Verkauf aber verboten. Die sogenannten Pouches, die zwischen Lippe und Zahnfleisch geklemmt werden, gelangen aus Nachbarländern oder im Onlinehandel ins Land.Prävention, Früherkennung und eine vorausschauende Tabak- und Nikotinpolitik gehörten zu einem wirksamen Kinder- und Jugendschutz, hob Streeck hervor. Auch niedrigschwellige Angebote zur Rauchentwöhnung und zur Suchthilfe seien unverzichtbar. Die geplante Anhebung der Tabaksteuer sei dabei „ein wirksames Instrument, um insbesondere junge Menschen vom Einstieg ins Rauchen abzuhalten“.